Hinweis: Im unteren Teil des Artikels finden Sie Buchtipps der Jugendlichen aus dem Frühlingseinkauf.





In der Jugendabteilung der Bibliothek steht ein ganzes Regal voller neuer Bücher. «Tipp von der BookCrew» steht auf in die Bücher eingelegten Buchzeichen. Auf manchen klebt bereits ein runder Sticker. Bibliothekarin Erika Bänziger hat die Mini-Marke für die Bibliothek erschaffen. Vor allem aber für die Jugendlichen. «Es ist ein cooles Gefühl, die Bücher zu sehen, die wir selbst ausgewählt haben», sagt eine Jugendliche. Sie sitzt an diesem Nachmittag mit anderen in einer kleinen Runde. Vor genau vier Wochen, am 1. April, ging diese Gruppe – einige fehlen an diesem Nachmittag – zum zweiten Mal einkaufen. 40 Bücher gingen am Ende über den Ladentisch bei Bücher Lüthy in St. Gallen. Alle sorgfältig und basisdemokratisch ausgewählt. «Ihnen war das wichtig», sagt Erika Bänziger. Die neun Jugendlichen haben alle jedem Buch zugestimmt, das jetzt im Regal steht und als «Tipp von der BookCrew» angepriesen wird.
«Es ist ein cooles Gefühl, die Bücher zu sehen, die wir selbst ausgewählt haben.»
Beratung durch die Zielgruppe
Die Auswahl ist vielfältig. Die Jugendlichen haben ausgesucht, was sie selbst anspricht. Aber haben auch versucht, den Geschmack anderer zu treffen. «Mir macht es Spass, mich in die anderen hineinzuversetzen, mir zu überlegen, was sie wohl gerne lesen», sagt Noah. Die Jugendlichen dürfen grundsätzlich alles auswählen. Solange es ins Ressort passt. Dazu sagt Erika Bänziger: «Ganz explizite Sexszenen und harte Gewalt haben hier keinen Platz.» Sie ist stellvertretende Leiterin der Bibliothek und Verantwortliche für das Ressort Jugend und die Schulbibliothek. «Wir sind auch die Schulbibliothek. Alles, was hier in der Jugendabteilung steht, muss auch altersgerecht sein.» Für die Gründung der «BookCrew» hat sie letztes Jahr eine besonders lesefreudige Jugendliche angefragt, Mea Lou. Sie sitz auch im Kreis und sagt: «Ich habe dann ein bisschen rumgefragt und andere motiviert, mitzumachen.» Für Erika Bänziger ist die «BookCrew» eine gute Möglichkeit, ihre Zielgruppe direkt einzubinden. Und: «Sie können mich natürlich auch beraten. Gerade bei Mangas zum Beispiel wissen sie besser Bescheid als ich.» Auch davon sind einige im Einkaufskorb gelandet.

Lesen ist uncool
Irgendwie ist es logisch: Die Jugendlichen der «BookCrew» lesen gerne. Es scheint sie zu beschäftigen, dass das auf viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler nicht zutrifft. «Die Schule frisst sehr viel Zeit, vor allem in der zweiten Oberstufe», sagt Sophia. «Ich verstehe es auch, dass dann nicht alle noch zum Buch greifen, wenn abends endlich mal alles erledigt ist.» Sie beginnen eine Diskussion darüber, warum viele Jugendliche nach der Mittelstufe mehr oder weniger aufhören mit dem Lesen. «Es kommt sicher auch darauf an, was einem vorgelebt wird», vermuten sie. Es sei aber auch nicht ganz einfach, Bücher zu finden, die einem wirklich ansprechen und mit denen man sich identifizieren kann. «Wenn die Protagonistin eines Buches 17 Jahre alt ist, kann ich nicht so viel damit anfangen», meint eine 14-jährige Jugendliche. Besonders in der Jugendliteratur ist es wichtig, sich selbst in den Büchern wiederzuerkennen. Ein weiteres Problem: Lesen gelte teilweise als uncool. «Je nach Kreis», relativieren die Jugendlichen. Sie würden sich alle freuen, wenn einige kommen, um eines «ihrer» neuen Bücher auszuleihen. Und auch bei der «BookCrew» mitmachen, sei eine Chance für alle, die nicht so gerne und oft lesen: «Vielleicht ist es ja auch Motivation. Da gibt es die Gelegenheit, einfach mal selbst auswählen zu können.»
«Wenn die Protagonistin eines Buches 17 Jahre alt ist, kann ich nicht so viel damit anfangen.»
Geld ausgeben für Bücher?
Bezahlt hat den Einkauf vom 1. April die Bibliothek. Erika Bänziger lacht und sagt: «Für das erste halbe Jahr ist mein Budget jetzt ausgereizt.» Stefano grinst und antwortet: «Warum, haben wir übertrieben?» Nein, natürlich hatte Erika Bänziger die Zahlen im Griff. Aber würden die Jugendlichen denn auch selbst Geld für Bücher ausgeben? Die Antworten fallen unterschiedlich aus. «Ich bin immer ausgerüstet mit Gutscheinen. Ab und zu breche ich dann zum Büchershopping mit einer Freundin auf», sagt Sophia. Und Mea Lou meint: «Klar, aber dann wäre ich immer pleite.» Stefano kann bei den Büchern auf seine Eltern zählen: «Das ist Bildung, darum bezahlen sie .» In der Bibliothek können die Bücher von Jugendlichen kostenlos ausgeliehen werden. Ein Grossteil der Errungenschaften der «BookCrew» liegt jetzt schon zu Hause auf Nachttischen von Jugendlichen. Aber leer ist die Bibliothek deswegen noch lange nicht. Und die «BookCrew»-Bücher kommen auch bald wieder zurück ins Regal.



Büchertipps der BookCrew:
Alle Bücher sind unter diesem Link im Bibliothekskatalog zu finden. Die TP hat die Jugendlichen gebeten, je ein Buch kurz vorzustellen, das sie besonders interessiert oder empfehlen. Hier sind die Tipps:

Buchtipp von Sophia, 14: Mo & Moritz (Julya Rabinowich)
«In diesem Buch geht es um einen muslimischen Jungen, der in einem Wiener Theater einen jüdischen Jungen kennenlernt und sich in diesen verliebt. Das ist grundsätzlich schon herausfordernd für die beiden und wird dann noch schwieriger, als der muslimische Junge verdächtigt wird, beim Attentat auf Taylor Swift beteiligt gewesen zu sein. Sie müssen dann um ihre Liebe kämpfen. Rassismus ist ein spannendes Thema, das Buch hat eine gute Dicke und auch der Kontext Stadt Wien spricht mich sehr an.»
Buchtipp von Noah, 14: Hunting Souls (Tina Köpke)
«In diesem Buch geht es um eine junge Frau, die in ihrem Leben nicht so gut zurechtkam und früh gestorben ist. Sie erlebt dann alles aus ihrer Sicht als ‘Untote’. Darum spricht mich dieses Buch an: Es teilt den Blick einer bereits gestorbenen Person auf unser Leben.»


Buchtipp von Stefano, 13: Wissen – das grosse Lexikon in spektakulären Bildern
«Dieses Buch beinhaltet alle möglichen Themen. Forschung, Vergangenheit: Es ist für alle etwas drin. Von der Antike bis zur Robotik, grossartig. Darum habe ich das ausgesucht. Sachbücher haben wir sonst fast keine gekauft.»
Buchtipp von David, 13: Top Secret (Robert Muchamore)
«Ich habe eine Vorliebe für Spezialagenten. Ganz besonders, wenn diese jugendlich sind. Alles, was so im James Bond-Style ist und Action beinhaltet, lese ich total gerne. Das ist der erste Band von ‘Top Secret’ und ich beginne erst damit.»


Buchtipp von Mea Lou, 14: Dann kannst du nicht mehr wegsehen (Jana Fuhrmann)
«Das Hauptthema dieses Buches ist Tierleid. Die Protagonistin hat sich darüber nie gross Gedanken gemacht. Bis sie eine Person kennenlernt, die sich intensiv für die Rechte von Tieren einsetzt. Und dann kann sie eben plötzlich nicht mehr wegsehen. Das Buch ist rosa, aber das können und sollten alle lesen. Gerne auch Jungs.»
Buchtipps von Quentin, 14:
All better now (Neal Shusterman): «Das Buch ist eine Science-Fiction-Dystopie: Es geht um eine Pandemie in der Zukunft. Wer sich mit dem Virus infiziert hat und wieder genesen ist, fühlt sich einfach glücklich und unbeschwert. Mächtige und Reiche finden daran nicht so viel Gefallen und wollen die Ausbreitung verhindern. Protagonisten des Buchs sind die Widersacher dieser Mächtigen.»
Hotel Ambrosia (Katie Kento): «Das Wohnhaus der Protagonistin dieses Buchs steht neben dem Hotel Ambrosia, in dem schon viele Kriminalfälle passiert sind. Aus diesem Grund schaut sie auch immer mal wieder aus dem Fenster, rüber zum Hotel. Eines Tages wird sie dann tatsächlich Zeugin eines Verbrechens und kann nicht einfach untätig bleiben.»
