Hinweis: Hier finden Sie die entsprechende Medienmitteilung der Gemeinde.

Das Wichtigste in Kürze
- Operatives Ergebnis (Stufe 1): CHF +0.78 Mio. (Einlage in Vorfinanzierung Bahntunnel)
- Vorfinanzierung Projektierungskredit Bahntunnel: neu CHF 3.78 Mio. (Vorjahr: CHF 3 Mio.)
- Gesamtergebnis nach Ergebnisverwendung: CHF +2’294’455 (Zuweisung ans Eigenkapital)
- Fiskalertrag: CHF 36.0 Mio. (CHF 1.9 Mio. unter Voranschlag; Vorjahr: CHF 37.2 Mio.)
- Ergebnis aus Finanzierungstätigkeit: CHF 1.1 Mio. (CHF 1.4 Mio. besser als Voranschlag; Haus Bächli)
- Nettoinvestitionen: CHF 9.2 Mio. (CHF 0.2 Mio. über Voranschlag; Realisierungsgrad 83 % ohne aktivierte Planungskosten) gk
Für einmal liefert Gemeinderat Urs Spielmann den Titel für die Berichterstattung gleich selbst: «Überschuss bei rückläufigen Steuereinnahmen». Dieser Vorschlag steht auf der ersten Folie der PowerPoint-Präsentation zur Rechnung 2025. Und er würde passen. Denn, obwohl die Steuereinnahmen rund 1.9 Mio. Franken unter dem Voranschlag blieben, resultiert unter dem Strich ein positives Gesamtergebnis: ein Plus von 2.294 Mio. Franken. «Die Haupttreiber sind ein Plus von 1.4 Mio. Franken bei den Finanzierungstätigkeiten, ein um je 1 Mio. Franken tieferer Sach- bzw. Transferaufwand und um 600’000 Franken tiefere Personalaufwände», sagt Urs Spielmann. Damit ist schon viel gesagt – aber halt eben noch nicht alles. Vor allem, was die Mindereinnahmen bei den Steuern betrifft.
Weniger Firmen-Steuern
Die Einkommens- und Vermögenssteuern der natürlichen Personen lagen mit 30 Mio. Franken nämlich 1.8 Mio. Franken über dem Voranschlag. «Die Differenz ist hauptsächlich den Steuern der juristischen Personen geschuldet. Sie blieben mit 1.9 Mio. Franken deutlich hinter den Erwartungen zurück.» Diese Erwartungen beliefen sich auf 4 Mio. Franken und stützten sich teilweise auf die ausserordentlich hohen Steuereinnahmen in diesem Bereich von 2022 (8.9 Mio.) und 2023 (6.2 Mio.). Die Gemeinde wusste aber schon damals, dass es sich bei diesen hohen Werten um einmalige Effekte handelte. Bereits 2024 «normalisierten» sich die Einnahmen mit 2.7 Mio. Franken wieder. «Dass sie nun noch tiefer ausfallen, hat auch damit zu tun, dass die definitiven Veranlagungen der kantonalen Steuerverwaltung tiefer ausfielen als die provisorische Rechnungsstellung», erklärt Urs Spielmann. Viel mehr wissen er und die Gemeinde nicht über den Ursprung dieser Einmal-Effekte. Es könnte sich um einen Verkauf, eine steuerliche Umstrukturierung oder einfach besonders gute Geschäfte handeln. Klar ist aber: Es sind keine grossen Firmen weggezogen oder Konkurs gegangen. «Wir nehmen deshalb an, dass wir mit dem Voranschlag 2026, der von 2.5 Mio. ausgeht, ziemlich gut liegen.» Auch über die Sondersteuern floss 2025 weniger Geld in die Gemeindekasse als erwartet – nämlich 4.1 Mio. Franken (Budget: 5.7 Mio. Franken).
Die Tücken der Buchhaltung
Nun kommt der anstrengende Teil der Präsentation für Urs Spielmann, Finanzverwalter Andreas Giger und Gemeindepräsident Reto Altherr: Sie müssen den Medienvertretern erklären, wieso unter dem Strich trotzdem ein Gewinn resultiert hat. Bei einigen Bereichen ist das ziemlich einfach. Beim Sach- und übrigen Betriebsaufwand schlugen vor allem Verkehrs-Projekte zu Buche. Oder genauer: Das Fehlen gewisser Projekte, deren Umsetzung sich verzögert hatte. «Gleichzeitig konnten einige Baustellen günstiger abgeschlossen werden als erwartet», sagt Urs Spielmann. So «kostete» dieser Bereich 600’000 Franken weniger als geplant. Auch fürs Personal musste die Gemeinde rund 600’000 Franken weniger aufwenden. Hauptgrund dafür waren die Umbauarbeiten im Haus Lindenhügel (neue Demenzabteilung), die zeitweise eine tiefere Belegung und damit auch weniger Personalkosten im Bereich Pflege zur Folge hatten.
«Darauf haben wir kaum einen Einfluss», sagt Urs Spielmann zu einer anderen positiven Entwicklung. Es geht um den Transferaufwand. Hier – das sind z.B. Entschädigungen an Zweckverbände etc. – resultierte ein um 1 Mio. Franken tieferer Aufwand als erwartet. Und dann ist da noch das Haus Bächli. Hier profitierte die Gemeinde von der Neuschätzung der Liegenschaft, die dem totalsanierten und vollvermieteten Haus einen Wert von 5 Mio. Franken zuschrieb. «Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet.» Deshalb ist das «Ergebnis aus Finanzierungstätigkeit» – das Bächli ist eine Finanzliegenschaft – rund 1.4 Mio. Franken besser als veranschlagt. Die Gemeinde hatte das ehemalige Altersheim Bächli grundsaniert und zum Gesundheitshaus umfunktioniert. Dafür wurden 3.3 Mio. Franken investiert. «Inzwischen generiert das Haus rund 125’000 Franken Netto-Mieteinnahmen.»

Damit ist Urs Spielmann schon fast am Ende der Liste der unerwarteten Besserstellungen angelangt. Letzter Punkt ist die Tunnel-Projektierung. Und da braucht es einiges an Erkärungsaufwand. Denn der hier vorliegende buchhalterische Vorgang ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Gemeindepräsident Reto Altherr sagt dazu: «Ziel ist, dass wir der Gemeinde keine unnötigen zukünftigen Ausgaben bzw. Abschreibungen aufbürden. Mit der Vorfinanzierung können wir das verhindern.»
Kurz gesagt passiert dabei folgendes: Die Ausgaben für die Projektierung des Tunnels werden buchhalterisch am Ende jedes Geschäftsjahres aktiviert. Das heisst, sie erscheinen ab dann in der Investitionsrechnung. Der Hintergrund ist das Konzept einer Eventualausgabe. Denn, falls das Projekt umgesetzt würde, sind diese Planungsgrundlagen ja etwas wert. Es handelt sich dabei also um eine Investition. Aber was, wenn das Projekt an der Urne abgelehnt wird? «Dann müssen wir das Ganze auf null abschreiben», so Finanzverwalter Andreas Giger. Deshalb hat die Gemeinde auch hierfür Vorfinanzierungen gemacht – wie damals beim Sek-Neubau. Diese beiden Mechanismen kommen in der Rechnung 2025 nun erstmals zum Tragen. Das bedeutet, dass die Kosten für die Tunnelprojektierung aus der Erfolgsrechnung in die Investitionsrechnung übertragen werden.. «Deshalb sind unsere Nettoinvestitionen mit 9.2 Mio. Franken auch höher als 2024 (8.3 Mio.) und 0.2 Mio. Franken über dem Voranschlag», so Urs Spielmann. Übrigens: Auch heuer fliessen wieder 780’000 Franken in ebendiese Vorfinanzierung und 2.3 Mio. Franken (Überschuss) ins Eigenkapital.
Damit wären alle Abweichungen erläutert. Was bleibt, sind die wichtigen Kennzahlen. Einer davon ist der Nettoverschuldungsquotient (NS). Er liegt per Ende 2025 bei -22.09 Prozent. Das bedeutet: Die Gemeinde Teufen hat noch immer ein Nettovermögen. Allerdings ist der NS während der letzten vier Jahre stets gesunken – 2022 lag er noch bei -66.17 Prozent. Ähnlich verläuft die Entwicklung beim Selbstfinanzierungsgrad. Er zeigt an, wie viel der Investitionen die Gemeinde selbst stemmen kann. Und welchen Anteil sie fremdfinanzieren muss. Er liegt nun bei 42.47 Prozent – 2022 waren es noch 87.74 Prozent. Anders gesagt: Die Gemeinde muss jedes Jahr Fremdkapital aufnehmen, um ihre Investitionen zu tätigen.