



















Timo Züst
Seit Sonntag besucht eine Delegation des „Hilfskonvoi Kurdistan“ den Nordirak. Sie folgten einer Einladung von Musa Ahmad von der Barzani Charity Foundation. Und für heute ist sogar ein Besuch bei zukünftigen Premierminister geplant.
„Uns geht es gut. Natürlich sind wir voller Eindrücke, aber uns geht es wirklich gut“, sagt Diakon und Verantwortlicher des Hilfsprojekts „Hilfskonvoi Kurdistan“ Stefan Staub. Er ist derzeit nur via Internet-Anrufe erreichbar. Denn seit Montagmorgen ist er mit Kirchenverwaltungsratspräsident Alfons Angehrn, Christoph Würmli (Pfarreiratspräsident) und Ueli Schleuniger (operativer Leiter) auf Besuch in Nordirak. Anlass der Reise war eine Einladung von Musa Ahmad. Er ist der Chef der Barzani Charity Foundation, einer Partnerorganisation des UNHCR und war vergangenen Dezember auf Besuch in Teufen. Aber er ist nicht der einzige wichtige Mann, den die Teufner im Nordirak treffen. Heute Vormittag haben sie eine Audienz bei Masrour Barzani höchstpersönlich. „Die politische Situation hier ist nicht ganz einfach zu erklären. Im Grundsatz ist diese Region völlig unabhängig von Bagdad. Trotzdem gibt es noch keine richtige Regierung“, erklärt Stefan Staub. Die Bildung dieser Regierung ist aber in vollem Gange – und an ihrer Spitze soll schon bald Masrour Barzani stehen. Als Premierminister. Er tritt damit das Erbe seines Vaters an. Der Barzani-Clan ist in dieser Region seit Generationen an der Macht. „Für unser Demokratieverständnis mag das irritierend sein. Aber den Menschen hier geht es unter Barzani gut. Und er ist ein Garant gegen die Islamisten“, sagt Staub.
Spannungen und Ruinen
Zwar wurde der Besuch aus Teufen überall herzlich empfangen. Trotzdem liegt eine ungewöhnliche Spannung in der Luft. „Das Gebiet befindet sich nahe an der Iranischen Grenze. Und die politischen Spannungen zwischen den USA und Iran sind hier spürbar.“ Das Sicherheitsaufgebot sei deshalb ungewöhnlich hoch. In Gefahr sind die vier Teufner aber nicht. Sie können sich frei bewegen und haben bereits die rund 50 neuen Shelters in Basirma begutachtet sowie einige „Touristen-Attraktionen“ besichtigt. „Es ist gewaltig: Hier liegt kein Stein mehr auf dem anderen. Die ganze Infrastruktur ist vollkommen zerstört“, berichtet Stefan Staub. Deshalb ist auch zu erwartet, dass viele der tausenden Binnenvertriebene noch jahrelang in den Flüchtlingslagern bleiben werden. Eines davon steht in Khaser. Dort leben rund 7500 Menschen in Zelten des UNHR. Das Problem: Die Zelte sind mittlerweile vier Jahre alt und arg mitgenommen. „Stellen Sie sich vor: Hier wird es im Sommer 50 Grad heiss und im Winter minus 20 Grad kalt. Die Zelte sind völlig zerfetzt.“ Deshalb wird die Teufner Delegation das Lager heute Nachmittag besuchen und im Namen des „Hilfskonvoi Kurdistan“ 20 der Zelte gegen neue ersetzen. Die Kosten pro Zelt betragen 400 Franken – und sie bieten einer achtköpfigen Familie einen sicheren Unterschlupf. „Bezahlen werden wir mit den gesammelten Spenden, die wir mitgenommen haben.“
Morgen treten die vier Teufner ihre Rückreise an. Läuft alles nach Plan, sind sie am Freitagabend wieder daheim.