
Hier würde der Abfall eigentlich hingehören: In einen der vielen Abfalleimer bei der Sportanlage Landhaus. Fotos: tiz
Littering, Sachbeschädigung, Vandalismus – in den vergangenen Monaten haben sich solche Fälle in Teufen gehäuft. Sie bilden Unfallgefahren, verursachen finanzielle Schäden, belasten Gemeindemitarbeitende und Polizei. Bestes Gegenmittel: Soziale Kontrolle.
Wellenbewegungen. Ein Begriff, der immer wieder fällt. Beim Werkhof, beim Hausdienst, bei der Badi, bei der Kinder- und Jugendarbeit und bei der Polizei. Gemeint sind die steigenden und sinkenden Tendenzen von Littering, Sachbeschädigung und Vandalismus. Trotzdem will die Gemeinde nicht nur mit Mahnfinger und Verboten reagieren. Stattdessen setzt sie auf Prävention, Kommunikation und soziale Kontrolle.
Kein Corona-Phänomen
Glassplitter im Kunstrasen, leere Flaschen auf Kinderspielplätzen, Abfälle auf den Zuschauertribünen im Landhaus, verwüstete WC-Anlagen, «Joghurtbecher-Bomben» in der Badi, mutwillige Sachbeschädigungen bei Feuerstellen, Schmierereien, zugemüllte Abfall-Sammelstellen. Es ist eine entmutigende Liste. Die Aufräumarbeiten nach den Wochenenden sind längst Routine. In den meisten Fällen ist dabei der Hauptkostenpunkt die Arbeitszeit der Mitarbeitenden. Aber es gibt auch teure Ausnahmen. Zum Beispiel die Beschädigung des frisch gegossenen Tartanbelag bei der Sportanlage Landhaus. Dabei handelte es sich nicht um einen Unfall. Unbekannte hatten mit Stöcken Muster in den Belag gemalt und damit einen Schaden von über 10’000 Franken verursacht. In solchen Fällen mutwilliger Zerstörung bleibt der Gemeinde nichts anderes übrig als Anzeige zu erstatten. Das gilt auch für heftige Littering-Fälle oder Schmierereien. «Natürlich setzen wir alles daran, die Täter ausfindig zu machen. Wir sind aber in solchen Fällen auch auf die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und den Behörden angewiesen», sagt Daniel Manser, Mediensprecher der Kantonspolizei. Immerhin einen Fahndungserfolg konnte seine Abteilung vor Kurzem bekanntgeben: Der Urheber diverser Schriftzüge und Schmierereien in und um Teufen wurde gefasst. Der Fall «Tartanbelag» ist noch nicht abgeschlossen bzw. die Täterschaft konnte bisher nicht ermittelt werden. Das gilt für einige Anzeigen aus Teufen der letzten sechs Monate. «Ich würde nicht von einer massiven Zunahme sprechen. Aber ich kann bestätigen, dass Hinweise und Anzeigen rund um mutwillige Sachbeschädigung und Littering in Teufen zugenommen haben», so Manser. Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Anstieg auf die Corona-Krise zurückzuführen ist. Zwei entscheidende Beobachtungen sprechen allerdings gegen diese Annahme: Die Fallzahl ist seit mehr als sechs Monaten konstant hoch und die Polizei hat in den vergangenen Monaten in anderen Gemeinden keine vergleichbare Zunahme registriert.
Eine Minderheit
Littering oder Vandalismus löst Empörung und Unverständnis aus. Oft bekommen das auch Jugendliche zu spüren, die sich absolut korrekt verhalten. Die Gemeinde betont deshalb, dass sich der weitaus grösste Teil der Teufner Jugendlichen vorbildlich und korrekt verhält. Sie sollen deshalb in ihrem Freizeitverhalten auch in keiner Form eingeschränkt werden. Auch das soziale Engagement der Vereine wird in diesem Zusammenhang hervorgehoben – es trägt einen wichtigen Teil zum vitalen Dorfleben bei.
Prävention statt Verbote
Littering oder Sachbeschädigungen sind keine neuen Phänomene in Teufen. Die öffentlichen Spielplätze, Feuerstellen und Sportanlagen sind beliebte Wochenende-Treffpunkte für jugendliche Gruppen. Oft ist dabei auch Alkohol im Spiel. Wie geht man damit um? «Ich glaube, dass der richtige Ansatz gewählt wurde. Man muss versuchen, einen guten Mittelweg zu finden», sagt Thomas Ortlieb von der Kinder- und Jugendarbeit (KJAT). Er und sein Mitarbeiter Severin Meli sind an Freitag- oder Samstagabenden oft im Dorf anzutreffen. Sie spazieren an den «Hotspots» vorbei und suchen das Gespräch mit den Jugendlichen. «Wir erinnern sie dabei natürlich daran, dass sie ihren Abfall mitnehmen sollen. Und nichts kaputtmachen. Folglich werden wir auch als eine Art Kontrollorgan wahrgenommen.» Etwas später patrouilliert ein privater Sicherheitsdienst – engagiert von der Gemeinde. Und auch die Polizei stattet Teufen am Wochenende immer wieder Besuche ab. «Wir passen unsere Patrouillentätigkeit den Hinweisen an», so Daniel Manser. Die Zusammenarbeit mit der Polizei wird von allen direkt betroffenen Gemeinde-Mitarbeitenden gelobt. Es bestehe ein guter, direkter Dialog und die Angaben würden ernst genommen. Auch Thomas Ortlieb hat ab und zu Kontakt mit der Polizei. Wenn möglich bevorzugt er aber das direkte Gespräch mit den Jugendlichen. «Wenn ich erfahre, wer für einen Schaden oder eine Sauerei verantwortlich ist, spreche ich sie an. Ich sage ihnen, sie sollen sich selbst stellen, bevor sie erwischt werden oder ich sie melden muss. Das machen sie dann zum Glück auch.» Die Arbeit der KJAT – sei es vor Ort oder im täglichen Kontakt mit den Jugendlichen – ist ein wichtiges Puzzleteil in der Präventionsstrategie der Gemeinde. Doch weder KJAT, der Sicherheitsdienst noch die Polizei können überall gleichzeitig sein. Aufenthaltsverbote sehen aber weder die Gemeinde noch die Polizei als sinnvolle Lösung an. Auch Jugendlichen haben das Recht, sich auf den öffentlichen Plätzen aufzuhalten und Spass zu haben. So lange sie sich an die Regeln halten. Deshalb komme auch den Erziehungsberechtigten und der Bevölkerung eine wichtige Rolle zu.
Lieber ein Hinweis zu viel
«Wir sind dankbar, wenn sich Personen bei entsprechenden Beobachtung bei der Polizei melden, lieber einmal zu viel also einmal zu wenig.» Daniel Manser betont die Wichtigkeit der Hinweise aus der Bevölkerung. Insbesondere bei niederschwelligen Delikten wie Littering oder Sachbeschädigungen sind sie für die Polizei unverzichtbar. «Wir brauchen die Augen und Ohren der Anwohner.» Und auch wenn die nötigen Personal-Ressourcen nicht immer sofort zur Verfügung stehen: Die Fälle werden alle registriert und in die weitere Einsatzplanung einbezogen. Es ist also anzunehmen, dass Teufen für Wochenend-Patrouillen derzeit ziemlich weit oben auf der Liste steht. tiz