Stefan Jaeger ist unser Tüüfner Chopf

02.03.2013 | Erich Gmünder
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Fotos: Erich Gmünder

Stefan Jaeger begrüsst in Jeans und Pullover – und mit Bart, den er sich während seines unfreiwilligen Sabbaticals hat wachsen lassen.

Erich Gmünder

9 Jahre lang sass er in der GPK der Gemeinde, davon sieben Jahre als Präsident. Anfang Monat übernimmt er eine Funktion bei der Raiffeisenbank, weshalb er verschiedene Nebenämter niederlegt, um sich voll der neuen Aufgabe widmen zu können.

Der scheidende GPK-Präsident ist nicht primär ein Mann der Zahlen. Immer wieder kommt der Macher zum Vorschein, der Herausforderungen sucht, und nur auf die nächste Chance wartet, sich dereinst wieder als Unternehmer zu betätigen.

Erfahrungen als Unternehmer machte er bereits in jungen Jahren. 1993, mit 28 Jahren, gründete der Doktorand eine Firma, die er 1999 einem amerikanischen Konzern verkaufen konnte.

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«Die Leute fragen sich vielleicht manchmal, weshalb ich mir ein so schönes Haus leisten kann», schmunzelt der 48-Jährige, der in Teufen an Zentrumslage eine Villa besitzt und Fliegen als sein Hobby bezeichnet. Um gleich nachzuschieben: «Von meinem Vater habe ich nicht einen Franken.»

Schon früh habe er sein eigenes Geld verdient. Den ersten Lohn als Erstklässler, als Gehilfe einer Lädelifrau im Quartier St. Georgen. Weitere Jobs folgten. Als 25-jähriger Student war er persönlicher Assistent von Konrad Hummler. Dieser half ihm später beim Aufbau des eigenen Unternehmens, einer Software-Firma, welche Banken im Risikomanagement berät. Und schickte ihn 2006 nach Basel, wo er eine Filiale der Bank Wegelin gründete.

Anschliessend baute Jaeger für Wegelin die erste Internet-Bank im Vermögensverwaltungsgeschäft auf: Die Nettobank. Das war 2010.

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Zwei Jahre später der Karriereknick, mit dem Untergang der Bank Wegelin. Die Bankenlizenz der jungen Internetbank wurde für die neue Notenstein Bank gebraucht, er musste die Nettobank saldieren. In der Nachfolgebank von Wegelin fand er keine adäquate Aufgabe mehr.

Die Zerschlagung der Bank Wegelin und der Fall seines langjährigen Mentors stimmen ihn nachdenklich. Aber lieber spricht er über die GPK. Auch dieses Engagement hat er Konrad Hummler zu verdanken. Dieser, damals selber Mitglied, motivierte ihn, seine Nachfolge anzutreten – und gleich auch in die FDP einzutreten.

«Ich hatte wirklich nicht die geringste Ahnung, was die Aufgabe einer GPK ist», bekennt der abtretende Präsident freimütig. Die ersten zwei Jahre lernte er den Job als Aktuar kennen.

Weniger als die trockenen Zahlen – die Rechnungsrevision wurde einer externen Revisionsgesellschaft übertragen – interessiert ihn die Geschäftsprüfung: Die korrekte Verwendung der Mittel, die Abschätzung von Risiken, die langfristige Planung, die Strategie.

Wobei er manchmal auch gegenüber seinen Kollegen Grenzen ziehen muss, wenn es um die Aufgabe der GPK geht: «Sie ist nicht eine Art ‹Schattenregierung› oder Oberbehörde.» Hingegen sieht er die GPK in einer Ombuds-Rolle, insbesondere da Teufen weder über Parlament noch Bürgerversammlung verfügt.

Hinweisen aus der Bürgerschaft geht er akribisch nach, und sei es nur, um den leisesten Verdacht einer Interessenkollision oder Vetternwirtschaft auszuräumen. In zwei bis drei kleineren Fällen sei die GPK auch fündig geworden, sagt Stefan Jaeger, ohne konkret zu werden.

Dass die GPK das Debakel des Schiesssportzentrums nicht kommen sah, erklärt er sich mit der «Salamipolitik» der Genossenschaft, in deren Sog sich auch die Gemeinde verstrickt habe. Die Behördenvertreter seien aber an der Aufarbeitung und bereit, eigene Fehler zuzugeben, attestiert er dem Gemeinderat.

Trotz dieser Affäre zum Ende seiner Amtszeit zieht er eine positive Bilanz: Das Bewusstsein für die Bedeutung der GPK sei in Teufen gestiegen.

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Mit dem Austritt nimmt Stefan Jaeger Abschied von der Politik. Zwar wurde im Elternhaus viel politisiert – sein Vater ist der legendäre frühere St.Galler Nationalrat Franz Jaeger. Mit dem emeritierten Ökonomieprofessor teilt er aber viel eher die Leidenschaft für wirtschaftliche Fragen – und für den mediterranen Lebensstil. Die beiden betreiben in der Toscana – in direkter Nachbarschaft – Wein- und Olivenanbau.

Stefan Jaeger

Geboren: 17.2.1965 in St.Gallen

Heimatort: Erlen TG

In Teufen seit: 1999

Familie: geschieden, lebt in einer Partnerschaft. Zwei Kinder: Laura 1996, Lukas 1998

Erlernter Beruf: Oekonom, Studium und Promotion in Wirtschaftswissenschaften

Heute tätig als: Bankkaufmann und Lehrbeauftragter an der Universität St.Gallen

Lieblingsessen: Appenzeller Käse Lieblingsgetränk: Cola Zero

Musikvorlieben: Giuseppe Verdi

Lektüre: Friedrich Dürrenmatt

Hobbys: Bergsteigen und Fliegen (einmotoriges Sportflugzeug)

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