«Singen in der Früh»: Erfahrungsbericht von Ursula von Burg
Haben Sie schon mal erlebt, dass ein Gruppe Menschen geduldig vor einer Kirche wartet und bei Türöffnung sofort zu den vordersten Bänken drängt? Genau das passiert beim «Singen in der Früh» im Rahmen der Bachtage.
Erwartet wird die Schar in der Kirche Stein vom Vokalquartett der J. S. Bach Stiftung, locker in Jeans und T-Shirt, aber hörbar wach und eingesungen. Was ich von mir nicht behaupten kann. Vor 8.00 morgens singe ich normalerweise nicht mal unter der Dusche. Also nochmals tief durchatmen während Christoph Schönfelder an der Orgel den Anlass improvisatorisch eröffnet. Schon geht es los mit dem ersten Lied aus dem eigens für den Anlass zusammengestellten Singbüchlein. Und es klingt vom ersten Ton an! Sind denn alle Teilnehmenden der Bachtage begeisterte und begabte Sängerinnen und Sänger? Aber was für ein Vergnügen, mit lauter Gesangsfreudigen den Tag zu beginnen
Mit der Freude wächst der Mut. Wieso nicht mal die 2. Stimme versuchen? Bei der ersten Strophe klappt’s nicht schlecht. Doch oje, Noten lesen und gleichzeitig den Text der vielen Strophen verfolgen, das ist dann doch etwas viel. Also bei der nächsten Zeile schnell zurück zur vertrauten Sopran-Melodie. Und ganz allmählich stellt sich das beglückende Gefühl ein, das jedes Mitglied eines Chors kennt: Ich bin mit meiner Stimme ohne grosse Anstrengung Teil eines klingenden Ganzen. Eine wohltuende Erfahrung von Gemeinschaft, zu der jeder Anwesende seinen Teil beiträgt.
Einen grossen Anteil am Geschehen hat Philippe Hayot. Der Bassist des Vokalquartetts und erfahrene Chorleiter führt sympathisch und humorvoll durch das dreiviertelstündige Programm mit Chorälen, Kanons, aber auch modernen Liedern. Das Vokalquartett setzt die Glanzpunkte: mal eine Oberstimme, mal eine solistische Strophe. Sogar eine a capella Version von «A whiter shade of pale» ertönt. «Bach geht weiter», das Motto der diesjährigen Bachtage, hinterlässt auch beim «Singen in der Früh» seine Spuren.
Impressionen von der ersten zwei «Bachtagen»








