

In den nächsten Monaten verändert sich einiges im Team der Bibliothek Teufen. Den Anfang macht Esther Gähler: Nach 25 Jahren war heute ihr letzter Arbeitstag. Die TP hat sie nach der Verabschiedung kurz zur Seite genommen.
«Nach all dieser Zeit hast du einigen Jungen sicher schon gesagt: ‘Das hier hat deine Mutter schon gern gelesen`.» Daniel Ehrenzeller ist heute Nachmittag auf Besuch in der Bibliothek Teufen. Als Präsident der Lesegesellschaft – sie ist Trägerin der Bibliothek – übernimmt er die Verabschiedung von Esther Gähler. Sie arbeitet seit 25 Jahren hier. Früher war sie für die Kinderbücher, später für die Erwachsenen-Belletristik und Buchhaltung zuständig. «Das gab es wirklich schon. Und natürlich auch einige Kunden, die einst als Jugendliche hier waren und später als Erwachsene zurückkehrten», antwortet sie.
Neues Team und neue Strategie
Die Verabschiedung wird wegen Corona kurzgehalten. Ein symbolisches «Anstossen» liegt aber doch drin. Bibliotheks-Leiterin Karin Sutter erklärt: «Wir haben dir statt eines guten Tropfens unsere Wünsche in das Glas gelegt. So hast du auch später noch etwas von heute.» Und schliesslich war es Daniel Ehrenzeller, der sagte: «Natürlich ist das für die Bibliothek, die Kundschaft und uns auch ein etwas trauriger Moment. Aber wir wünschen dir für die Zukunft alles Gute und hoffen, dass dich dein Weg doch ab und zu wieder hierherführt.»
Nachgefragt bei Esther Gähler
Frau Gähler, was bedeuten Ihnen Bücher?
Sie sind schon etwas sehr Wichtiges für mich. Ich kann mit ihnen in andere Welten eintauchen, Neues lernen und erfahren – und sie sind unglaublich vielfältig. Es gibt wirklich alles. Aber ich lese nicht nur gerne Bücher, sondern auch Zeitungen und Magazine. Da lässt sich die Neugier gut befriedigen (lacht).
Können Sie sich an Ihren ersten Roman erinnern?
Nicht wirklich. Ich habe schon immer gelesen – auch als Kind. Damals halt Kinderbücher. Allerdings hat sich mein Leseverhalten mit dem Beginn der Arbeit hier schon noch einmal massiv verändert.
Inwiefern?
Seither lese ich noch viel mehr.
Liegt das an der reinen Verfügbarkeit der Bücher?
Es ist wohl eher das berufliche Interesse bzw. der Anspruch, die Kundschaft kompetent bedienen zu können. Wenn man hier arbeitet, weitet sich automatisch der literarische Horizont. Man liest nicht mehr nur, was man selbst auslesen würde, sondern versucht, die richtigen Bücher für seine Kundinnen und Kunden zu finden.
Das stelle ich mir nicht gerade einfach vor.
Natürlich greift man ab und zu daneben. Aber mit der Zeit lernt man die Bedürfnisse der Kundschaft kennen und weiss, was sie oder er gerne liest. Dann klappt es auch meist mit den Empfehlungen. Und es ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn jemand mit einem Buch zufrieden ist.
Gibt es besonders «schwierige» Kunden?
Nun, ich würde das nicht als schwierig bezeichnen, aber: Wir haben einen Kunden, bei dem uns langsam die Ideen ausgehen. Er hat schon fast alles in seiner Sparte gelesen – das ist dann herausfordernd.
Abgesehen vom beruflichen Aspekt: Was sind denn Ihre Lieblingsbücher?
Das sehen Sie an meiner «Empfehlungs-Wand» in der Bibliothek. Hier habe ich einige meiner Lieblingstitel ausgestellt – ich mag Krimis, aber auch viel anderes.
Machen Sie sich Sorgen, dass Sie ab jetzt weniger lesen?
Was für eine Frage (lacht). Ich denke nicht, nein. Im Gegenteil: Jetzt habe ich hoffentlich mehr Zeit die Bücher zu lesen, für die mir in der Vergangenheit etwas die Zeit gefehlt hat. Ich bin oft auf Hörbücher ausgewichen, da ich dabei parallel noch etwas anderes machen konnte – beispielsweise putzen.
Hörbücher mögen Sie also. Was ist mit «eBooks»?
Ich lese auch gerne mit dem eReader – besonders unterwegs oder in den Ferien. Daheim muss ich aber schon ein Buch in den Händen halten. Ich vermute, das eBook wird das herkömmliche Buch nie ganz ersetzen. Insbesondere im Bereich der Kinderbücher.
Bald wird in der Gemeinde über die Zukunft der Bibliothek diskutiert. Die Medienwelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten digitalisiert. Wird es Bibliothek immer geben?
Ich vermute es, ja. Aber sie wird sich weiter verändern. Das habe ich in meinen 25 Jahren ja schon mehrfach erlebt. Denken Sie bloss an die Kassette, die zur CD wurde, die dann zugunsten von Streamingdiensten verschwand. Oder die Videokassette, die von der DVD abgelöst wurde, die wohl auch bald nicht mehr im Angebot sein wird. Dasselbe gilt für das eBook. Wer diese liest, bleibt zwar Kunde bei uns, kommt aber physisch viel weniger vorbei. Die Bibliothek wird in meinen Augen wichtig bleiben – aber muss mit der Zeit gehen.
Abschlussfrage: Was war der «Ausleih-Schlager» der letzten 25 Jahre?
Das waren wohl schon die «Harry Potter»-Bücher. Sie sind seit Ihrer Erscheinung sehr beliebt – und auch heute noch gefragt. tiz