
Das Gebiet hat grosses Potenzial. Das ist unbestritten. Schliesslich geht es beim Unteren Gremm um eine Bauparzelle mit 14’600 Quadratmetern Fläche. Mitten im Herzen von Teufen, aber mit Säntissicht. Das gilt mindestens für die oberen Häuser, die die Mettler Entwickler AG hier bauen will. «An der grundlegenden Idee hat sich nichts geändert. Aber natürlich haben wir einige Verbesserungen vorgenommen», sagt der zuständige Immobilienentwickler Roland Ebneter. Das bedeutet: Hier sind noch immer neun alleinstehende Häuser in drei Reihen mit «nicht allzu prunkvollen Wohnungen» (Infoanlass, Januar 2019) geplant. Auch ein Weg, der als Direktverbindung für AWG und HUG dient, ist vorgesehen. «Auf unserem Grundstück übersteig dieser den Neigungswinkel von 6 Prozent nicht.» Ein zentraler Punkt hat sicher aber doch geändert: die Zufahrt.
Bahnhofkreisel und Tunnel
Wer ein Gebiet im Rahmen eines Sondernutzungsplans (neu: Überbauungsplan) entwickeln will, muss einige Hürden meistern. Ein solcher Plan wird nämlich nicht nur vom Gemeinderat erlassen, sondern auch vom Kanton geprüft. Letzteres führte bei der Wiederaufnahme der Planungsarbeiten nach dem «Nein» an der Urne vom Februar 2019 zu Problemen. «Uns kam die Situation rund um die Bahnhofkreuzung sozusagen in die Quere», sagt Roland Ebneter. Damit spricht er die gescheiterte Idee eines Grosskreisels zur Entlastung ebendieser Kreuzung an – aber auch die anstehende Abstimmung über ein Tunnelprojekt (siehe Kasten). Für ersteres lag eigentlich ein Projekt in Umsetzungsreife vor. Im Juni 2023 bekam der Kanton Ausserrhoden aber dicke Post vom Bundesamt für Verkehr (BAV). Es wies das Vorhaben als «zu überladen» ab, der Kanton zog es im Anschluss zurück. Für die Mettler Entwickler AG war das insbesondere deshalb ein Problem, weil ihr neues Projekt eine teilweise Erschliessung über die Post-Liegenschaft beinhaltete. «Der Kanton sagte uns dann aber deutlich: So lange die Verkehrssituation rund um den Bahnhof nicht abschliessend geregelt ist, wird so ein Überbauungsplan nicht bewilligt.» Für Roland Ebneter und sein Team hiess das: zurück auf Feld 1.
Erschliessung nach Richtplan
Grundsätzlich ist klar, wie die Bauparzelle beim Thürerpark verkehrstechnisch erschlossen werden soll. Das regelt der geltende Richtplan. Und der besagt: Die Erschliessung erfolgt über die Krankenhausstrasse. «Der neue Überbauungsplan geht nun auch davon aus. Die Postliegenschaft ist nicht mehr Teil des Erschliessungskonzepts», erklärt Roland Ebneter. Stattdessen geht es über die Krankenhaus- und die Gremmstrasse. Ansonsten habe sich wenig genändert. «Das Projekt ähnelt noch immer sehr dem ersten.» Die ersten zwei Hürden – kommunale Planungskommission und Gemeinderat – hat dieser neue Plan bereits genommen. Derzeit liegt er beim Kanton zur Vorprüfung. Die nächsten Schritte sind die Mitwirkung und die öffentliche Auflage.
Wird das fakultative Referendum dieses Mal nicht ergriffen, könnten die Bauarbeiten im Jahr 2028 beginnen. «Darauf hoffen wir natürlich», sagt Roland Ebneter. Verständlich. Schliesslich arbeitet die Mettler Entwickler AG schon so lange an diesem Projekt, dass zwischenzeitlich nicht nur der Firmenname, sondern auch der Name des Gemeindepräsidenten (zweimal) gewechselt hat – beim Spatenstich wird dann bereits der dritte anwesend sein. War ein Verkauf dieser «Problemliegenschaft» eigentlich nie ein Thema? «Wir haben das zwischenzeitlich kurz diskutiert. Uns dann aber klar dagegen entschieden. Das ist nach wie vor eine sehr schöne Parzelle, auf der wir etwas Stimmiges realisieren wollen.»
Was ist mit dem Tunnel?
Nicht nur die Bahnhofkreuzung ist eine planerische Herausforderung für die Mettler Entwickler AG. Auch die anstehende Abstimmung über das Tunnelprojekt vom 28. Februar 2027 bringt einige Unsicherheiten mit sich. Denn, so lange nicht klar ist, wie die Ortsdurchfahrt in Zukunft aussieht, bleibt bei der Bahnhofkreuzung der «Status Quo» erhalten. Klar ist immerhin: Auch wenn ein Bahntunnel gebaut würde, käme er dem Bauprojekt beim Unteren Gremm nicht in die Quere. «Wir haben das mit den Tunnel-Planern sehr genau abgeklärt und wissen inzwischen definitiv: Da gibt es keine Probleme», sagt Roland Ebeneter. Das liege in erster Linie daran, dass der Tunnel deutlich tiefer zu liegen käme als die geplante Tiefgarage.