
Über Nacht ist Teufen wieder weiss geworden: Der Winter schaut noch einmal vorbei. Im Lindensaal ist es wohlig warm. Drei Stuhlreihen warten auf Publikum. Es steht die Versteigerung eines Mehrfamilienhauses an der Hechtstrasse an – mitten im Dorf. Wer eintritt, wird von Tobias Graf, Leiter des Betreibungsamtes Mittelland, begrüsst. «Guten Tag, wollen Sie mitsteigern?» Wer mitsteigern will, muss die geforderte Anzahlung von 50’000 Franken nachweisen. Diese kann entweder vorab überwiesen oder vor Ort bar bezahlt werden. Dieser Ablauf soll sicherstellen, dass die meistbietende Partei dann auch wirklich zahlungskräftig ist. Einige sind auch nur zum Zuschauen da. Versteigerungen sind öffentliche Anlässe. Gegen 14 Uhr haben sich rund 15 Leute eingefunden.
Kurze Instruktion vor Beginn
Tobias Graf erklärt dem Publikum erstmal, wie es abläuft. Und er erläutert nochmals die wichtigen Punkte aus den Steigerungsbedingungen. Er verzichte darauf, alles vorzulesen, sagt er. «Aber die wichtigsten Punkte greife ich gerne kurz auf.» Seiner Erfahrung gemäss gibt es am meisten Fragen zu Absatz 11: «Kosten und Zahlung». Er erläutert, welche Kosten vom gebotenen Preis abgezogen werden. Und was die Ersteigerer noch bezahlen müssen. Unter anderem sind das die Kosten der Eigentumsübertragung oder die im Zeitpunkt der Versteigerung noch nicht fälligen und deshalb im Lastenverzeichnis nicht aufgeführten Forderungen mit gesetzlichem Pfandrecht, zum Beispiel Assekuranzprämien. Wer das Haus ersteht, übernimmt auch den noch im Haus lebenden Mieter. «Und alles, was der Besitzer zurücklässt.»
Deutlich und notierbar
Zum Schluss bittet Tobias Graf die Anwesenden humorvoll darum, Gebote zu nennen, die sich gut notieren lassen. «Lassen Sie ihre Fantasie doch bitte daheim.» Das Publikum quittiert die Bemerkung mit Lachen. Wer ein Gebot abgibt, soll laut und deutlich sprechen und – sofern mehrere Parteien gemeinsam bieten – immer auch die Besitzanteile angeben. Tobias Graf verspricht, allen genügend Zeit zu lassen, um Gebote abzugeben. Dass es lange dauern wird, erwartet er trotzdem nicht: «Vermutlich sind wir in etwa einer halben Stunde durch.»
Start bei 0 Franken
Die Uhr zeigt 14.11 Uhr, als es losgeht. Da kein schriftliches Kaufangebot eingegangen ist, startet die Versteigerung heute bei 0 Franken. Erstmal folgt Schweigen. Das überschaubare Publikum wirft sich gegenseitig Blicke zu. Alle warten auf ein erstes Gebot. Es ist ein Vertreter der Raiffeisenbank, der dann als erster die Hand hebt. Er bietet 350’000 Franken. Die Raiffeisenbank St. Gallen ist nicht nur Steigerin, sondern auch Gläubiger. Tobias Graf wiederholt jedes Gebot. Einen Zuschlag gibt es gemäss den Steigerungsbedingungen beim dritten Aufruf. Ein nächstes Gebot muss das vorangegangene immer um mindestens 1000 Franken übersteigen, um berücksichtigt zu werden.
«430’000 zum Dritten»
Die drei Parteien, die an diesem Nachmittag aber bieten, bevorzugen 10’000er-Schritte. Zweimal bietet jemand 10’000 Franken mehr. Dann stockt die Bank nochmals um 30’000 Franken auf. Ungefähr sieben Minuten nach Beginn der Versteigerung kommt es dann zum dritten Aufruf. Tobias Graf lässt sich für sein «430’000 zum Dritten» absichtlich etwas Zeit. Um den Anwesenden noch einmal eine Chance zu geben. Dann fällt der – leider fehlende – Hammer. Das Haus an der Hechtstrasse geht an die Waldegg41 AG und die Waldegg Immobilien GmbH aus Tübach. Für 430’000 Franken. Eine halbe Stunde hat das nicht gedauert. Nach gut zwanzig Minuten ist der Lindensaal wieder leer.
