
Herr Oehri, laufen unsere Quellen noch?
Dass es jetzt lange Zeit sehr trocken war, merken wir schon. Die Quellen laufen, aber es kommt im Moment nicht mehr so viel Wasser wie anfangs Jahr.
Was heisst das?
Im Januar konnten wir noch rund 22’000 Kubikmeter Eigenwasser fördern, im April rund 12’000. Das sind ganze 10’000 Kubikmeter weniger. Aber wir sind gut abgesichert. Dadurch, dass wir Fremdbezüge aus dem Bodensee (Regionale Wasserversorung St.Gallen) und dem Alpstein (Regionale Wasserversorgung Appenzeller-Mittelland) machen können, haben wir Spielraum und können nach Bedarf einfach ergänzen.
Der Bodensee hat aber auch nicht mehr so viel Wasser, oder? Der Pegel ist so tief wie seit 40 Jahren nicht mehr.
Ach, wir holen das Wasser aus 60 Metern Tiefe. Bis es da kein Wasser mehr hat, dauert es eine Weile.
Bis es im Bodensee kein Wasser mehr hat, dauert es noch eine Weile.
Und das Wasser aus dem Alpstein sprudelt auch kräftig?
Auch da gibt es keinerlei Probleme. Die Gätteri-Quelle, von der wir das Wasser beziehen, gibt zuverlässig Wasser. Im Vergleich zu uns hatte es dort auch Schnee, der jetzt schmilzt.
Bei uns ist der letzte Schnee schon etwas länger her, ja …
Normalerweise schneit es im März oder April nochmals. Heuer ist dieser Schnee ausgeblieben. Aus Sicht der Wasserversorgung ist das schade. Dieser späte Schnee ist nämlich sonst immer eine Art «Reserve» an den schattigen Hängen und gibt langsam Wasser ab.
Hat der Regen diese Woche denn schon wieder zum Normalzustand geführt?
Nein, leider hat das noch nicht gereicht. Aber das war «guter Regen». Weil er zuerst den Boden benetzt und etwas aufgeweicht hat. Das Wasser der darauffolgenden Regentage konnte so gut versickern. Die Landwirte sind froh drum. Und wir auch.
Wieviel Regen würde es denn brauchen, dass sich die Wasserstände wieder normalisieren?
Eine Woche Dauerregen. Dann wären alle Grundwasserspeicher wieder gut gefüllt.
Nach einer Woche Dauerregen wären alle Grundwasserspeicher wieder gut gefüllt.
Am Wochenende geht die Badi auf. Konnten die Becken trotz des trockenen Frühlings gut gefüllt werden?
Auf jeden Fall, die Badi müssen und wollen wir ja auch füllen. Aber gefüllt werden die Becken natürlich nicht in einem Tag, sondern Stück für Stück. Sonst hätten wir plötzlich nicht mehr genügend Wasser. Aber die machen das auch immer in Rücksprache mit uns. Genau wie alle anderen Pool-Besitzer. Wer grosse Wassermengen bezieht, muss dies anmelden. Sonst suchen wir nach einem Rohrbruch.
Im letzten Jahr konnte Teufen 72 Prozent des Wasserbedarfs aus eigenen Quellen abdecken. 2023 waren es 62,3 Prozent. Können Sie schon sagen, in welche Richtung es dieses Jahr geht?
Dafür ist es noch viel zu früh. Jetzt ist Mai und es ist noch alles offen. Fakt ist aber: Unsere Quellen geben in der Tendenz immer weniger Wasser.
Braucht es in Zukunft ein anderes Wasserversorgungssystem?
Nein, das nicht. Wir können so weiterfahren. Ende des vergangenen Jahres hat der Gemeinderat die erneuerte «Generelle Wasserversorgungsplanung GWP» abgesegnet. Für die nächsten 20 bis 30 Jahre ist darin festgehalten, wie wir die Gemeinde finanziell und planerisch mit Wasser versorgen. Und wir sind auch für Krisen gewappnet …
Von welcher Krise reden Sie?
Der grossflächige Stromausfall in Spanien hat zuletzt wieder zu einigen Anfragen und auch Besorgnissen geführt. Was passiert in Teufen, wenn der Strom ausfällt? Wir sind dafür aber gewappnet. Die Wasserversorgung hat eigene Notstrom-Aggregate. Falls nötig, können wir damit die notwendigen Anlagen betreiben. Solange Diesel verfügbar ist – dafür ist im Ernstfall der Kanton zuständig – können wir Teufen mit Wasser versorgen.
Ein Blick ins neue Reservoir …
Das neueste Reservoir der Wasserversorgung Teufen ist das auf der Häuslersegg. Beim Besuch bei Thomas Oehri bot sich auch die Gelegenheit, einen Blick in das höchstgelegene Wasserreservoir zu werfen. Es wurde 2024 fertiggestellt. Mehr dazu lesen Sie hier (S. 15). Über die Teufner Quellen und deren Fassungen erfahren Sie hier mehr.

