Im Eimer über die Strasse

01.04.2025 | Nerina Keller

An der Gstaldenstrasse in Niederteufen steht zum ersten Mal ein Amphibienzaun. Während der rund drei Wochen, in denen die Frösche und Kröten ihren Laich-Platz aufsuchen, transportieren Anwohnende und Freiwillige die Tiere über die Strasse und wieder zurück. Initiiert hat das Projekt Bettina Wagner. Die TP hat sie an einem Sonntagabend zu Schichtbeginn getroffen.

Amphibienwissen kompakt

Im Rahmen der Rettungsaktion haben die Helferinnen und Helfer bei einem Vortrag von Christoph Noger, Präsident des Naturschutzvereins St. Gallen, mehr über Amphibien erfahren. Er erklärte ihnen unter anderem, dass die empfindlichen Tierchen nicht nur sterben, wenn sie direkt vom Reifen überrollt werden. Ab einer Geschwindigkeit von 25 bis 30 km/h sterben sie nur schon wegen des Luftdrucks, der sich zwischen dem Fahrzeugunterboden und der Fahrbahn aufbaut, an inneren Verletzungen. Im Gebiet um den Sonnenweiher gibt es sehr viele Erdkröten, Grasfrösche und auch Bergmolche. Alle drei Arten sind geschützt. Die Amphibien leben hauptsächlich im Wald. Aber jedes Jahr kehren sie an denselben Ort zurück, um zu laichen. Die grosse Wanderung dauert rund drei Wochen. Bei trockenem Wetter sind sie ab etwa 10 Grad und bei Regen schon ab ungefähr 5 Grad unterwegs. Im Weiher legen sie dann ihre Eier ab, die ausserhalb des Körpers befruchtet werden. Anschliessend wandern einige zeitnah wieder zum Wald, andere kehren erst im Lauf des Sommers zurück.

Die bernsteinfarbenen Augen der Erdkröte funkeln im Licht der Smartphone-Lampe. Bettina Wagner hält sie eng umschlungen in ihrer Hand. An diesem Abend ist die Kröte eine der ersten. Es ist 20 Uhr, aber in der Nacht davor war Zeitumstellung. Vermutlich ist es noch zu früh. «Die letzten Tage war um diese Zeit teilweise sehr viel los, die Kübel waren manchmal fast voll», erzählt Bettina Wagner. Diese Kübel sind Teil des neugeschaffenen «Amphibien-Rettungsprogramms» in Niederteufen. Sie wurden in der Wiese oberhalb der Gstaldenstrasse versenkt – hinter einem rund 30 Zentimeter hohen Plastikzaun. Er ist es, der die Frösche und Kröten aufhält. Kurz vor dem Erreichen der tödlichen Strasse. Dann hüpfen sie dem Zaun so lange entlang, bis sie in den Eimer plumpsen. Einsatz Bettina Wagner und ihre Helfenden: Sie transportieren die Eimer mit den Tieren über die Strasse und lassen sie dort wieder frei.

Noch im letzten Jahr war das anders. Während der Laich-Zeit der Amphibien lagen täglich mehrere tote Frösche und Kröten auf der Strasse. Sie wurden überfahren auf ihrem Weg vom Cholgaden-Wald hinunter zum Sonnenweiher. Nachdem ein Schild der Gemeinde, das auf die Amphibienwanderung hinweist, letztes Jahr kaum Wirkung gezeigt hatte, stellte die Gemeinde auf erneute Nachfrage von Bettina Wagner den Amphibienzaun auf. Unter der Bedingung, dass Freiwillige dabei helfen, ihn zu «bewirtschaften».

Es ist ein richtiges Fieber ausgebrochen.

«Ich habe einen WhatsApp-Chat mit der Flurgenossenschaft gegründet und einfach mal aufgerufen.» Aus der Nachbarschaft erklärten sich schnell alle bereit, mitzuhelfen. Und auch über den Einwohnerverein Niederteufen-Lustmühle wurden ein paar Helfende mobilisiert. «Ausserdem habe ich auch die Schule, die Kita und den Tierarzt angefragt – alle waren dabei.» Die Schule hat es schlussendlich dann nicht einmal gebraucht. «Weil sie erst nach Schulstart hätten kommen können, haben wir die Dienste anders abgedeckt», sagt Bettina Wagner dazu. Die grosse Bereitschaft hat sie trotzdem sehr gefreut. Rund 30 Personen sind seit rund zwei Wochen täglich im Einsatz, pro Morgen und Abend zwei bis drei Personen. «Es ist ein richtiges Fieber ausgebrochen», freut Bettina Wagner sich. Die 36-Jährige ist Schulleiterin in Engelburg und Mutter von zwei Buben. Letzteres ist auch einer der Gründe, weshalb sie die Aktion gestartet hat. «Ich will meinen Kindern vorleben, dass man sich für die Natur einsetzen soll.»

Wie viele Frösche, Kröten und Bergmolche transportiert werden, hält Bettina Wagner in einer Excel-Tabelle fest. Und der Sonnenweiher ist jetzt auch bei der nationalen Koordinationsstelle für Amphibien (karch) erfasst. «Zählen müssen wir, damit der Aufwand gerechtfertigt werden kann. Für nur drei Frösche müssten wir keine solchen Massnahmen ergreifen.» Das scheint aber ohnehin nicht der Fall zu sein. Bis jetzt haben die Beteiligten bereits 586 Tiere vom Wald zum Weiher und 220 zurück transportiert. Den grössten Anteil machten Kröten aus, es waren aber auch einige Frösche und Molche dabei.

An einigen Abenden wimmelt es nur so in den Eimern. Das zeigt dieses Video …

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