






An einem warmen Tag im Mai steige ich die Treppe zum Schulhaus Landhaus hinauf. Gerade kommt mir eine Gruppe Schülerinnen und Schüler entgegen. Ausgerüstet mit Abfallsäcken, Handschuhen und viel guter Laune machen sie sich auf den Weg durchs Dorf, um in Teufen Abfall einzusammeln. Die Sammelaktion ist eines von fünf Projekten, die dieses Jahr im Rahmen des FREI DAY entstanden sind. Die Projekte orientieren sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (siehe Kasten). Seit Beginn des Schuljahres im August 2025 arbeiten die Kinder und Jugendlichen regelmässig an eigenen Ideen und Projekten. Im ersten Halbjahr stand dabei vor allem im Zentrum, zu lernen, wie man gemeinsam ein Projekt plant und umsetzt.
Die 17 Nachhaltigkeitsziele
Die Projekte im FREI DAY orientieren sich oft an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (UNO). Diese sogenannten «Sustainable Development Goals» wurden 2015 von allen Mitgliedsstaaten der UNO gemeinsam beschlossen.
Sie zeigen auf, welche grossen Herausforderungen die Welt bis 2030 gemeinsam angehen will – zum Beispiel Klimaschutz, sauberes Wasser, nachhaltiger Konsum, Bildung für alle oder weniger Ungleichheit. Im FREI DAY wählen die Kinder Themen, die zu diesen Zielen passen, und setzen eigene Projekte um, mit denen sie konkret im Alltag etwas verändern können.
Der FREI DAY ist ein Lernformat, das an immer mehr Schulen eingeführt wird. Kinder und Jugendliche beschäftigen sich dabei mit Zukunftsfragen wie Umwelt, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft oder Ernährung. Sie wählen ihre Themen selber aus, arbeiten altersdurchmischt zusammen und setzen konkrete Projekte in der Schule oder in der Gemeinde um. Lehrpersonen begleiten die Gruppen dabei eher als Coaches.
Im Schulhaus Landhaus arbeiten rund 160 Kinder und 15 Lehrpersonen am FREI DAY mit. Zwei Lektionen pro Woche stehen dafür zur Verfügung. Zusätzlich fand nach Pfingsten eine viertägige Projektwoche statt. «Oft sind zwei Lektionen etwas kurz, wenn die Kinder etwas bauen oder gestalten», sagt Celine Steinwender, Schulische Heilpädagogin und Mitglied der Arbeitsgruppe, die den FREI DAY organisiert. «Bis alles eingerichtet und später wieder aufgeräumt ist, vergeht teilweise viel Zeit.»
Wie vielfältig die Projekte sind, zeigt ein Rundgang durchs Schulareal. Hinter den Hochbeeten entsteht eine Blumenwiese. Daneben wurde ein Trockenbiotop für einheimische Eidechsen angelegt. Ein Junge erklärt begeistert, wie das Biotop aufgebaut wurde und welche Überlegungen dabei wichtig waren. Eine andere Gruppe beschäftigt sich mit Upcycling. Alte Kleider werden gesammelt, umgestaltet und mit verschiedenen Materialien verschönert. Ein Mädchen aus der dritten Klasse sagt stolz: «Wir machen die Welt ein bisschen besser – nur ein kleines bisschen.» Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde spielt eine Rolle. Gemeinsam mit dem Förster werden zwei selbstgebaute Nistkästen im Wald aufgehängt. Die Organisation dafür haben die Kinder selber übernommen.
Am 12. Juni werden die Projekte an einem Elternanlass präsentiert. Dort werden auch einige der gefertigten Vogelhäuser verkauft. Daneben bieten verschiedene Gruppen ihre Produkte an – zum Beispiel gibt es selbstgemachte Waffeln, deren Erlös an «Hand für Afrika» gespendet wird. Nicht alle Gruppen verkaufen etwas; andere präsentieren ihre Arbeiten auf unterschiedliche Weise und zeigen, woran sie in den vergangenen Monaten gearbeitet haben. Der Erlös aus den Verkaufsaktionen wird an verschiedene, von den Kindern selbst gewählte Projekte gespendet. Beim Rundgang wird schnell spürbar: Beim FREI DAY geht es nicht nur um fertige Projekte. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, gemeinsam Lösungen zu suchen und eigene Ideen umzusetzen. Oder, wie es das Mädchen aus der dritten Klasse gesagt hat: die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.






