
Herr Kessler, meine erste Frage muss sein: Warum erst jetzt?
Die öffentliche Diskussion war während der vergangenen vier Jahre vor allem vom Tunnel geprägt. Das lag einerseits an den regelmässigen Infos seitens der Gemeinde – sie hatte ja den Auftrag zur Ausarbeitung eines Tunnel-Projekts von der Bevölkerung bekommen. Und andererseits an dem Engagement der «IG Tüüfner Engpass». Wir sind aber der Meinung, jetzt ist der Zeitpunkt für eine Gegenüberstellung von Tunnel und Doppelspur gekommen. Mit der Budget-Info vom Montag wird diese wohl eröffnet. Und wir wollen die Anlaufstelle für die Menschen sein, die sich wegen des Tunnels Sorgen machen – oder sich für die Doppelspur einsetzen wollen.
Sie haben recht: In letzter Zeit ging es fast nur um den Tunnel. Es gab ständig neue Visualisierungen – sogar einen kleinen Film. Und die Abstimmung findet in weniger als vier Monaten statt. Sind Sie nicht schon zu spät?
Das glaube ich nicht. Klar, momentan wird sehr viel über den Tunnel berichtet und gesprochen. Aber wir sind überzeugt davon, dass die Zeit für eine ausgewogene und gut informierte Debatte über die beiden Projekte noch reicht. Das ist ja sicher auch im Interesse von Gemeinde und Tunnel-Befürworter. Die Tunnel-Befürworter hatten schliesslich eine Gegenüberstellung der beiden Projekte in gleicher Planungsreife gefordert.
Wichtig ist, dass wir den Mehrwert des Tunnel-Projekts nicht sehen – insbesondere in Anbetracht des Preisschilds.
Tatsache ist aber, dass die Doppelspur inzwischen in weite Ferne gerückt ist. Viele wissen nicht mehr genau, was damals präsentiert wurde.
Stimmt. Das spüre ich in verschiedenen Gesprächen auch. Deshalb fordern wir eine Kommunikations-Offensive – mit aktuellen Preisschildern für beide Projekte, Visualisierungen zur Doppelspur, aber auch mit Antworten auf alte Forderungen. Ein Beispiel wären die Gummifüllungen bei den Schienen.
In welcher konkreten Form sollte diese Kommunikation stattfinden?
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Denkbar wären eine Ausstellung oder ein Info-Anlass. Aber auch ein Print-Versand kann sinnvoll sein. Am wichtigsten ist aus unserer Sicht, dass das noch in diesem Jahr stattfindet. Sonst reicht die Zeit für eine echte Auseinandersetzung nicht. Und das ist für uns bei einem so wegweisenden Infrastrukturprojekt zwingend.
Aber, sind wir ehrlich, das wird ja kaum noch heuer stattfinden. Ich vermute, die Gemeinde hat schon mit dem rechtzeitigen Erstellen des Abstimmungsedikts ziemlich viel zu tun …
Das wissen wir Stand heute noch nicht. Aber wir erwarten von der Gemeinde, dass sie die geplante Kommunikation möglichst bald erläutert. Der Gemeinderat muss beweisen, dass er ausgeglichen kommunizieren kann und will. Vielleicht passiert das ja kommenden Montag.

Was wir schon wissen: Die eigentliche Informations-Veranstaltung für den Tunnel ist auf den 10. Februar 2027 angesetzt. Was, wenn es dabei bleibt und es sonst keine weiteren «Doppelspur-Infos» gibt?
Dann werden wir als IG Doppelspur prüfen, ob es nicht sinnvoll wäre, den Abstimmungstermin zu verschieben. Was spricht dagegen, dass wir erst im April an die Urne gehen? Für eine Hauruck-Übung ist dieser Entscheid zu wichtig.
Man könnte sagen, die Wahlen sprechen dagegen.
Da sehe ich keinen Konflikt. Man kann auch argumentieren, dass man dann noch die Wahlbeteiligung mitnehmen kann. Und wer sich zur Wahl stellt, tut das ja sowieso unabhängig vom Resultat der Tunnel-Abstimmung. Etwas ist mir aber noch wichtig …
… nur zu.
Wir werden uns als IG Doppelspur beim Thema Kommunikation nicht einfach auf den Gemeinderat abstützten, sondern auch selber aktiv werden. Das zeigt ja auch unserer Website, die bereits online ist.
Sie planen eine Abstimmungskampagne?
Wenn es dann so weit ist, bestimmt, ja. Jetzt geht es erstmal um die Verbreitung von Informationen.
Haben Sie bereits ein Budget?
Nein, diesbezüglich sind wir auf Spenden angewiesen. Wie viel wir machen können, hängt direkt vom verfügbaren Kapital ab. Den Rest werden wir mit Blut, Schweiss und Tränen aufstocken.
Jetzt haben wir viel über die Kommunikation gesprochen. Noch kurz zum Inhalt: Sie sind in jedem Fall für die Doppelspur? Egal, wie teuer der Tunnel wird?
Wir sind davon überzeugt, dass die Doppelspur das bessere Projekt für das Dorf ist. Klar, die Finanzen spielen eine entscheidende Rolle. Viel wichtiger ist aber, dass wir den Mehrwert des Tunnel-Projekts nicht sehen – insbesondere in Anbetracht des Preisschilds.
Wir hoffen natürlich, dass es zu keinen persönlichen Anfeindungen kommt. Falls doch, müssen wir das aushalten.
Was, wenn es nun doch viel günstiger wird als gedacht? Könnte das zu internen Diskussionen führen?
Da müsste ich jetzt spekulieren. Und das will ich nicht. Aber ich glaube kaum, dass so ein Tunnel technisch so günstig realisierbar ist, dass die Doppelspur nicht in jedem Fall massiv günstiger wird. Und wie gesagt: Wir bevorzugen die Doppelspur so oder so. Der Dorfplatz wird in jedem Fall nie zu einer grünen Begegnungszone – mit oder ohne Tunnel.
Die Ortsdurchfahrt ist ein «ewiges Thema» in Teufen. Dass sich jemand öffentlich für die Doppelspur ausspricht, ist aber eher selten. Eine Interessensgemeinschaft wie eure gab es schon sehr lange nicht mehr. Sie sind diesbezüglich ein Sonderfall: Schon vor sechs Jahren hatten Sie sich dezidiert geäussert. Ich vermute, da gab es auch einige Reaktionen … Habt ihr Respekt vor Anfeindungen wegen eurem Doppelspur-Engagement?
Die inhaltliche Diskussion darf und soll hart und intensiv geführt werden. Dem stellen wir uns gerne, zum Wohl der Bevölkerung. Wir hoffen aber natürlich, dass es zu keinen persönlichen Anfeindungen kommt. Falls doch, müssen wir das aushalten.
Sie sind im Vorstand der FDP-Teufen. Werden Sie versuchen, die Partei zu einer Nein-Parole für den 28. Februar zu bewegen?
Ich werde mich natürlich für eine Nein-Parole stark machen. Ob ich damit Erfolg habe, weiss ich jetzt noch nicht. Und klar ist auch: Jede FDPlerin, jeder FDPler wird am Ende selber entscheiden.
Die IG Doppelspur
Die neu gegründet «IG Doppelspur» ist als Verein organisiert. Präsidiert wird sie von Philipp Kessler (KR / FDP). Sein Vize ist André Gabus. Kurt Bischof macht den dreiköpfigen Vorstand komplett. Die weiteren Vereinsmitglieder sind Alexander Assmus (KR / GLP), Felix Leu (ehem. SP-Präsident), Fabian Germann, Mägi Bischof, Christian Meng (ehem. KR und GR / Ressort Bau), Michael Knechtle und Herbert von Burg.