

Die Ostschweizer Orgellandschaft blüht – weit üppiger als etwa die zürcherische: Fast im Wochenrhythmus füllen sich die St.Galler Hauptkirchen, wenn einheimische und internationale Orgel-Virtuosen die Königin der Instrumente erklingen lassen. Da will sich auch Teufen nicht verstecken, erst recht nicht, seit in der restaurierten Klosterkirche Wonnenstein eine Orgel mit faszinierender Geschichte und Persönlichkeit steht. Andreas Brändle, Präsident des Trägerschaftsvereins Kloster Wonnenstein, betonte in seiner Begrüssung denn auch, dass dieser wunderbare Ort nun für gute Ideen offenstehe. Ob das schon alle gemerkt haben?
So war es jedenfalls logisch, dass der Dank an diesem Bettag in einem der prachtvollsten barocken Innenräume des Appenzellerlands erklang. Sechs kurze, meist wenig bekannte Tonstücke vom 19. Jahrhundert (Niels Wilhelm Gade) über Max Reger bis zur Gegenwart (Britten, Thomas Lennartz) variierten den Dank-Choral «Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr». Ein sechsmaliges Gloria, prägnant in Tonsprache und Solo-Registern, mit denen Andrea Manke bewies, dass diese Orgel mit ihren 27 Registern beileibe kein musikalisches Leichtgewicht sein will.
Stofel: Grosses auf kleiner Orgel
Dass auch die Späth-Orgel mit ihren nur zehn Registern, die seit 2009 in der katholischen Kirche Stofel steht, die Wiedergabe grosser Barockmusik erlaubt, belegte die Organistin souverän mit der imposanten Passacaglia c-moll von Johann Sebastian Bach (auch wenn wir diese doch lieber auf der grösseren Metzler-Orgel der Grubenmannkirche gehört hätten). Aber sie bewies, dass die lutherische Herkunft eines Komponisten schon längst kein Grund mehr ist, ein Werk in einer Kirche aufzuführen, wo die Gesangbücher der katholischen Konfession aufliegen. Das galt auch für die Choralbearbeitung «Ach, was soll ich Sünder machen» des Bach-Schülers Johann Gottfried Walther. In seinen Gedanken zum Thema erinnerte Diakon Stefan Staub daran, dass Busse, richtig verstanden, nicht mit schlechtem Gewissen in schlafloser Nacht, sondern vielmehr mit Umdenken, mit Umkehr am neuen Morgen zu tun hat.


Grubenmannkirche: «Grösser als wir selbst»
Zum Thema Beten ertönten dann in der Grubenmannkirche drei höchst unterschiedliche Bearbeitungen des Luther-Chorals «Unser Vater» (Buxtehude, Mendelssohn, Manfred Kluge). Sie umrahmten den Gedanken-Impuls von Pfarrerin Andrea Anker, wonach das Gebet gerade in bedrohlichen Zeiten wie diesen daran erinnert, dass die Menschen «nicht alles im Griff haben». Als Absage an das Machbarkeitsdenken hilft es auch, gelassen zu werden.Was noch leichter fällt, wenn der raumfüllende Klang der Orgel uns einhüllt «in etwas, das weit grösser ist als wir selbst.»