





Über Auffahrt sind die Jugendlichen unter der Leitung von Hiroko Haag in Romanshorn unterwegs. Der Grund: Das Schweizer Kinder- und Jugendchorfestival, kurz SKJF. 48 Chöre aus der ganzen Schweiz nehmen daran teil. Das ganze Auffahrtswochenende wird in und um Romanshorn gesungen, geplaudert, gelacht, gegessen und ab und zu auch ein bisschen «gechillt». Dabei lernen die jungen Sängerinnen und Sänger andere Chöre und deren Repertoire kennen.
Wöchentliche Proben voller Energie
Am Abend davor gibt Hiroko Haag bei der Probe im alten Feuerwehrhaus die letzten Anweisungen: «Einpacken müsst ihr also zwei Tenues.» Sie sagt nochmals, welche Shirts im Gepäck sein müssen für das SKJF. «Und bitte zieht wasserdichte Schuhe an, es wird nass und kalt.» Sie möchte nicht, dass ihre Schützlinge mit nassen Füssen am Festival unterwegs sind. Die Tage dort sind abwechslungsreich und die Jugendlichen sind von Konzert zu Konzert unterwegs. «Alles klar? Sonst könnt ihr jetzt noch alle Fragen stellen, damit ich nachher nicht 100 WhatsApp beantworten muss.» Sie lacht. Zwei Fragen kommen noch, dann scheint alles klar zu sein. Also geht es an den eigentlichen Inhalt des Abends: das Singen. «Pi-Pe-Pa-Po-Pu», klingt es durch den Raum. Und dann «Hi-He-Ha-Ho-Hu» – einige Einsingübungen sind Pflicht, bevor es richtig losgehen kann. Morgen tritt der Jugendchor der msam gleich beim Eröffnungskonzert des SKJF auf. Heute gibt es den Feinschliff.
Eine etwas weitere Reise
In gut eineinhalb Jahren soll der Chorausflug der Jugendlichen aus dem Mittelland dann etwas weiter sein als in den Kanton Thurgau. Und auch etwas länger dauern. Der Chor will für zwei Wochen nach Japan fliegen, in die Heimat von Hiroko Haag. Dort soll eine Art Austausch mit japanischen Jugendchören stattfinden. Die Idee dafür stammt aber nicht von Hiroko Haag, sondern von einem Vater. Sie sagt: «Ich habe tatsächlich schon einmal von so einem Abenteuer geträumt, aber dass wir das jetzt wirklich machen …» Vor rund einem Jahr kam die Idee auf. Nun kümmert sich ein siebenköpfiges OK um die Realisierung. Hiroko Haag freut sich. «Für mich ist das natürlich etwas ganz Besonders. Ich habe bis ich 22 Jahre alt war in Japan gelebt. Und den Chor hier während der letzten Jahre aufgebaut. Viele singen schon mit, seit sie klein sind. Wir sind wie eine Familie.» Sie spricht davon «ihren Kids» die japanische Kultur zu zeigen. Die grösste «Hürde» ist ihrer Ansicht nach die Sprache. «Bezüglich Essen mache ich mir keine Sorgen. Wir können sonst auch einfach Pizza organisieren.» Und natürlich wollen die Jugendlichen in Japan singen. Die gemeinsamen Proben mit den japanischen Chören sollen am Wochenende stattfinden. Denn die Kinder haben dort im Herbst keine Ferien. 2029 kommen dieselben Jugendlichen dann ins Appenzellerland.
Geld, damit alle gehen können
So eine Japan-Reise kostet aber einiges. Aus diesem Grund läuft derzeit ein Crowdfunding. «Wenn wir nicht mindestens 25’000 Franken zusammen bringen, können wir nicht sicherstellen, dass alle Kinder – unabhängig vom Vermögen der Eltern – mitkommen können. Hiroko Haag ist es wichtig, dass alle dabei sein können, die schon viele Jahre engagiert und motiviert im Chor singen. Im kommenden Herbst möchten die Jugendlichen auch noch eine Art Benefizveranstaltung durchführen, um Geld zu sammeln.
Erstes japanisches Lied gelernt
Zurück ins Feuerwehrhaus. Nach vier Liedern gibt es eine kurze Pause. Die Jugendlichen haben Gelegenheit, einen Schluck Wasser zu trinken. «Für uns ist diese Japanreise einfach eine riesige Chance. Wir können uns weiterbilden, singen, eine neue Kultur kennenlernen.» Alle in diesem Grüppchen sind sicher, dass sie mitgehen wollen. Zwei beginnen in jenem Herbst zwar ihr Studium und sind nicht so sicher, ob es dann zeitlich gut aufgeht. Aber unbedingt dabei sein wollen sie auf jeden Fall. «Wir können so viele neue Erfahrungen machen und haben es einfach gut untereinander.» Sie schwärmen. Ihr erstes japanisches Lied haben sie bereits gelernt. Hiroko Haag hat es lautgemäss notiert. Es liest sich wie eine Fantasiesprache. «Uns macht es aber Spass», sagt eine der Jugendlichen. «Und wir sind auch stolz.»




