Seit mehreren Tagen war der Wetterbericht eindeutig. Am Donnerstag nach Ostern wird es weiterhin sonnig und warm sein. Bereits mit leichten Jacken geht die Reise für die meisten um 9.36 Uhr in Teufen los. Am Markplatz stossen die letzten Mitglieder hinzu. Zusammen fahren alle im langen Bus Nr. 1 bis zur Endstation Stephanshorn.
Ein bisschen Neuseeland
Hinauf durch den Höchsterwald mit einer Schlaufe via Neubausiedlung Guggeienhof und Guggeien beginnt die Wanderung. Am Aussichtspunkt erklärt Wanderleiter Jürg Pinkwasser, der diese Frühlingswanderung organisiert hat, die einsehbaren Ortschaften am Bodenseeufer, bevor es den Waldweg talwärts Richtung Vorderstaag geht.
Vor Strussehus führt der Weg hinunter zum Schloss Watt, einem der langjährigen und grossen Biohöfe der Ostschweiz. Ein Feld mit Chinaschilf steht drei Tage zuvor noch in voller Pracht und ist heute bereits abgemäht. Die Biomasse dient dazu, die seit Jahrzehnenten betriebene Biogasanlage des grossen Hofes «zu füttern». Wie der Bauer am Vorwandertag erklärte, betreibt der Biohof ein spezielles Weidesystem. «Gut 70 Milchkühe, gezüchtet aus sechs verschiedenen Rassen, werden nach neuseeländischem Modell gehalten, soweit dies in unseren Breitengraden möglich ist», erklärt der Landwirt. «Die tendenziell leichtgewichtigen Kühe haben kürzlich gekalbt und weiden so viel als möglich (in Neuseeland praktisch ganzjährig) im Freien. Sie werden jeweils nach ein paar Stunden wieder zurück zum Hof gelassen, wo ein Melkroboter im Einsatz steht.» Die Ökologie soll hoch und die Kosten tief gehalten werden. Dies durch geringeren Personalaufwand, weniger Heu- und Silageproduktion und kaum Fremdfutterzukäufe. Diese Form der Milchviehhaltung bedingt, dass sich die meisten Wiesen rund um den Hof befinden und in Parzellen eingeteilt werden können. Die Beweidung ist kurz, damit das Gras schnell nachwächst und Bodenschäden vermieden werden.
Vor dem Hof wandert die Gruppe westwärts zum kleinen Weiler Lehn. Das markante weisse Riegelhaus mit den braunroten Balken ist von weit her sichtbar. Mit einem Blick zurück zeigt sich dann die bunte Milchkuhherde des Hofes Schloss Watt auf einer saftigen Wiese vor dem Stall.


















Zu Gast in Mörschwil
Die ältesten deutschsprachigen Vorfahren dürften sich im 6. Jahrhundert auf den Terrassen zwischen der heutigen Stadt St.Gallen und dem Bodensee niedergelassen haben. Als Gallus im Jahre 612 an die Steinach kam und die erste Mönchszelle in St.Gallen errichtete, war im damaligen Hochtal noch Wildnis. Im Gebiet bis zum Bodensee hinunter dürfte es jedoch schon einige bäuerlicher Höfe gegeben haben.
Die erste Urkundliche Erwähnung von Mörschwil geht auf das Jahr 811 zurück. «Anlässlich der 1200-Jahr-Feier 2011 wurden unter anderem 46 Stieleichen-Bäume auf der westlichen Seite, entlang der St. Gallerstrasse hinunter zum Bodensee, gepflanzt », erklärt Jürg Pinkwasser, der damals selber in Mörschwil wohnte und sich um dieses Projekt kümmern durfte. Um 1450 hatte Mörschwil gegen 350 Einwohnende in 52 Wohnhäusern. Die Einwohnerzahl stieg vor allem ab 1980 rasant an – auf heute knapp 3700.








Vor rund zwei Jahren war die Wandergruppe Tüüfe bereits in Mörschwil zu Gast im Restaurant Ochsen und durfte sehr gute Erfahrungen machen. Heute kehrt die Gruppe vis à vis im heimeligen Restaurant Adler ein und wird hier kulinarisch und durch herzliche Gastfreundschaft verwöhnt. Salat oder Spargelsuppe, panierte Schnitzel Wiener Art mit Gemüse und Pommes oder Gemüse-Stroganoff an sämiger Paprikasauce mit hausgemachten Quarkspätzli, konnten im Voraus bestellt werden und schmecken vorzüglich.
Blütenmeer?
Nach dem Mittagessen hat die Gruppe, welche heute die kürzere Strecke nach Tübach wandert knapp die Hälfte der total 9 Kilometer noch vor sich. 23 Mitglieder entscheiden sich für die Strecke bis Arbon, das noch gut 8 Kilometer entfernt liegt. Gemeinsam wandern alle zusammen nach Beggetwil und zum Weiler Hundwil. Dort trennen sich die Wege.
Werden wohl die Obstbäume bereits in Blüten stehen? Dies haben sich viele gefragt, als sie sich zur Wanderung angemeldet haben. Je mehr sich die Wandergruppe dem See nähert, desto saftiger grün werden die Wiesen und desto dichter leuchten die gelben Maiblumen (Löwenzahnblüten, Sonnwendlig), während sie in Teufen erst vereinzelt blühen.
Die ökologisch wertvollen Hochstamm-Feldobstbäume um Mörschwil sind erst knapp vor der eigentlichen Blüte. Die kalten Tage an Ostern haben sie etwas zurückgehalten. Weissdorn und Kirschbäume blühen voll. Auch die Birn- und Zwetschgenbäume haben ihre Blüten weit geöffnet. Bei den Äpfeln blühen erst die ganz frühen Sorten. Ein Besuch in den nächsten Tagen und Wochen kann allen sehr empfohlen werden, die Freude an diesem Blütenzauber haben.
Der Weg nach Arbon führt via Gärtli, Aachen, Buholz und dann alles der Steinach entlang bis zu deren Mündung in Steinach. Der Seespiegel ist noch sehr tief und die schmale Hängebrücke über die Steinach unglaublich wackelig, wenn so viele Leute gleichzeitig darüber wandern und die einen noch extra Wackelbewegungen machen. Dem Seeufer entlang führt der schöne Weg zum Bahnhof Arbon. Mit dem Express-Postauto nach St.Gallen und sofortigem Anschluss nach Teufen dauert die Heimreise schnelle 41 Minuten. Einige werden in ein paar Tagen eine ähnliche Stecke erneut unter ihre Füsse oder in die Pedalen nehmen.

















