«Wer das Spital betreibt, ist eher nebensächlich»

05.03.2026 | Timo Züst

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden muss sparen. Daran ändert auch der Geld- bzw. Goldsegen der Nationalbank nichts. Denn auch wenn es 16.7 Mio. Franken statt der budgetierten 4.2 Mio. Franken von der SNB gibt: Der Kanton rechnet trotzdem mit einem Defizit von 6 Mio. Franken für das laufende Jahr. Eine Steuererhöhung zur Bekämpfung des «strukturellen Defizits» hatte der Kantonsrat im vergangenen Dezember abgelehnt. Das Budget mit einem Spar- bzw. Entlastungsprogramm in der Höhe von 6 Mio. Franken aber gutgeheissen. 2027 sollen es laut Aufgaben- und Finanzplan sogar 9 Mio. Franken sein. In diesem Kontext bereitet dem Regierungsrat ein Thema besonders grosse Sorge: der Spitalverbund (SVAR).

Hinweis: Gestern hat die Berit Klink AG auch ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 veröffentlicht. Das Unternehmen wächst weiter und hat über alle Standorte zwischen 10 und 25 Prozent mehr Patienten behandelt. Die entsprechende Medienmitteilung finden Sie im Zweittext weiter unten.

Die Zukunft des Spitals Herisau ist ungewiss. Der Regierungsrat schlägt eine Anpassung des Spitalverbundgesetztes vor. Damit wäre die Beteiligung Privater möglich. Foto: Archiv

Das Spital Herisau und das Psychiatrische Zentrum schreiben seit Jahren rote Zahlen. Zuletzt war es ein Defizit von 2 Mio. Franken und für 2025 rechnet der zuständige Regierungsrat Yves Noël Balmer ebenfalls mit einem (grossen) Verlust. Dazu kommt: Der SVAR schuldet dem Kanton 50 Mio. Franken in Form eines Darlehens. Und sowohl beim Spital als auch bei der Psychiatrie sind Investitionen nötig – in Höhe von bis zu 200 Mio. Franken. Ein ziemliches Klumpenrisiko also.

Deshalb strebt der Regierungsrat einen Befreiungsschlag an. Er will mit einer Teilrevision des Spitalverbundgesetzes die Grundlage für die Umwandlung des Spitals und des Psychiatrische Zentrums in zwei Aktiengesellschaften schaffen. Unter dem Dach des SVAR. Als AGs hätten Spital und Psychiatrie in Zukunft mehr unternehmerische Freiheit. Zudem wäre Beteiligung bzw. Übernahme durch Private möglich und unter den richtigen Voraussetzungen auch erwünscht.

Einer dieser Privaten Akteure in der Gesundheitsversorgung ist die Berit Klinik AG. Sie betreibt neun Kliniken an sieben Standorten. Der Hauptsitz ist seit 2016 der Neubau auf der Vögelinsegg, aber auch Niederteufen ist Berit-Standort geblieben. An allen sieben Standorten beschäftigt das Unternehmen mittlerweile über 600 Mitarbeitende. Geführt wird die Berit seit 18 Jahren von einem Teufner: Peder Koch. Er weiss, was es bedeutet, eine neue Klinik aufzubauen. Aber auch, was es heisst, ein Spital im Besitz der öffentlichen Hand zu führen bzw. zu übernehmen. Im Jahr 2022 eröffnete die Berit in Wattwil ein «Gesundheits- und Notfallzentrum» (GNZ) – im ehemaligen Spital Wattwil.

Nach der Ankündigung des AR-Regierungsrates hat die TP Peder Koch um einen Interviewtermin gebeten und wurde in sein Büro oberhalb von Speicher eingeladen.

Herr Koch, vor drei Wochen kündigte Regierungsrat Yves Noël Balmer eine Teilrevision des Spitalverbundgesetzes an. Er will die Tür für Private öffnen. Hat Sie diese Ankündigung überrascht?

Nein. Das ist der richtige Weg.

Weil ein Privater Spital und Psychiatrie gewinnbringend betreiben kann?

Für so eine Einschätzung ist es noch zu früh. Ausserdem kenne ich die Gegebenheiten in Herisau zu wenig. Jetzt geht es erstmal darum, die gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit ein «unternehmerisches» Handeln möglich wird. Das ist sicher sinnvoll.

Auch für die Grundversorgung?

Die Grundversorgung muss sichergestellt sein. Ich habe schon immer gesagt, dass der Standort Herisau dafür wichtig ist und darum eine Daseinsberechtigung hat.

Hier kann es vormittags schon mal ziemlich blenden: Berit-CEO Peder Koch auf der Terrasse der Kinik auf der Vögelinsegg. Foto: tiz

Warum ist Herisau so wichtig? Wegen der Topographie?

Nun, was ist denn in den letzten Jahren passiert in der Spitalpolitik? Eine Schliessung nach der anderen. Heiden, Flawil, Rorschach. Immer mit dem Ziel der Zentralisierung. Gleichzeitig hat aber die Nachfrage bei Notfällen zugenommen, was zu den überlasteten Notfallstationen führte. Grösse und Zentralisierung bringen nicht automatisch Qualität. Und auch ein kleinerer Standort kann nachhaltig betrieben werden. Es braucht nur die richtige Strategie.

Ich bekomme jede Woche – und das ist nicht übertrieben – mindestens einen handgeschriebenen Dankesbrief für unser Engagement in Wattwil.

Ich nehme an, eines Ihrer Beispiele dafür wäre Wattwil, wo die Berit seit 2022 ein Gesundheits- und Notfallzentrum betreibt.

Genau. Dort haben wir das gesamte Spital von der Gemeinde gemietet – das sind 10’000 Quadratmeter. Rund 6000 davon nutzen wir selber. Vor allem für den Notfall mit Tagesklinik, OP, Radiologie, Labor etc., der natürlich 365 Tage und 24 Stunden im Jahr offen ist. Die restliche Fläche haben wir an andere Gesundheitsdienstleister untervermietet. Dazu gehören Haus- und Fachärzte, Dialyse-Station, Kinder- und Jugendpsychiatrie oder das Tumorzentrum Ost. So ist dort ein Notfall-Zentrum entstanden, das den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht. Voraussetzung ist eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Hausärzten.

Und wie läuft es?

Sehr gut! Gestartet sind wir im April 2022, also vor bald vier Jahren. Während der ersten drei Geschäftsjahre haben sich die Patientenzahlen im Notfall verdreifacht. Die Nachfrage ist enorm und die Dankbarkeit sehr gross. Ich bekomme jede Woche – und das ist nicht übertrieben – mindestens einen handgeschriebenen Dankesbrief für unser Engagement in Wattwil. Was gibt es Schöneres?

Dankesbriefe und gute Zahlen? Funktioniert Wattwil für euch auch finanziell?

Die Rechnung geht gesamthaft auf. Wir tragen in Wattwil ein grosses unternehmerische Risiko. Der Gemeinde Wattwil zahlen wir über die Miete sämtliche Investitionen inkl. Kapitalzinsen zurück. Ich bin aber besonders stolz darauf, dass wir heute in Wattwil alles so umgesetzt haben, wie ich es an der Informationsveranstaltung der Gemeinde Wattwil Ende 2021 versprochen habe.

Wäre so etwas auch für Herisau denkbar?

Grundsätzlich ja.

Was ist mit der Geburtenabteilung? Das ist ein emotionales Thema. Vor allem nach der Schliessung in Appenzell.

Wir sind auf jeden Fall offen für Gespräche. Ohne die Situation genau zu kennen, finde ich eine Geburtenabteilung sehr wichtig. Dort geht es nicht um «Kranke», dort fängt das Leben an.

Wir sind offen für Gespräche.

Für euch wäre es also auch kein Problem, wenn die Liegenschaft im Besitz des Kantons bliebe?

Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Und zwar nicht per se wegen der Zahlen. Vielmehr geht es darum, dass der Kanton mitinvolviert bleibt. Ausserdem gehört das Spital so weiterhin dem Volk, es «hat» immer noch ein Spital. Wer es betreibt, ist eher nebensächlich. Hauptsache, das Angebot stimmt mit den Patientenbedürfnissen überein.

Und was ist mit den Investitionen? Anders als in Wattwil könnte die Berit in Herisau kein komplett neues Spital übernehmen. Die Ausserrhoder Regierung spricht von Investitionen im dreistelligen Millionenbereich …

Auch hier: Ich kenne die Situation nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es auch anders geht.

Ganz konkret: Hat die Berit Interesse am Spital Herisau?

Wir sind offen für Gespräche.

Was ist mit der Psychiatrie?

Auch hier sind wir offen für Gespräche.

Nun, erst einmal ist da ja jetzt die Politik am Zug. Aber wenn ich schon bei Ihnen bin, würde ich auch gerne Ihre Meinung zum Vorgehen der Regierung in Bezug auf die Spitalliegenschaft Heiden hören. Dass diese dafür einen «Marktwert» erheben will, hat für Kritik gesorgt. Vor allem, weil die Vorderländer Gemeinden die Liegenschaft gerne kaufen würden…

Auch hier finde ich das Vorgehen der Regierung richtig.

Was ist mit der Berit? Hat sie Interesse an der Liegenschaft?

Ich habe mich bis jetzt nicht damit befasst.

Bei uns in der Berit arbeiten über 90 Prozent des Teams am Patienten – schweizweit sind das schätzungsweise 50 Prozent.

Zum Abschluss will ich den Fächer noch etwas auftun: Spitalschliessungen, steigende Krankenkassenprämien, fehlende Hausärzte. Was läuft eigentlich falsch in der Schweizer Gesundheitspolitik? Ich nehme an, Sie als Privatunternehmen würden sich für mehr Privatisierung aussprechen.

Schon heute stemmen Private einen beträchtlichen Teil der Schweizer Gesundheitsversorgung. Und das auch gleich vorneweg: Unsere Versorgung ist nach wie vor sehr gut. Was die steigenden Kosten betrifft… Nun, da wird leider auch viel Polemik betrieben. Da wird dann schnell auf Dänemark oder Holland verwiesen und es werden Vergleiche gemacht, die nicht funktionieren. Äpfel und Birnen. Aber es stimmt schon, dass es Kostentreiber gibt, bei denen man ansetzen kann. Einer, der mich besonders stört, sind die überbordenden Regulatorien und Verwaltungskosten, die nicht dem Patienten zu Gute kommen.

An die haben Sie sich auch als Privater zu halten.

Natürlich! Wir mussten uns beispielsweise ISO-zertifizieren lassen. Das war Vorschrift. Wissen Sie, was die zusätzlichen Regularien uns im 2025 gekostet haben? 1 Mio. Franken. Nutzen für den Patienten? Gleich null. Und das ist nur ein Beispiel. Ein anderes wäre die unglaublich langwierigen Bewilligungsprozeduren beim Bund für Ärzte. Ein Arzt, der über alle nötigen Papiere verfügt, wartet manchmal bis zu einem Jahr auf die Bewilligung vom Bund (MEBEKO). Das ist doch kein Zustand. So bekämpft man den Fachkräftemangel nicht. Kurz gesagt: Bei uns in der Berit arbeiten über 90 Prozent des Teams am Patienten – schweizweit sind das schätzungsweise 50 Prozent. Das ist ein grosses Problem. Ich bin für ein bisschen «back to the roots».

Was denken Sie: Braucht es erst eine Art Mini-Kollaps, bis wir da eine nachhaltige Lösung finden?

Nein. Bei diesem Thema wird oft schwarzgemalt. Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Ausweg finden. Schliesslich gibt es im Markt ja viele gute Beispiele. Diese müssen sich nur durchsetzen.

Berit wächst weiter

CEO und Delegierter des Verwaltungsrates der Berit Klinik Gruppe, Peder Koch, blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück. In einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld konnte das Unternehmen seine Marktposition weiter ausbauen.

Die Anzahl der behandelten Patienten stieg gegenüber dem Vorjahr über alle 7 Standorte hinweg gesehen zwischen 10% und 25%. Die Anzahl der durchgeführten Operationen stieg auf 10’390, was eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 10% entspricht. «Der Schweizer Gesundheitsmarkt und die damit einhergehenden regulatorischen Vorgaben bleiben herausfordernd. Umso mehr freut es uns, dass wir auch 2025 sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich wiederum überzeugen konnten und unser Angebot von immer mehr Patientinnen und Patienten in Anspruch genommen wurde», sagt CEO Peder Koch. Solche Erfolge seien nur dank einer sehr hohen Patientenzufriedenheit möglich, die für die Berit Klinik an oberster Stelle stehe. Die positiven Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten bestätigen die gute Arbeit des ganzen Teams.

Ein wesentlicher Treiber des Erfolgs war die konsequente Umsetzung der Unternehmensstrategie. Eine speziell wachsende Nachfrage verzeichnete die Berit Klinik AG im Bereich der robotergestützten Knieprothesen. In der Knieprothetik hat die Klinik erstmals über 1000 Operationen durchgeführt, und nimmt damit schweizweit die Spitzenposition ein. Im August 2025 eröffnete die Berit Klinik Gruppe das Berit Sportslab in St. Gallen – ein modernes Leistungszentrum für Hobbysportler und Athleten. Mit diesem neuen Angebot stärkt die Gruppe ihre strategische Ausrichtung und bündelt medizinische Kompetenz mit sportwissenschaftlicher Expertise.

Das Geschäftsjahr stand zudem im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums. Im Rahmen dieses Meilensteins präsentierte sich die Berit Klinik AG mit einem umfassenden Rebranding und einem modernisierten Markenauftritt. Ausblick 2026 Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwarten wir eine weiterhin sehr positive Entwicklung. Eine klare strategische Ausrichtung sowie ein motiviertes Team bilden das Fundament auch für den zukünftigen Erfolg. Über die Berit Klinik Gruppe Die Berit Klinik Gruppe betreibt neun Kliniken an sieben Standorten in der Ostschweiz. In Speicher ist sie führend im Bereich Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie mit anschliessender Rehabilitation in Niederteufen.

In Wattwil umfasst das Angebot ein rund um die Uhr geöffnetes Notfallzentrum, eine Tagesklinik, Sprechstunden, Radiologie und ein Labor. Hier wird zudem im Auftrag des Kantons die «Alkoholkurzzeittherapie für Menschen mit Alkoholproblemen» durch die Psychosomatische Abteilung (PSA) der Berit Klinik gemäss der kantonalen Leistungsvereinbarung angeboten. Am Standort Goldach befinden sich die Berit Klinik für Hand- und Periphere Nervenchirurgie, Ophthalmologie und Gastroenterologie sowie Sprechstunden für die Orthopädie, Augenheilkunde und Nasenchirurgie. Die Berit Sportclinic ist eine sportmedizinische Anlaufstelle für Hobby- und Spitzensportler und ist in Speicher, Arbon und Heerbrugg vertreten. Ihr Angebot umfasst Sportmedizinische Sprechstunden, Sportphysiotherapie, Leistungsdiagnostik und die Sport-Gefässmedizin. Geleitet wird die Berit Sportclinic von Dr. med. Hanspeter Betschart, der gleichzeitig Chief Medical Officer von Swiss Olympic ist. Seit 2025 ergänzt das Berit Sportslab in St. Gallen das Angebot im Bereich Athletiktraining.

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