
Ein Besuch der Mitgliederversammlung der IG Tüüfner Engpass lohnt sich immer. Nur schon deshalb, weil dies wohl die einzige Tunnel-Versammlung im Dorf ist, an der folgende Stimmung dominiert: Harmonie. Hier wird höchstens dem Journalisten in der hintersten Reihe mal ein misstrauischer Blick zugeworfen. Sonst niemandem. Alle wissen: Auch mein Sitznachbar will den Tunnel. Entsprechend gut kommt der erste Programmpunkt an. Co-Präsident Rolf Brunner spielt den Film von der virtuellen Tunnel-Durchfahrt ab, der während der Info-Veranstaltung der Gemeinde Ende November 2025 erstmals gezeigt wurde. «Das zu sehen, ist wirklich eindrücklich. Wir haben ein sehr wichtiges Jahr hinter uns», sagt er und blickt in die Runde der knapp 20 Anwesenden. «Und ein noch viel wichtigeres vor uns.»
Nach diesem Schema ist auch der Jahresbericht des Präsidiums, das er sich mit Philipp Schuchter teilt (der Vorstand wurde in globo bestätigt), strukturiert. Darin blicken die zwei nicht nur zurück und kommentieren das Tunnel-Vorprojekt. Sie bereiten die mittlerweile über 250 IG-Mitglieder auch auf den anstehenden Abstimmungskampf vor. «Es gibt zwei Hauptrisiken für eine Ablehnung: die Kosten und ideologische Stimmungsmache von Nein-Sagern», so Rolf Brunner. Beim ersten Punkt hofft er insbesondere auf eine finanzielle Beteiligung von Appenzeller Bahnen, Kanton und Bund. Die entscheidenden Gespräche mit Regierungsrat und Bundesamt für Verkehr (BAV) sollen demnächst geführt werden. Das sagt der anwesende Gemeindepräsident Reto Altherr später. «Wir werden uns natürlich sehr für eine Beteiligung stark machen.» Wieviel teurer als das Doppelspur-Projekt der Tunnel dann tatsächlich wird – die Gemeinde müsste nach Eisenbahngesetz die Mehrkosten übernehmen – kann er indes heute noch nicht sagen. «Die öffentliche Information diesbezüglich ist für den Frühherbst geplant.»
«Ich garantiere euch: Wir können auch den Wakkerpreis gewinnen.»
Noch etwas weniger konkret ist die Sache bei den «ideologischen Stimmungsmachern». Die TP fragt Rolf Brunner nach der Versammlung: Wer ist hier gemeint? Eine «IG Pro Doppelspur» gibt es schliesslich nicht? «Stimmt, das gibt es nicht. Ich meine auch keine Organisation, sondern Einzelpersonen. Menschen, die jedes Projekt immer gleich schlecht reden, weil sie keine Visionen haben.» Dieses Wort fällt an diesem Abend sowieso häufig: Vision. Die Vision eines bessern, lebenswerteren, bahnfreien Dorfzentrums für die kommenden Generationen. «Ich garantiere euch: Wir können auch den Wakkerpreis gewinnen», sagt Rolf Brunner. Halb in Scherz, halb ernst.
Für dieses Ziel ist die IG Tüüfner Engpass bereit, einiges an Geld in die Hand zu nehmen. Das Budget 2026 beinhaltet nebst den Mitgliederbeiträgen von 8000 Franken auch Spenden in Höhe von 53’000 Franken. «Das ist ambitioniert. Aber machbar.» Dieses Geld will die IG fast vollständig in den Abstimmungskampf investieren: Anlässe, Inserate, Werbung. Braucht es das alles für ein endgültiges «Ja» zum Tunnel? Wieder Rolf Brunner: «Wer nichts investiert, erreicht auch nichts. Bei der ersten Abstimmung haben wir sogar noch mehr ausgegeben. Deshalb wollen wir hier jetzt auch wieder Vollgas geben.» Abgestimmt wird voraussichtlich am 27. Februar 2027 (siehe Kasten). Die nächste Mitgliederversammlung der IG Tüüfner Engpass ist für den Mai 2027 angesetzt. Wenn es nach ihnen geht, steht die dann «unter einem anderen Vorzeichen, nämlich ‘let’s fätz’!»
Abstimmung im Februar 2027?
Auch Gemeindepräsident Reto Altherr kam an der MV der IG Tüüfner Engpass zu Wort. Er gab einen Einblick in die Organisation der komplexen Tunnelprojektierung, informierte über die neusten Anpassungen im Rahmen des Bauprojekts (mehr dazu hier) und wagte einen Ausblick: «Ganz will ich den Abstimmungstermin im November 2026 noch nicht aufgeben. Aber realistischerweise muss ich sagen, dass es vermutlich eher der 27. Februar 2027 wird.» Dann stimmt Teufen über einen Objektkredit für den Bau eines Bahntunnels ab. Die Abstimmungsfrage wird sein: Sind Sie bereit, die Mehrkosten für den Bau des Tunnels zu übernehmen? Bei einem «Ja» wird das Tunnelprojekt in Bern eingereicht, bei einem «Nein» das bereits vorhandene Doppelspurprojekt. Die Ausarbeitung des Tunnel-Projekts geht auf zwei Abstimmungen im Jahr 2022 zurück. Unter anderem befürwortete Teufens Stimmbevölkerung damals einen Projektierungskredit in Höhe von 4.45 Mio. Franken für die Ausarbeitung eines Tunnel-Projekts zwischen Bahnhof und Stofel. Derzeit wird am abstimmungsfertigen Bauprojekt gearbeitet – laut Gemeindepräsident Reto Altherr mit bis zu 1000 Ingenieurs-Stunden pro Monat.