Hinweis: Die diesjährige Teufner Vieschau findet morgen Donnerstag statt. Die Auffuhr beginnt um 9 Uhr.

«Meine erste Gemsli-Rösti hatte ich mit 13. Da war ich zum ersten Mal in Teufen», sagt Callum Boath. Er spricht mit der Tüüfner Poscht via Internet-Telefonie. Für einen gemeinsamen Kaffee ist er ein bisschen zu weit weg. Callum Boath lebt mit seiner Familie in Dunfermline, rund eine Autostunde von Edinburgh entfernt. Er ist in Schottland aufgewachsen – hat aber familiäre Verbindungen nach Teufen. Hier lebt nämlich sein Vater Michael Tonner mit seiner Frau Daniela. «Ich komme normalerweise zwei- bis dreimal pro Jahr nach Teufen.»
Im vergangenen Frühherbst hat er sich während einem dieser Besuche einen lang gehegten Wunsch erfüllt: eine Viehschau-Doku. Callum Boath ist nämlich Filmemacher. Zu seinem Repertoire gehören Dokumentationen – aber auch Werbespot, Imagefilme oder grössere Filmprojekte. «Mich haben die gelebten Traditionen im Appenzellerland schon immer fasziniert. Das Jodeln – sorry, ‘Zäuerle’ kann ich nicht aussprechen –, die Kleidung, die bäuerlichen Festtage.» Eigentlich hatte er immer gehofft, den Alpabzug zu «erwischen». Dann habe er aber realisiert, dass sich die Viehschau genau so gut eignet. «Daniela half mir dann beim Organisieren. Und vor allem beim Übersetzen.»
Die Sprachbarriere sei nämlich eine der grössten Herausforderungen gewesen. Das galt für die Kommunikation während der Aufnahmen. Aber auch für das anschliessende «Schneiden» des Films. «Ich wollte nicht nur die Bilder, sondern auch die Dialoge für das englischsprachige Publikum zugänglich machen. Dabei merkte ich ziemlich schnell, dass mein Übersetzungs-Tool mit dem Schweizerdeutsch hoffnungslos überfordert war.» Die automatisch generierten Untertitel hätten anfangs keinerlei Sinn ergeben. Dank sprachlicher Schützenhilfe aus Teufen kann der knapp 13 Minuten lange Film jetzt aber durchgehend mit stimmigen englischen Untertiteln geschaut werden. «Die ersten Feedbacks von Bekannten hier aus Schottland waren sehr positiv. Für sie ist dieser Teil der schweizerischen Kultur sonst kaum greifbar.» Etwas habe er allerdings nicht so richtig einfangen können: Dieses Gefühl, das einen überkomme, wenn man einem Zäuerli aus nächster Nähe zuhört. «That just goes so deep. You can really feel it in your gut.»