Andreas Kuster

Erstaunlich, wie viele Leute sich zum Besuch eines Referats über und zum Wohle der Wildbienen mobilisieren lassen. Und die Botschaften der drei Referenten waren deutlich genug. Wildbienen sind die Gradmesser für den Zustand des Lebensraumes, den wir Menschen mit ihnen teilen. Wenn es ihnen gut geht, geht es auch uns gut, und umgekehrt.
Doch für die meisten der beinahe sechshundert einheimischen Wildbienen-Arten sieht es zurzeit nicht gut aus. Ihre Populationen sind zusammengeschrumpft. Viele sind gar vom Aussterben bedroht. Im Saal war man sich einig: Nach Schuldigen zu suchen, wird unsere Wildbienen nicht retten. Was es braucht, sind Taten. Jeder und jede von uns kann im eigenen Einflussbereich sofort etwas tun, was den Wildbienen nützt – ohne komplizierte Anleitung, ohne Geld. Es genügen ein paar Informationen zu ihrer Lebensweise.
Wildbienen mögen Wegränder, Wiesen, Böschungen, Gärten und Balkone mit vielen Blumen, wo immer etwas blüht, Kiesplätze, Stellen mit offener Erde, Ansammlungen von Steinen und Ästen, Weg- und Wiesenränder mit altem Gras – alles ohne Insektizide! Ein Mosaik von Strukturen dieser Art im Abstand von maximal 200 Metern auf dem ganzen Gemeindegebiet ist das definierte Ziel.
Kein Referent konnte die Vielfalt, Schönheit und ausgeklügelte Lebensweise unserer Wildbienen besser erklären und mit eigenen Fotos dokumentieren als der Naturwissenschaftler Jonas Landolt. Er ist Geschäftsführer des Vereins «Natur im Siedlungsraum». Sein Ausflug in die «Wunderbare Welt der Wildbienen» war grossartig. Danach leitete Moderator Alexander Assmus zum Thema «landwirtschaftliche Praxis» über.
Im Publikum sassen auch zahlreiche Kunden und Helfende der angereisten Referenten Paul Manser und Thomas Roth. «Mansers Biohof» und der «Battenhof» sind für viele Teufner die Adressen für umweltschonend produzierte Produkte, direkt vom Hofladen und vom Frischmarkt. Auf diesen Höfen schmiegen sich die Reihen aller denkbaren Gemüsesorten harmonisch an die Hänge. Zwischen Gemüsebeeten und Tunnels sorgen Reihen von Hochstamm-Obstbäumen für kühlenden Schatten im heissen Sommer. Schafe oder extensiv gehaltene Schweine nutzen andere Teile der Flächen. Vieles ist Handarbeit, aber die Arbeit in der schönen Umgebung bringe Freude und Erfüllung. Das bestätigen zahlreiche Helfende.
Ökologie, Kreislaufwirtschaft, Permakultur, Bodengare, Agro-Forst und solidarische Landwirtschaft sind zukunftsweisende Begriffe und Methoden, die auf diesen Betrieben Anwendung finden. Eine Stichprobe aus Pauls Hochstamm-Äpfeln enthielt keine einzige der über zweihundert giftigen Substanzen der Checkliste, nach denen ein Kantonslabor bei Äpfeln suchen muss. Erstaunlich auch, wie zwei landwirtschaftliche Betriebe auf wenig Fläche, teilweise schattigen Lagen auf Teufens oder Niederteufens Höhenlage kostendeckend Gemüse, Obst und Fleisch in dieser Qualität produzieren und selber vermarkten können. Dass hier das Landschaftsbild stimmt und sich auch einheimische Wildtiere aller Art – inklusive Wildbienen – wohlfühlen, haben die beiden Betriebsleiter in aller Bescheidenheit als «Nebenwirkung» dargestellt.
Hinweis: «Teufens Hundert Wildtier-Burgen» ist eine Vision der Aktion für Biodiversität und wird demnächst vorgestellt.