Hinweis: Mehr über die Geschichte des Café Spörri lesen Sie hier.




Es ist Vernissage im Zeughaus. Es erstaunt also nicht, dass der Parkplatz kurz vor 17 Uhr fast voll ist. Was aber überrascht: Einige der Gäste steigen mit einem Kuchen in der Hand aus dem Auto. «Können Sie kurz halten? Ich muss noch den Kofferraum schliessen.» Aber natürlich. Es ist eine Art Cheesecake. Sieht etwas verbrannt aus. «Das ist imfall kein Küchenunfall! Das muss so!» Der kritische Blick wurde offensichtlich registriert. Aber die Bäckerin ist vorbereitet: Sie hat das Rezept von der «NZZ Bellevue» dabei. Die wichtigste Stelle wurde mit Leuchtmarker hervorgehoben: «Ja, diese Torte muss so aussehen. Der Baskische Käsekuchen wird absichtlich verkohlt, damit er eine karamellisierte Kruste hat.»
Heute Abend muss es wohl also ums Backen gehen. Und um Berufsstolz. Das eine beherrschten die Spörris – Jakob (Jacques) mit Frau Emma und sein Sohn Peter mit Frau Helen – hervorragend. Und an Berufsstolz mangelte es ihnen sowieso nicht. Letzteres trifft wohl auch auf den Spörri zu, mit dem man sich an diesem Abend im Zeughaus persönlich unterhalten kann: Hanspeter Spörri. Nur: Er ist nicht Konditor, sondern Journalist geworden. «Normalerweise bin ich nicht nervös, wenn ich an einer Veranstaltung als Moderator auf die Bühne muss. Heute Abend bin ich es», sagt er zur Begrüssung im gut gefüllten Saal im Erdgeschoss. Er steht neben Kuratorin Lilia Glanzmann, die ihm ein paar Fragen zum legendären «Café Spörri» stellt. Gegründet worden war es im Jahr 1932 von Jakob Spörri. «Aber eigentlich nannte er sich ja lieber Jacques, oder Hanspeter?» «Meistens, ja. Ich glaube, es hat ihn an seine Zeit in Frankreich erinnert.» Paris war einer der Orte, an denen der Grossvater sein Konditor-Handwerk perfektioniert hat. Im «Rumpelmayer», wo Coco Chanel ein- und ausgegangen sein soll. «Er war damals ohne Ausweis oder Arbeitsvisum überall auf der Welt unterwegs. Das hat mich schon erstaunt. Aber früher war das für angehende Schweizer Konditoren so üblich», sagt Hanspeter Spörri.


Seine privaten Archive waren für die Erarbeitung der Ausstellung unverzichtbar. Selber, so sagt er später neben der Bühne, hätte er das Buch, das es ab jetzt im Zeughaus zu kaufen gibt, aber nicht schreiben können. «Dafür wäre ich zu nah dran gewesen. Aber es zu lesen, war faszinierend und bewegend. Aus meinen vereinzelten Erinnerungen ist eine Geschichte geworden.» Eine dieser Erinnerungen gibt er auch dem versammelten Publikum zum Besten. Mit seinem ersten Sackgeld habe er am Bahnhofskiosk einen Mohrenkopf gekauft. «Am nächsten Tag wussten das alle: Der kleine Spörri kauft den beim Bahnhof, man stelle sich das mal vor.»






Es ist nur einer von 10’000 Café-Spörri-Momenten, die er erzählen könnte. Genau wie viele der Gäste, die heute Abend hier sind. Zum Beispiel die ehemaligen Mitarbeitenden, die Lilia Glanzmann auch kurz auf die Bühne bittet. Einer von ihnen, Fritz Aebli, hat 31 Jahre in der dortigen Backstube gearbeitet. «Er hat uns sogar einen Margarethen-Kuchen nach Original-Rezept mitgebracht.» Vor dem Dessert steht aber der Hauptgang an: Riz Casimir von der «Trüübli»-Wirtin Heidi Weishaupt. Auch sie hat eine Verbindung zum «Café Spörri» – sie hatte dort einst ihre Lehre absolviert.
Die meisten Gäste zieht es an diesem Abend vor dem Essen aber einen Stock höher – zur Ausstellung. Dort gibt es Relikte aus Back- und Wirtsstube, ausgewählte Fotografien, eine Original-Filmaufnahme vom Spörri-Umbau, viele «Spörri-Momente» und einige erstaunliche Verbindungen zu entdecken. Allzu viel soll hier aber noch nicht verraten werden. Die Ausstellung im Zeughaus ist bis am 20. September offen. Ein Besuch ist wärmstens zu empfehlen. Cheesecake ist dafür nicht zwingend nötig. Aber passend auf jeden Fall.

