
























Sepp Zurmühle
Haben Sie auch schon einmal von «solidarischer Landwirtschaft» gehört oder gelesen? Am Sonntag, 17. Juli, bei brütender Nachmittagshitze, haben Thomas und Anne viel von sich und ihrem interessanten Hof erzählt und gezeigt. Sie haben uns teilhaben lassen an ihrem Traum vom «etwas anderen Bauernhof». Hier kann der Konsument Bio-Produkte kaufen, staunen und sogar mitwirken, wenn er möchte.
Nächste BiodiversiTAT
Andreas Kuster begrüsst rund 30 Interessierte zur 10. BiodiversiTAT auf dem Battenhof (im Battenhaus 788, an der Strasse Lustmühle – Stein) mit den Worten: «Was wir essen, wie und wo wir einkaufen, wirkt sich auf das Landschaftsbild und die Biodiversität aus. Die Bauern produzieren das, was gekauft wird. Mehr und mehr Konsumentinnen und Konsumenten werden sich dieser Mitverantwortung für unsere (Um)Welt bewusst und suchen nach Alternativen.»
Mut zur Umsetzung in die Realität
Thomas Roth und Anne Rosochatius haben es gewagt. Sie träumen nicht länger davon, sondern seit diesem Jahr setzen sie ihre Ideen für eine andere Form der Landwirtschaft schrittweise um. Und dies nicht irgendwo im fruchtbaren Flachland, sondern bei uns im Dorf, in hügeligem, voralpinem Gelände.
Die Tüüfner Poscht hat in der März-Ausgabe 2022 ausführlich über die beiden Pioniere, ihren Werdegang und ihre Motivationen berichtet.
Thomas Roth ist in Schwellbrunn aufgewachsen und auf dem Hof vor allem für die Bereiche Gemüse und Obst zuständig. «Als Kind war ich viel hier bei meinem Grossvater auf dem Hof. Es bedeutet mir sehr viel, heute auf dem Boden der z.T. mein Grossvater und später mein Götti Sepp Signer bewirtschafteten, arbeiten zu dürfen». Anne erzählt: «Mit den Pachtflächen werden heute rund 30 Hektaren bewirtschaftet. Ein kleiner Waldrandstreifen gehört dazu. Im Moment bauen wir Gemüse auf einer halben Hektare an. Wenn möglich würden wir die Gemüseanbau-Fläche bis auf 2 ha ausdehnen. Der Rest ist Grünland und dient dem Futterbau und als Weideland für die 160 Mutterschafe mit ihren Lämmern». Für den Bereich Tierhaltung ist vor allem Anne Rosochatius, gebürtige Berlinerin, zuständig. Sie wird uns ihr Reich gegen Ende des Hofrundganges präsentieren.
Mehr Abos als erwartet
«Wir haben am Anfang mit 5-10 Abo-Verkäufen gerechnet. Im Mai waren es bereits 20, jetzt sind wir bei 45 und nach den Sommerferien werden es 65 sein. Das hätten wir so nie erwartet. Umso mehr freut es uns natürlich», meinen beide bescheiden. «Diese Vermarktungsform sichert uns Produzenten eine Grundfinanzierung. Der Konsument engagiert sich damit für die Umsetzung einer nachhaltigen Form der Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung. Wir unsererseits setzen uns mit bestem Wissen und Gewissen für die Förderung von Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität ein und achten auf den schonenden Umgang mit den Ressourcen».
Der Kunde bekommt geliefert oder holt ab Hof, entweder wöchentlich oder alle 14 Tage, ein Gemüse-Packet oder er kauft ein Jahres-Genuss-Abo. Auch das Fleisch von halben oder ganzen Lämmern kann bezogen werden. «Als Konsument/in verzichtet man dabei auf die Wahlfreiheit zu Gunsten einer Produzentensicherheit. Man muss keine Poschti-Liste mehr machen, dafür sind höhere Kreativität und Improvisationsfähigkeit beim Kochen und Zubereiten gefragt».
Solidarische Landwirtschaft
«Wir haben für unseren Hof bewusst die vorgängig beschriebene Vermarktung via Abonnemente gewählt und eine Personengesellschaft gegründet, weil wir überzeugt sind, dass wir gemeinsam besser sind und mehr erreichen können. Wir möchten auch unsere Kundinnen und Kunden in die Prozesse einbinden und sie teilhaben lassen an der Weiterentwicklung unsers Hofes. Je mehr Menschen sich konstruktiv einbringen, desto vielfältigere und fundiertere Lösungen können entstehen», sind beide überzeugt.
Mehrmals pro Jahr finden auf dem Battenhof Aktionstage und Anlässe statt. Das kann vom Kürbissuppenessen über Pflanz- und Erntetage, bis zu Bohnensupplement pflücken oder Obstbaumschneiden gehen.
Im Austausch
Auf dem Rundgang sehen wir, wie trocken es im Moment ist und mit wieviel Aufwand bewässert werden muss. Angesprochen darauf berichten die Jungunternehmer von ihren langen Arbeitstagen. «Von 7 bis 7 war unser Ziel und jeden zweiten Sonntag frei. Das können wir im Moment nicht einhalten und auch heute gelingt es uns nicht…», scherzt Thomas. Gleichzeitig sind beide noch je zwei Tage an ihren vorherigen Arbeitsplätzen tätig, um das finanzielle Risiko zu reduzieren.
Es wird viel «gefachsimpelt» unterwegs. Das Interesse an den vielen Gemüsen, die gegenwärtig wachsen, ist gross. Wir lernen, dass die Tomaten vermehrt Früchte ansetzen, wenn das vegetative Wachstum durch zeitweilige Trockenhaltung verlangsamt wird und wenn zusätzlich dafür gesorgt wird, dass der Wind die Blüten bestäuben kann.
Generell erstaunen die südexponierten Hanglagen. Bei den unbeheizten Folientunnels erlauben sie eine gewünschte Kaminwirkung bezüglich Luftzirkulation. Andererseits sind diese Hangflächen oftmals zusätzlich geschützt vor kalten Winden durch oben liegende Waldpartien und ermöglichen ein vorteilhaftes Mikroklima für den Gemüseanbau auf 800 m. ü. Meer.
50 junge Hochstamm-Obstbäume haben die beiden Jungunternehmer im ersten Jahr gepflanzt und zwar so, dass sie einerseits, mit den bestehenden Hecken und Waldrändern ein zusammenhängendes Ökosystem bilden werden und andererseits künftig einen «Etagenanbau» erlauben: unten Gemüse oder Gras, oben Früchte. «Bei immer heisserem Sommerwetter kann der Schattenwurf allenfalls vorteilhaft sein. Das wird sich in der Zukunft zeigen».
Auch bei den Schafen ist das Interesse gross. Anne lockt sie für einen kurzen Moment unter dem Schatten der Bäume hervor, bevor alle schnell wieder den schützenden Baumschatten aufsuchen. «Ohne Hochstammbäume» könnten wir die Schafe hier nicht halten oder müssten ein Dach bauen». Die Mutterschafe gehören zur ProSpecieRara geschützten Rasse der Spiegelschafe. «Diese werden mit einem fleischstarken Widder gekreuzt. Damit profitieren die Lämmer von der Robustheit und hohen Milchleistung ihrer Mütter. Gleichzeitig können die Konsumentinnen und Konsumenten mehr Fleisch am Knochen geniessen».
Der Hofbesuch sollte eine Stunde dauern. Nun endet er nach 2.5 Stunden mit leckeren Gemüse-Dips und Teufner Süssmost von Andreas Kuster. Es war ein überaus interessanter und spannender Nachmittag, der sogar die Sommerhitze vergessen liess.
Weitere Informationen zum Hof und den Abo-Möglichkeiten finden Sie auf der Homepage www.battenhof.ch oder über den direkten Kontakt via Telefon 077 414 98 08.