Budget: Gleicher Steuerfuss, Überschuss und Schulden

19.10.2026 | Gemeinde
Teufen_Drohne
Foto: Archiv

Der Voranschlag für das Jahr 2027 sieht einen Ertragsüberschuss von CHF 1’143'300 auf der Stufe 2 bei gleichbleibendem Steuerfuss vor. Auf der Stufe 1 resultiert ein Defizit von CHF 1’139'000. Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf CHF 5’623'700.

Fiskalertrag: Geplante Mehreinnahmen bei den natürlichen Personen

Gegenüber dem Voranschlag des Vorjahres wird mit einer Steigerung des Fiskalertrags um 2.2 Prozent beziehungsweise CHF 0.8 Mio. auf CHF 38.9 Mio. gerechnet. Die budgetierten Mehreinnahmen stammen hauptsächlich aus den Steuern der natürlichen Personen. Gestützt auf eine aktuelle Hochrechnung und die Empfehlungen der kantonalen Steuerverwaltung werden diese um CHF 0.9 Mio. höher auf CHF 31.2 Mio. veranschlagt. Bei den juristischen Personen wird wie im Vorjahr mit einem Steuerertrag von CHF 2.6 Mio. gerechnet. Die Sondersteuern werden ebenfalls unverändert mit CHF 5.1 Mio. veranschlagt.

Höherer Personalaufwand vor allem in Bildung und Heimen

Der Personalaufwand steigt gegenüber dem Voranschlag des Vorjahres um 3.5 Prozent beziehungsweise knapp CHF 1 Mio. auf CHF 28.7 Mio. Darin enthalten ist eine Steigerung der Lohnsumme um 1 Prozent für den Teuerungsausgleich und individuelle Lohnanpassungen beim Personal der Verwaltung und der Heime. In den Heimen ist vorgesehen, in der Pflege und Betreuung ein Schichtmodell einzuführen und damit den heutigen Anforderungen an moderne Arbeitszeitmodelle Rechnung zu tragen. Flexiblere Arbeitszeiten sollen die Attraktivität als Arbeitgeberin erhöhen, die Rekrutierung und langfristige Bindung von qualifiziertem Pflegepersonal erleichtern und den Einsatz von externem Personal reduzieren. Für die Einführung des Schichtmodells sind im Voranschlag von knapp CHF 0.4 Mio. eingerechnet.

Im Bereich Bildung steigen die Personalkosten gegenüber dem Voranschlag des Vorjahres um gut CHF 0.6 Mio. Ein wesentlicher Teil dieser Zunahme ist darauf zurückzuführen, dass die Personalkosten im laufenden Jahr gemäss Hochrechnung höher ausfallen als budgetiert. Aufgrund steigender Schülerzahlen musste kurzfristig eine zusätzliche Kindergartenklasse eröffnet werden. Zudem waren die Löhne des Lehrpersonals im Voranschlag des Vorjahres zu tief veranschlagt. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Altersentlastungen für erfahrene Lehrpersonen sowie die Reduktion der Unterrichtslektionen für Klassenlehrpersonen stärker als erwartet auswirken. Bei der nun veranschlagten Kostensteigerung handelt es sich deshalb teilweise um eine Anpassung an bereits bestehende Gegebenheiten. Hinzu kommen Mehrkosten von CHF 0.1 Mio. für die Tagesbetreuung. Da diese von immer mehr Schulkindern in Anspruch genommen wird, ist eine personelle Verstärkung des Betreuungspersonals erforderlich.

In der allgemeinen Verwaltung wurden die Personaldienste um 40 Stellenprozent aufgestockt.

Im Rahmen der regelmässigen Überprüfung der Versicherungsverträge wurde die berufliche Vorsorge im Jahr 2026 erneut einer umfassenden Marktüberprüfung unterzogen. Der bestehende Vertrag wurde anschliessend um drei Jahre verlängert. Gleichzeitig wurde die bisher hälftige Aufteilung der Sparbeiträge angepasst. Neu übernimmt die Gemeinde als Arbeitgeberin 56 Prozent und die Arbeitnehmenden tragen 44 Prozent der Beiträge. Damit wird die Regelung vereinheitlicht, da für den Lehrkörper bei der Pensionskasse Appenzell Ausserrhoden bereits seit längerem dieselbe Aufteilung gilt.

Sachaufwand leicht höher veranschlagt

Der Sach- und übrige Betriebsaufwand liegt mit CHF 14.5 Mio. rund CHF 0.4 Mio. über dem Voranschlag des Vorjahres. Die grösste Position entfällt mit CHF 6.3 Mio. auf den baulichen Unterhalt der gemeindeeigenen Gebäude, Strassen und Sportanlagen.

Um die Steuerbarkeit des Budgets weiter zu verbessern, unterscheidet die Finanzverwaltung im Rahmen einer in den letzten beiden Jahren weiterentwickelten Systematik zwischen wiederkehrenden Basisbudgetpositionen und Sonderfaktoren. Die Basisbudgetpositionen umfassen im Wesentlichen die unvermeidlichen, wiederkehrenden Ausgaben und sollen verhindern, dass pauschale Reserven ins Budget aufgenommen werden. Gegenüber dem Voranschlag des Vorjahres haben diese Positionen um CHF 0.5 Mio. abgenommen.

Nicht wiederkehrende Ausgaben wurden als Sonderfaktoren separat ausgewiesen und je nach Priorität in den Voranschlag aufgenommen.

Zu den grössten Einzelpositionen im Sachaufwand zählen die Sanierung der Schützenbergstrasse einschliesslich Beleuchtung mit CHF 0.8 Mio., die jeweils zweite Etappe der Innensanierung der Sporthalle Landhaus und des Schulhauses Rot mit je rund CHF 0.6 Mio. sowie die Sanierung des Hauptplatzes der Sportanlage mit CHF 0.3 Mio.

Tieferer Netto-Transferaufwand

Im Transferertrag und Transferaufwand werden insbesondere jene Einnahmen und Ausgaben erfasst, die im Austausch mit anderen Gemeinwesen wie dem Kanton oder anderen Gemeinden entstehen. Die grösste Position betrifft den kantonalen Finanzausgleich.

Aufgrund des ab 1. Januar 2027 geltenden neuen Finanzausgleichs steigen die Beiträge der Gemeinde gegenüber dem Voranschlag des Vorjahres von CHF 5.1 Mio. auf über CHF 6.4 Mio. Dass der Nettotransferaufwand dennoch tiefer ausfällt, ist darauf zurückzuführen, dass die Transfererträge stärker steigen als die Transferaufwendungen. Zum einen wird die Mehrbelastung aus dem neuen Finanzausgleich während einer dreijährigen Übergangsfrist zu 90 Prozent abgefedert. Diese Abfederung ist mit CHF 1.6 Mio. als Transferertrag berücksichtigt. Zum anderen fallen die Beiträge von anderen Gemeinwesen um CHF 0.7 Mio. höher aus. Zusätzlich führen tiefer erwartete Sozialkosten für Fremdplatzierungen zu einer weiteren Verbesserung des Nettotransferaufwands.

Steigerung des Netto-Finanzertrags

Beim Netto-Finanzertrag wird mit einer Steigerung von rund 11 Prozent auf knapp CHF 0.8 Mio. gerechnet. Zur Verbesserung tragen tiefere Unterhaltskosten sowie weiterhin stabile Mietzinseinnahmen aus den Liegenschaften des Finanzvermögens bei.

Deutlich höheres Gesamtergebnis, tieferes operatives Defizit

Wie bereits mit dem letztjährigen Voranschlag kommuniziert, strebt der Gemeinderat in den kommenden Jahren eine weitere Reduktion des operativen Defizits an. Damit soll zusätzliche Liquidität für die anstehenden Investitionen geschaffen werden. Dieses Ziel wird mit dem Voranschlag 2027 weiterverfolgt: Gegenüber dem Vorjahr sinkt das operative Defizit um CHF 0.7 Mio. auf CHF 1.1 Mio.

Gleichzeitig fällt das ausserordentliche Ergebnis auf Stufe 2 mit CHF 2.3 Mio. nochmals höher aus als im Voranschlag 2026, in dem CHF 1.9 Mio. veranschlagt waren. Es resultiert aus gesetzlich vorgeschriebenen Auflösungen der Abschreibungsreserve und der Vorfinanzierungen. Daraus ergibt sich ein Gesamtergebnis von gut CHF 1.1 Mio.

Die hohen ausserordentlichen Erträge sind eine Folge der in finanzstarken Jahren getätigten Reservenbildung und Vorfinanzierung grosser Investitionsvorhaben. Aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Auflösung dieser Reserven und Vorfinanzierungen wird das ausserordentliche Ergebnis auch in den kommenden Jahren in ähnlicher Grössenordnung anfallen.

Investitionen von knapp CHF 5.6 Mio. vorgesehen

Für das kommende Jahr sind Nettoinvestitionen von insgesamt CHF 5.6 Mio. veranschlagt. Damit liegt das Investitionsvolumen zwar tiefer als im Vorjahr mit rund CHF 8 Mio., aber weiterhin über dem Durchschnitt früherer Jahre (2014-2021: CHF 3.35 Mio.).

Zu den massgeblichen Investitionen zählen:

– Verkehrswege: CHF 1.7 Mio. Davon entfallen CHF 0.75 Mio. auf Gemeindestrassen, unter anderem für die Sanierung der Schwimmbadbrücke und den Neubau des Trottoirs an der Friedhofstrasse. Weitere CHF 0.95 Mio. sind als Gemeindebeiträge an kantonale Projekte vorgesehen, darunter CHF 0.4 Mio. für die Veloschnellroute Lustmühle–Liebegg sowie je CHF 0.1 Mio. für die Gestaltung des Strassenraums in Niederteufen und die Goldibachbrücke.

– Beitrag an die Appenzeller Bahnen: CHF 0.4 Mio.

– Projektierungskredit Bahntunnel Restbetrag: CHF 0.4 Mio.

– Sanierung und Aufwertung Zeughausplatz: CHF 0.6 Mio. Aufgrund einer nach der Genehmigung des Voranschlags eingereichten zweiten Petition könnte sich die Umsetzung des Projekts verzögern.

– Wasserversorgung: CHF 1.6 Mio., unter anderem CHF 0.65 Mio. für die Erweiterung des Reservoirs Frölichsegg.

– Forstwirtschaft: CHF 0.4 Mio. für den Ersatz des Rückefahrzeugs.

Rollende Planung für mittelfristige Investitionsvorhaben

Neben dem Projekt für den Bahntunnel, über den die Stimmbevölkerung im kommenden Jahr abstimmen wird, sieht sich der Gemeinderat in den nächsten Jahren mit weiteren, sehr grossen Investitionsanliegen konfrontiert:

– technische Erneuerung des Schwimmbads

– Umsetzung des Sport- und Anlagekonzepts einschliesslich Turnhalle Niederteufen

– Umsetzung der kantonalen Pflegeheimplanung mit der Sanierung Lindenhügel und Angeboten für betreutes Wohnen

Eine gleichzeitige Realisierung aller Vorhaben würde die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde übersteigen. Deshalb müssen die Projekte zeitlich priorisiert und teilweise gestaffelt werden.

Die rollende Finanzplanung des Gemeinderats sieht bereits seit mehreren Jahren vor, die Verschuldung exklusive den allfälligen Bahntunnel grundsätzlich auf höchstens einen jährlichen Fiskalertrag von rund CHF 36 bis 38 Mio. zu begrenzen. Damit soll für eine mögliche Finanzierung des Bahntunnels möglichst viel finanzieller Handlungsspielraum erhalten bleiben. Der Voranschlag 2027 und die längerfristige Finanzplanung führen diese Zielsetzung fort.

An der Informationsveranstaltung vom 9. November wird der Gemeinderat ausführlicher über die Langfristplanung und den finanziellen Handlungsspielraum der Gemeinde informieren.

Ausführlicher Aufgaben- und Finanzplan auf der Website oder bei der Gemeindeverwaltung beziehbar

Die Details zum Voranschlag 2027 sind in einem umfassenden Aufgaben- und Finanzplan festgehalten. Dieser wird Anfang November auf der Website der Gemeinde aufgeschaltet und liegt zudem bei der Gemeindeverwaltung auf.

Orientierungsveranstaltung am 9. November 2026

Voranschlag 2027 und finanzieller Handlungsspielraum

Der Gemeinderat erläutert den Voranschlag 2027 an der öffentlichen Orientierungsversammlung vom Montag, 9. November 2026, um 19.00 Uhr im Lindensaal. Im Hinblick auf die kommende Abstimmung zur Ortsdurchfahrt wird er zudem über die finanziellen Rahmenbedingungen und den Handlungsspielraum der Gemeinde informieren.

Die Bevölkerung ist dazu herzlich eingeladen. Gemeinderat und Verwaltung danken bereits heute für das Interesse.

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