Es ist eng in der historischen Stube an der Hechstrasse. Einige Teufner Unternehmerinnen und Unternehmer sind da. Aus den verschiedensten Branchen. Fürs Anstossen reicht der Platz aber gerade noch. Zum Start schenkt Michi Hollenstein einen «Sekt Brut» ein. Er stammt, wie alle Weine im Angebot von «Hollys Wilädeli», aus Deutschland. Genauer: aus der Pfalz. Ein knapp 5000 Quadratkilometer grosses Gebiet im Süden des Landes Rheinland-Pfalz an der Grenze zu Frankreich. Der Riesling hatte Michi Hollenstein, genannt «Holly», einst dorthin geführt. «Diese Weinsorte hat es mir einfach angetan. Es ist faszinierend, wie sehr sich die Weine unterscheiden. Auch, weil sich die besten Rieslinge in der Flasche noch weiterentwickeln können und tertiäre Aromen bilden.» Er wird an diesem Abend einiges über Wein erzählen – acht davon sollen noch verköstigt werden. Auf dem Degustations-Blatt sind ein Sauvignon, ein Rotwein-Cuvée oder ein Tempranillo zu finden. Und natürlich mehrere Rieslinge. Erst wird aber getanzt.

Leila Steiner fordert die Anwesenden zum Mitmachen auf: Sie sollen mit den Armen Buchstaben formen. «Wie bei Y.M.C.A.!» Nur geht es in diesem Fall um «M.I.T.»: Made in Teufen. Ein Schlagwort, das sich durch die Präsentation von Leila Steiner zieht. Es geht um KI, Künstliche Intelligenz. Mit ihrer kilara GmbH bietet die Teufnerin seit diesem Sommer KI-Beratungen an. Davor war sie beim Kantonsspital St. Gallen als Projektleiterin tätig. Die Zusammenarbeit mit Michael Hollenstein entstand während eines Besuchs im Weinladen. Später half sie ihm, mit KI ein Tool zu schreiben, das für ihn einen Grossteil der administrativen Arbeit übernimmt. «Früher habe ich dafür fast einen Arbeitstag aufgewendet. Heute genügt eine Stunde.»
Das ist nicht das einzige Beispiel für die Integration von KI in den Arbeitsalltag. Silvan von Arx ist zu Besuch. Er betreibt in Grenchen (SO) eine Autogarage und erzählt, wie sehr ihn die KI bei alltäglichen Arbeiten unterstützt. Beim Verfassen von Offerten oder bei der Festlegung der Preisstrategie. Beim dritten Beispiel wird es schon fast futuristisch. Es geht um das Start-Up «Nahtlos» von José Näf und Michel Schmid. Dieses Spin-off der Empa St. Gallen ist im Innovationspark Ost in St. Gallen zuhause und entwickelt textilbasierte Elektroden für die Überwachung der Herzaktivität. «Sie setzten bei der Weiterentwicklung ihrer Produkte und Produktionsabläufe stark auf KI», erzählt Leila Steiner. Unter anderen haben sie Kameras installiert, mit deren Hilfe die KI die Produktion beobachtet «und dann auch konkrete Verbesserungsvorschläge machen kann».

Es sind spannende Beispiele. Und es ist beeindruckend zu sehen und zu hören, zu was die KI mittlerweile fähig ist. Aber Leila Steiner verschweigt auch die Herausforderungen der KI-Revolution nicht. Sie spricht beispielsweise vom «Brain Fry». So wird die Erschöpfung genannt, die bei intensiver Arbeit mit KI-Tools einsetzen kann. «Das Feedback der KI ist unglaublich schnell und die Datenmenge riesig. Da muss man sich genügend Pausen gönnen.» Auch das Thema Datenschutz und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmenden kommen zur Sprache.
Unter dem Strich überwiegt für Leila Steiner aber das Positive: «Man sollte sich nicht fragen, für was man KI einsetzen will. Sondern für was nicht. Welche Arbeit soll beim Menschen bleiben?» Denn das Handwerk, das sei klar, werde auch in Zukunft vom Menschen ausgeführt. «Auch klar ist aber, dass sich jedes Unternehmen mit der KI auseinandersetzen sollte. Sie wird unsere Arbeitswelt grundlegend verändern.»