
Hinweis: Mehr über Christan Weniger lesen Sie hier und in der aktuellen Print-Ausgabe.
Herr Stutz, Sie haben sich entschlossen, für das Gemeindepräsidium zu kandidieren. Was gab den Ausschlag für diesen Entscheid?
Das Amt des Gemeindepräsidenten reizt mich bereits seit längerer Zeit. Ausschlaggebend für meinen Entscheid waren vor allem meine Leidenschaft für die Politik sowie die spannenden und vielseitigen Aufgaben, die diese Position mit sich bringt. Zudem liegt mir unsere Gemeinde und ihre Bevölkerung sehr am Herzen. Der Zuspruch aus meinem privaten Umfeld und meiner Familie hat mich zudem bestärkt.
Sie sind seit 2015 Mitglied des Gemeinderates, sind seit 2022 Leiter der Ermittlungsgruppe Wirtschaftsdelikte bei der Kapo SG und sitzen seit 2023 auch für die FDP im Kantonsrat. Im Falle einer Wahl als Gemeindepräsident müssten Sie so einiges umdisponieren …
Ich bin es gewohnt, anspruchsvolle Aufgaben und verschiedene Verantwortlichkeiten effizient und erfolgreich unter einen Hut zu bringen. Sollte ich zum Gemeindepräsidenten gewählt werden, würde dieses Amt selbstverständlich meinen vollen Fokus erhalten. In diesem Zusammenhang würde ich meine Tätigkeit bei der Kantonspolizei beenden. Um einen geordneten Übergang zu gewährleisten, werde ich gemeinsam mit meiner Arbeitgeberin eine Lösung finden, welche die Kündigungsfristen respektiert und einen reibungslosen Wechsel sicherstellt.
Seit 2022 haben Sie als Vizepräsident auch die Stellvertretung von Reto Altherr inne. Ermöglicht Ihnen diese Nähe einen besseren Einblick in die Tätigkeit als Gemeindepräsident? Und war das eher abschreckend oder motivierend?
Durch die Nähe zum Gemeindepräsidenten, den regelmässigen Austausch und die gemeinsame Vorbereitung der Sitzungen, habe ich einen tiefen, realistischen und für mich sehr wertvollen Einblick gewonnen. Ich kenne nicht nur die vielfältigen Aufgaben, sondern bin mir auch der komplexen Herausforderungen und der hohen Anspruchshaltungen dieses Amtes bewusst. Die Möglichkeit, diese Aufgaben gemeinsam mit einem starken Team und einer sehr gut funktionierenden Verwaltung wahrzunehmen, motiviert mich sehr.
Alle Kandidierenden kennenlernen
Am Donnerstag, 26. November, findet im Pfarreizentrum Stofel ein Abend mit allen Kandidierenden für ein kommunales Amt statt. Organisiert wurde der Anlass von der Findungsgrupppe. Weitere Infos finden Sie hier.
Die Gemeinde sucht nicht nur einen neuen Gemeindepräsidenten, sondern auch zwei Gemeinderäte – Urs Spielmann und Beatrice Weiler treten nicht mehr an. Ihre Kandidatur führt nun zu einer dritten Vakanz im Rat. Hat diese Tatsache bei Ihren Abwägungen eine Rolle gespielt?
Ja, dieser Aspekt war Teil meiner Überlegungen. Es fällt mir nicht leicht, bewährte Aufgaben abzugeben, insbesondere das Präsidium der Baubewilligungskommission, das ich mit grosser Freude ausübe. Ich kandidiere aber bewusst ausschliesslich für das Gemeindepräsidium. Damit setze ich ein klares Zeichen. Es geht mir nicht darum, um jeden Preis ein Mandat zu behalten, sondern darum, die politische Führung der Gemeinde mit voller Überzeugung zu übernehmen.
Sie kennen die politischen Prozesse der Gemeinde bereits sehr gut. Welche «Baustelle» würden Sie als erstes angehen?
Ich möchte die digitale Transformation unserer Verwaltung weiter vorantreiben. Mein Ziel ist es, die Prozesse für die Einwohnerinnen und Einwohner schlanker und effizienter zu gestalten, ohne dass die Rechtssicherheit darunter leidet. Parallel dazu müssen wir eine harmonische Weiterentwicklung unseres Dorfes sicherstellen und dabei eine ausgewogene Balance zwischen der Sicherung von Wohnraum für alle und dem Ausbau der Infrastruktur finden.
Sie arbeiten seit bald 30 Jahren für die Polizei – erst in Appenzell Ausserrhoden und seit 2015 in St. Gallen. Seit 2022 leiten Sie dort die Ermittlungsgruppe Wirtschaftsdelikte. Wie sieht da Ihr Alltag aus?
Heute liegt mein Schwerpunkt klar auf der Personalführung und der fachlichen Förderung meiner Mitarbeitenden. Es ist mir ein grosses Anliegen, junge Talente in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen und sie sowohl fachlich als auch persönlich zu stärken. Die operative Ermittlungsarbeit ist nach wie vor Teil meines Alltags, wenn auch in einem anderen Umfang als früher. Zudem bringe ich mich regelmässig in Projektgruppen ein. Aktuell bin ich in einer Arbeitsgruppe, die die Weiterentwicklung unseres IT-Systems mitgestaltet.
Mit dem Unternehmer Christian Weniger ist bereits ein Konkurrent für das Amt bekannt – es wird also einen Wahlkampf geben. Das hat Sie nicht abgeschreckt? Und warum sollte das Teufner Stimmvolk Sie und nicht Christian Weniger wählen?
Ein fairer und respektvoller Wahlkampf ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie und schreckt mich nicht ab. Ich bin bereit, das Gemeindepräsidium mit Erfahrung, Bodenhaftung und einem klaren Blick für die Bevölkerung von Teufen verantwortungsvoll zu führen. Meine politische Laufbahn als Vizepräsident, Gemeinderat und Kantonsrat, mein Beruf sowie mein Fachwissen in Recht und Wirtschaft bilden hierfür eine starke Basis. Ich verstehe mich als verlässlichen, lösungsorientierten Brückenbauer, der es versteht, unterschiedliche Interessen zu vereinen und tragfähige Lösungen auszuarbeiten.
Was natürlich auffällt: Sie und Christian Weniger sind Mitglieder der FDP. Die FDP ist in der Teufner Politik sowieso sehr gut vertreten – auch im Kantonsrat. Hoffen Sie noch auf eine weitere Kandidatur aus einer «anderen politischen Ecke»?
Politische Vielfalt ist ein wertvolles Gut, insbesondere auf Kantonsratsebene. Im Gemeinderat steht jedoch die pragmatische Lösung von Aufgaben im Vordergrund, nicht die Parteifarbe. Entscheidend ist, dass wir engagierte Persönlichkeiten gewinnen, die bereit sind, über Parteigrenzen hinweg respektvoll und sachorientiert an der Zukunft unserer Gemeinde zu arbeiten.
Zur Person
Der 55-jährige Roger Stutz lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Teufen. Er hatte einst Elektromonteur gelernt und ist dann früh bei der Polizei eingestiegen. Anfangs in Ausserrhoden – er war als Sachbearbeiter für die Regional- und Verkehrspolizei, für die Fahrzeugkontrolle und die Kriminalpolizei tätig. Im Jahr 2015 wechselte er zur Kantonspolizei St. Gallen als Ermittler für Wirtschaftsdelikte. Seit 2022 leitet er eine Ermittlergruppe. Während dieser Jahre hat er diverse Weiterbildungen absolviert – unter anderem hat er einen Bachelor of Law von der «FernUni» erlangt. Er ist seit 2015 Mitglied der FDP und des Teufner Gemeinderates. Dort leitete er erst während vier Jahren das Ressort Jugend und Freizeit – und ist seither für die Baubewilligungskommission zuständig. Seit 2022 ist er zudem Vize-Präsident. Im Jahr 2023 wurde er zusätzlich in den Ausserrhoder Kantonsrat gewählt.