







Nerina Keller
Wer Pilze gefunden hat, kann diese am Montagabend von Pilzkontrolleur Manuel Mettler inspizieren lassen. Er ist zu dieser Zeit im Velokeller vom Dorf 7 und stellt sein ganzes Wissen zur Verfügung. Als die Kontrolle um 18 Uhr beginnt, sind bereits die ersten «Pilzler» vor Ort. Die TP hatte keine Pilze, dafür aber die Kamera dabei.
Pilze haltbar machen
Die Pilzkontrolle findet jeden Montagabend von 18 bis 19:30 Uhr im Dorf 7 statt (Velokeller). Wer gefundene Pilze bis dahin aufbewahren möchte, soll sie am besten gut geputzt unter einem feuchten Tuch im Kühlschrank lagern. «So bleiben sie locker drei bis vier Tage frisch», sagt Manuel Mettler.
«Heuer gibt es nicht viele Pilze bis jetzt. Es ist viel zu trocken.» Manuel Mettler weiss deswegen auch nicht, ob heute Abend überhaupt jemand kommt. Kurz nachdem die ersten Sammler den Keller wieder verlassen haben, kommen aber auch schon die nächsten. Ein bisschen was ist wohl trotzdem gewachsen.
Am liebsten alle essen
Martin Waldburger und Friedl Schmitt haben gleich mehrere kleine Holzkörbe mit Pilzen dabei. Sie lächeln stolz, als sie ihren Fund auf den Tisch stellen. Und sind gespannt auf das Urteil des Profis. «Am liebsten würden wir alle essen», sagt Friedl Schmitt. Während die Pilze kontrolliert werden, machen sie sich bereits Gedanken darüber, wann bei wem gekocht wird.
Manuel Mettler kontrolliert mit allen Sinnen. Jedes Körbchen räumt er sorgfältig aus und legt die Pilze auf ein blaues Tablar. Jeder einzelne Pilz wird begutachtet und dann nach rechts oder links gelegt. «In der Ausbildung lernt man, dass immer das ganze Körbli geleert werden muss.» Sonst ist die Gefahr viel zu gross, dass ein Pilz übersehen wird. Nach einem prüfenden Blick ist ihm meist schon klar, um welchen Pilz es sich handelt. Oft riecht der Kontrolleur auch an einem oder probiert gar ein Stück. «Das geht aber nur bei den Täublingen.» Wer hundert Prozent sicher ist, dass es sich um einen Täubling handelt, kann ein Stück vom Hut degustieren. So kann man die giftigen von den geniessbaren unterscheiden. Schmeckt er mild, kann er gegessen werden. Wird er scharf, muss er weg. «Kann ich auch probieren?», will Friedl Schmitt wissen. Er steckt sich ein Stück in den Mund und spuckt es dann gleich wieder aus.
Risotto oder Pilzbrot
Die orangen Lachsreizker können dafür eingepackt werden. «Die kocht ihr am besten nicht zusammen mit anderen Pilzen, sonst schmeckt alles gleich.» Manuel Mettler gibt während der Kontrolle immer mal wieder einen Kochtipp. Braten, trocknen, in eine Sauce oder pur. Wie die Pilze genossen werden, ist zweitrangig. Hauptsache, sie sind gut durchgegart. «Die allerwenigsten Pilze sind zum Rohverzehr geeignet», erklärt der Kontrolleur.
Zum Pilz des Abends wird der Flockenstielige Hexenröhrling gekürt. Fast alle der gekommenen «Pilzler» haben mindestens einen dabei. «Ein ausgezeichneter Speisepilz», wie Manuel Mettler mehrmals betont. «Und er ist recht robust, deswegen ist er wohl trotz der Trockenheit und Wärme am einen oder anderen Ort zu finden.» Zubereitet wird er laut Manuel Mettler, der selbst auch ein leidenschaftlicher Koch ist, am besten in einem Risotto. «Bei 40 bis 50 Grad trocknen, für den Risotto dann einweichen.» Ebenfalls empfehlen kann er ein «Pilzbrot»: Mit den Pilzen eine Rahmsauce zubereiten und diese auf ein Stück frisches Brot geben. Die Gekommenen freuen sich alle schon sichtlich auf den Genuss ihrer Schätze aus dem Wald.


Für Menschen giftig, für Schnecken gut
«Den nehme ich euch weg», sagt Manuel Mettler. Der giftige Breitblättrige Rübling wandert in den Sack hinter dem Tisch, an dem der Pilzkontrolleur steht. Alle Pilze sind Magen-Darm-toxisch: eine Vergiftung bekommt man also erst, wenn der Pilz im Magen ist. Einige der Sammler fragen, ob sie die ungeniessbaren Pilze wieder mitnehmen sollen. Manuel Mettler lehnt dankend ab. «Ich werfe die dann bei mir auf den Kompost, dann haben die Schnecken auch noch was davon.» Viele Pilze sind für Menschen giftig, für Tiere aber essbar. «Manche denken, dass alles, was von Tieren angefressen ist, auch von uns gegessen werden kann. Das stimmt leider nicht.» Der Magen eines Menschen kann nicht mit dem von Rehen oder Eichhörnchen verglichen werden.
Am Wochenende soll es etwas regnen. Vielleicht spriessen dann noch ein paar mehr Pilze aus dem Boden, die es zur Kontrolle und dann auf einen Teller schaffen. Manuel Mettler bleibt vorerst noch ein bisschen skeptisch: «Wenn es nur ein paar Millimeter Niederschlag gibt, wird das nicht allzu viel bewirken. Aber warten wir mal ab.»