
Der Telefon-Termin ist um 10.30 Uhr. Derzeit ist Benjamin Amaru auf Promotour in Deutschland. Punkt halb elf klingelt das Telefon. Ob er immer so pünktlich sei, will die TP-Redaktorin wissen. Die Frage wird mit einem freundlichen Lachen quittiert. «Eigentlich immer, so gut es geht», meint der Musiker. Ähnlich selbstverständlich klingt die Antwort auf die Frage, ob er die Tüüfner Poscht kennt …
Benjamin: Natürlich, die liegt bei uns daheim immer rum. Umso mehr freue ich mich über die Möglichkeit, ein Interview zu geben.
Auf deinem neuen Album dreht sich alles um deine Träume. Kommt in denen auch Teufen oder das Appenzellerland vor?
Klar. Am häufigsten träume ich von meinem Elternhaus in Niederteufen. Und ab und zu kommt auch die Badi vor. Oder der Schulhausplatz. Also Orte mit lustigen und guten Erinnerungen.
Wie oft kommst du noch nach Teufen?
Eigentlich fast jede zweite Woche. Mein Vater lebt immer noch in Niederteufen. Irgendwer ist eigentlich fast immer da. Mich erdet der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Wenn ich mich in der Umgebung von Niederteufen aufhalte, kann ich daraus richtig Energie ziehen.
Mittlerweile lebst du in Zürich und bist oft in Berlin unterwegs.
Genau. Anfang 20 bin ich nach Zürich gezogen. Und die Stadt ist zu einem zweiten Daheim geworden. Inzwischen bin ich also auch dort ganz entspannt unterwegs. Und Berlin ist halt nochmal eine andere Dimension. Da habe ich so viele Möglichkeiten. Ich schätze beides, das ruhige Dorf genauso wie die pulsierende Stadt.
War es die Musik, die dich in die grossen Städte gezogen hat?
Nicht nur. Als ich weggezogen bin, wollte ich einfach Neues entdecken, mehr wissen, etwas über den Tellerrand blicken. Zudem sind viele Freunde von mir nach Zürich gezogen.
Wie stark prägt einen die Heimat, der Ort, wo man herkommt?
Das Umfeld beeinflusst einen schon. Für mich war Niederteufen immer ein guter «Safe Space», ein sicherer Ort, an dem ich mich entfalten kann. Die Einfachheit und Ruhe bieten mir Platz zum Nachdenken. Dadurch konnte ich mich selbst finden. Natürlich prägten mich aber auch Traditionen und Vereine aus meinem Dorf. So wie der FC.
Der FC?
Als Junge habe ich eine Zeit lang Fussball gespielt beim FC Teufen. Sport in einem Verein zu machen, ist in einem Dorf wie Teufen naheliegend. Vor allem wegen des sozialen Aspekts. Viele meiner Freunde waren da, also bin ich auch hingegangen. Mir hat das «tschuttä» Spass gemacht, so richtig Anschluss gefunden habe ich dabei aber nicht. Bei der Musik war das anders.
(Foto: Rouven Niedermaier)

Wann hast du deine Leidenschaft entdeckt?
Als Kind ging ich zum Klavierunterricht. Das habe ich immer genossen. Viele Jahre ging ich hin und hatte aber deswegen noch lange nicht das Gefühl, Musiker werden zu müssen. In der Sek und der Kanti hat es dann irgendwann «Klick» gemacht. In der Musik habe ich die kreative Entfaltung gefunden, die ich mir gewünscht habe.
Manche distanzieren sich von ihrer ländlichen Herkunft, ihren Wurzeln. Besonders, wenn sie in Grossstädten leben. Wie geht es dir damit?
Ich bin dankbar, bin ich an diesem Ort aufgewachsen. Wenn jemand fragt, erzähle ich immer von der Schönheit meiner Heimat. Oder zeige ein Bild vom Säntis. Dass ich hier aufwachsen durfte, ist doch ein grosses Privileg. Davon möchte ich mich nicht entfernen.
Du hast vor Kurzem die Hotelfachschule abgeschlossen. Und bist seit einem guten Jahr Vollzeitmusiker. Wie passt das zusammen?
Diese Frage bekomme ich oft gestellt. Ich sage dann immer: Musik ist meine grosse Leidenschaft. Aber bei Weitem nicht das Einzige, was mich interessiert. Ich habe die Matura gemacht und wollte damit auch etwas anfangen. Die Hotelfachschule in Lausanne bietet eine sehr breite und spannende Ausbildung mit viel Praxisbezug. Zudem gibt es eine solide Ausbildung in Management. Das ist etwas fürs Leben.
Zum Abschluss noch ein paar kurze Fragen: An welches Gericht denkst du zuerst beim Stichwort «Heimat»?
Da denke ich sofort an das persische Gericht Ghormeh Sabzi. Dabei handelt es sich um einen Eintopf mit vielen Kräutern, Bohnen, Kartoffeln und Fleisch. Gegessen wird das dann mit Reis. Im Iran, wo meine Mutter herkommt, ist das ein sehr beliebtes Gericht.
Welcher Ort ist für dich Heimat?
Das ist der, wo meine Familie ist.
Welcher Song?
«Upside Down» von Jack Johnson. In meinem Zimmer in Niederteufen habe ich dieses Lied rauf- und runtergehört. Es macht mich glücklich.
Und die schwierigste: Welchen Geruch verbindest du mit «Heimat»?
Den von gemähtem Gras und Wiese. Das ist doch gar nicht schwierig.