Bea Weiler, im Moment einzige Frau im Teufner Gemeinderat, liess das Publikum in einem kleinen Referat Einblick nehmen in den Alltag einer Gemeinderätin. Anstatt direkt mit dem Vortrag zu beginnen, startete sie den Abend mit einer Vorstellungsrunde. Dadurch machte sie das Publikum vom ersten Moment an zum Gesprächspartner. Manche Frauen waren aus Neugier gekommen, andere mit konkreten Fragen und ein paar mit eigenen politischen Erfahrungen.
Im Vortrag sprach die Schulpräsidentin über den Aufwand, die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen eines Amtes im Gemeinderat. Sie zeigte auf, wie sich der zeitliche Aufwand verteilt und welche Eigenschaften gefordert sind: Neugier, Offenheit, Teamfähigkeit, klare Kommunikation, Führungswille. Und sie machte klar, dass man ins Amt gewählt wird, nicht in ein Ressort. Diesmal stehen drei Ressorts zur Wahl: Bildung, Finanzen und Baubewilligung.
Die anwesenden Frauen durften Bea Weiler jederzeit mit Fragen unterbrechen und es entspann sich ein ungezwungenes Gespräch.
Wie gross ist der Aufwand für ein Gemeinderatsmandat?
Im Ressort Bildung etwa 30 Prozent. Beim Bau etwas mehr, bei den anderen Ressorts etwas weniger.
Gibt es freie Wochenenden?
Wenige. Vor- und Nachbereitung von Sitzungen sind zeitintensiv. Das Vorprotokoll einer Gemeinderatssitzung kann gut und gerne 70 Seiten umfassen, ohne die Beilagen zu den einzelnen Traktanden. Dazu kommen Kommissionssitzungen und andere Anlässe.

Wie ist es, mit lauter Männern zusammenzuarbeiten?
Spannend. Man muss die Kommunikation anpassen. Es wird aber auch geschätzt, wenn eine Frau andere Blickwinkel einbringt.
Was war deine Motivation, in die Politik einzusteigen?
Ein konkretes Beispiel: bei meinem Eintritt in die Schulkommission 2007 habe ich angeregt, Schulsozialarbeit in Teufen einzuführen. Im Jahr 2019 war es dann so weit. Politik ist langsam, es braucht einen langen Atem.
In der Zeitung liest man immer wieder, dass Behördenmitglieder angefeindet werden. Erlebst du das auch?
Eher weniger. Es gibt Leute, die nicht mehr grüssen, hie und da ein Mail mit Kritik oder einer Anregung. Aber politische Entscheidungen erzeugen oft auch Gegenwind. Harmoniesüchtig sollte man nicht sein.
Was empfindest du als schwierig in deinem Amt?
Das Amt tangiert die Privatsphäre mehr als gedacht und der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen.

Was ist schön?
Man lernt sehr viel und hat Einblick in unterschiedlichste Themen.
Was müsste anders sein, damit mehr Frauen in die Politik gehen?
Diese alles entscheidende Frage konnte auch an diesem Abend nicht beantwortet werden. Das Publikum war sich aber einig: Abende wie diesen braucht es! Wenn Frauen Gelegenheit haben, in einem sicheren Rahmen Fragen zu stellen und Erfahrungen auszutauschen, kann das Hürden abbauen und vielleicht die eine oder andere Frau ermutigen, sich aufs politische Parkett zu wagen. Wenn nicht diesmal, dann vielleicht in vier Jahren?
Bea Weilers Schlusswort: Seid selbstbewusst und traut euch. Man wächst ins Amt hinein und muss nicht alles schon können. Nehmt euch Pippi Langstrumpfs Wahlspruch zu Herzen: «Das habe ich noch nie gemacht, das kann ich sicher!»
Interessiert?
Wer sich für eines der vakanten Ämter zur Verfügung stellen möchte, meldet sich beim Präsidenten der Findungskommission marco@sutterle.ch.
Die parteiübergreifende Gruppe ist Ansprechpartnerin für Interessierte. Sie organisiert am 29. November eine Gesprächsrunde mit allen Kandidaten und Kandidatinnen im Pfarreizentrum Stofel. Die Abgabe der Wahlzettel muss bis zum 20. Januar geschehen, der erste Wahlgang findet am 4. April statt.