
An diesem Morgen soll es um die anhaltende Trockenheit gehen. Ramona Huber sieht sich aber gerade vor andere Herausforderungen gestellt. Am Vorabend zog ein heftiger Sturm über Teufen. Die orkanartigen Böen haben Zerstörung und Unordnung hinterlassen. «Zum Glück haben wir erst um vier eine Führung.» Ihr bleibt noch genügend Zeit, den Schaugarten aufzuräumen, bevor wieder Besucher durch die Heilpflanzen, Kräuter und Blumen spazieren. «Immerhin muss ich heute nicht tränken.» Sie lacht. Allzu viel nachhaltige Wirkung dürfte der Gewitterregen allerdings nicht haben.
Herbstschnitt im Sommer
Den Pflanzen sieht das auch das Laienauge an. Einige sind braun geworden. Andere sind schon gänzlich verblüht. «Dieses Jahr habe ich viele Pflanzen sehr früh zurückgeschnitten», sagt Ramona Huber. Arbeiten, die sie normalerweise im Oktober oder gar erst November erledigt. Aber heuer haben die Pflanzen nicht annähernd so lange «durchgehalten», wie das in anderen Jahren der Fall ist. Über 150 verschiedene Pflanzen wachsen auf dem Hätschen im Garten von A. Vogel. Fast alle haben jetzt seit Wochen mit der Hitze und Trockenheit zu kämpfen. Einige haben aber auch «Freude» an der Wetterlage. Der Salbei zum Beispiel. «Der war noch nie so schön wie dieses Jahr», sagt die Gärtnerin.


Weniger Wasser für längere Wurzeln
«Normalerweise muss ich den Garten kaum wässern.» Seit Ende Juni dieses Jahres jedoch holt sie den Schlauch und die Giesskanne ein- bis zweimal pro Woche hervor. Andere Jahre konnte man das grosse Wässern an einer Hand abzählen. Bereits Alfred Vogel, der Gründer des Gartens, soll die Philosophie vertreten haben, die Pflanzen nicht übermässig zu tränken. Das Ziel: Sie würden dann tiefere Wurzeln schlagen und somit robuster werden. Sie versucht, so wassersparend wie möglich zu arbeiten. Aber: «Irgendwann geht halt auch nichts mehr.» Derzeit halte sie die Pflanzen «am Überleben». Und natürlich sollen die Besucherinnen und Besucher auch noch etwas zu sehen haben. Dafür kommen sie schliesslich nach Teufen. So schaut sie beispielsweise besonders gut zu den Echinacea-Blumen. Das «Steckenpferd» von A. Vogel ist wichtig für die Marke. Und sorgt ausserdem für einen schönen Farbklecks.


Vom Büro in den Garten
Allgemein sind die Pflanzen dieses Jahr weniger gross und hoch geworden. Bei Hitze und Trockenheit wachsen sie langsamer. Immerhin hat das auch einen Vorteil: Ramona Huber muss diesen Sommer viel weniger jäten. «Es wächst eigentlich auch kein Unkraut mehr.» Sie lässt den Blick über den Garten schweifen und meint: «Die Echinacea ist dieses Jahr ein Drittel kleiner als sonst. Und auch Baldrian und Brennnessel sind kaum gewachsen.» Bei Letzteren könne es aber auch an den fehlenden Nährstoffen liegen, fügt die 35-jährige Gärtnerin an. Sie hat ursprünglich eine KV-Ausbildung absolviert und danach eine Zweitlehre als Gärtnerin gemacht. Die Arbeit im A. Vogel-Garten macht ihr nach wie vor viel Freude. Auch wegen der Abwechslung, die der Job beinhaltet. Ab und zu holt sie Leute mit dem Shuttle-Bus ab oder hilft im Büro aus. Umgekehrt helfen die anderen Mitarbeitenden auch ihr. An diesem Morgen bieten gleich mehrere Kolleginnen ihre Hilfe an, um die Sturmschäden zu beheben.
Rindenmulch und Schatten von Bäumen
Manche Pflanzen rollen ihre Blätter ein, wenn es zu trocken ist, um weniger Wasser zu verdunsten. Für Ramona Huber ist das ein Alarmzeichen. «Dann muss ich sie auf jeden Fall tränken.» Nebst Akuthilfe bei mangelndem Regen hat sie aber auch noch ein paar andere Tipps. Rindenmulch auf dem Humus hilft, dass die Erde weniger schnell austrocknet. Die kleinen Holzschnipsel verteilt sie überall, wo es Sinn macht. Auch eine dichte Bepflanzung verhindert schnelles Austrocknen der Erde, weil diese weniger exponiert ist. Und: «Mehr Bäume pflanzen.» Bäume spenden wertvollen Schatten und helfen, Feuchtigkeit zu speichern. Ausserdem sind sie auch für kurze Pausen vom anstrengenden Gärtnerinnen-Alltag ganz gut. Ramona Hubers Lieblingsplatz im Garten ist unter der Linde.


