Mehr Laub, weniger Nadeln

27.08.2026 | Timo Züst

Der offizielle Amtsantritt von Donato Rainolter als Forstamt-Leiter jährt sich am 1. November. Davor absolvierte der 25-Jährige sein Praktikum im Rahmen der Ausbildung zum Förster HF hier. Er hat also bereits rund eineinhalb Jahre Erfahrung in den Teufner Wäldern. Die vergangenen Monate waren dabei besonders herausfordernd. Trockenheit und Hitze setzte nicht nur den Forstwarten zu – sie belastete auch die Bäume. Wie geht es unseren Wäldern jetzt? Und was braucht es für die Zukunft? Die TP hat Donato Rainolter diese Fragen bei einem Glas Wasser – Kaffee trinkt er keinen – gestellt.

Kommen wir gleich zum Kern der Sache: Wie geht es unseren Wäldern?

Wir hatten gerade «Förster-Report». Dort treffen sich die Förster aus der ganzen Region und tauschen sich aus. Dabei wurde mir klar: Bei uns ist es noch nicht annährend so dramatisch wie zum Beispiel im Rheintal oder im Thurgau. Klar, auch bei uns fällt bei der einen oder anderen Buche das Laub jetzt schon. Aber das sind Einzelfälle.

Buchen brauchen demnach eher viel Wasser?

Eher, ja. Buchen haben eine geringe Stresstoleranz gegen Trockenheit und nicht so tiefe Wurzeln um das Wasser im Boden zu erreichen.

Und sonst hat die Trockenheit keine grösseren Schäden angerichtet?

Bei uns bis jetzt noch nicht. Ich habe die eine oder andere Weisstanne gesehen, die von oben her verdorrt ist. Aber das ist alles. Noch ist es zu früh um abzuschätzen, wie sich die Lage entwickelt.

Kommt so eine im nächsten Jahr wieder?

Vermutlich eher nicht. Bei den Buchen sieht es anders aus. Die werden sich ziemlich sicher erholen. Allerdings nur, wenn es der Winter und der kommende Frühling gut mit ihnen meinen.

Das bedeutet?

Es braucht einfach Niederschlag. Also einen Winter mit genug Schnee und einen nassen Frühling. Falls sich die Trockenheit aber noch weiterzieht, wird es kritisch.

So eine Trockenperiode schwächt Bäume ja ganz generell. Wie steht es um Schäden durch Sturm oder Käfer?

Diesbezüglich hatten wir Glück – das haben mir auch die anderen Förster bestätigt. Besonders Borkenkäfer waren heuer sehr wenige unterwegs. Zum Glück. In diesen Konditionen hätten sie sich nämlich sehr gut vermehren und massive Schäden anrichten können.

Und was ist mit Stürmen?

Es gab zwar einige Sturmschäden. Aber nichts Aussergewöhnliches.

Welche Baumarten leiden besonders unter der Trockenheit?

Unter Trockenheit leiden besonders Flachwurzler. Wie zum Beispiel Fichte, Tanne oder Buche.

Und welche kommen damit gut klar?

Die idealen Baumarten wären eigentlich klimafitte Baumarten wie zum Beispiel die Eiche, der Spitz- und Feldahorn oder die Linde. Sie kommen mit Hitze und Trockenheit ebenso gut zurecht wie mit Nässe und Kälte. Deshalb pflanzen wir diese Arten auch schon seit Jahren immer wieder. Föhren, Lärchen oder Douglasien sind ebenfalls ziemlich robust – auch bei Sturm. Ihre Wurzeln gehen tief und verleihen den Bäumen grosse Stabilität.

Wie setzen sich die Wälder bei uns heute zusammen?

Die Nadelbäume sind in Teufen nach wie vor in der Überzahl. Ich schätze, sie machen insgesamt rund 60 Prozent aller Bäume aus. Das meiste davon sind Fichten und Tannen.

Der Rest?

Vor allem Buche, aber auch Ahorn, einzelne Eichen und Linden. Und ein paar verbliebene Eschen.

Wie gehen Sie beim Pflanzen von Eichen vor?

Wir kombinieren das fast immer mit einem Holzschlag. Dabei ermitteln wir, ob der Standort für eine Eiche passend ist. Da hilft uns die öffentliche «TreeApp». Darauf ist jede Waldparzelle der Schweiz verzeichnet – inklusive der vorhandenen und geeigneten Baumarten.

Braucht eine junge Eiche nach dem Pflanzen besondere Pflege?

Man muss ihr anfangs schon ein bisschen Sorge tragen, ja. Da sie viel Sonnenlicht benötigt, schneiden wir den Bereich um eine frisch gepflanzte Eiche während der ersten Jahre regelmässig frei. Insbesondere, wenn es viele Brombeeren hat.

Aber ausgewachsen sind sie dann ziemlich robust?

Sehr. Und sie werden auch richtig alt. Eine Eiche kann gut 200 bis 300 Jahre alt werden. Ausserdem sind sie ökologisch wichtig und ihr Holz hat einen sehr hohen Wert.

Wo steht eigentlich die grösste Eiche unserer Gemeinde?

Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Im Gebiet Sommerhütte steht sicher eine ziemlich stolze …

Zurück zur Trockenheit: Inwiefern müssen wir unsere Wälder für solche Phasen rüsten?

Das kommt darauf an, wie häufig wir in Zukunft mit solchen Extremwetterlagen konfrontiert sind. Klar ist: Tendenziell werden es mehr. Das bedeutet auch, dass wir versuchen müssen, in unseren Wäldern einen möglichst gute Baumart-Mischung zu erreichen. Konkret heisst das: Weniger Nadelbäume, mehr Laub.

Ein Wald lässt sich aber nicht von heute auf morgen «umbauen». Werden wir schnell genug sein?

Das ist die grosse Frage. Wir planen beim Wald eher auf 100 Jahre hinaus. Wenn sich diese Trockenheit in den nächsten fünf Jahren wiederholt, wäre die ehrliche Antwort: Nein. Dann hätten wir massive Schäden zu beklagen. Aber, solange solche Jahre die Ausnahme bleiben und die Abstände dazwischen einfach kürzer werden, können wir den Wechsel zu einem klima-angepassten Wald durchaus rechtzeitig schaffen. Das Dauerwald-Prinzip hilft uns dabei auch.

Das bedeutet?

Bei dieser Art von Bewirtschaftung macht man keine klassischen «Kahlschläge», sondern lässt auch immer einige Bäume stehen.

Das klingt aufwändig.

Ja, das ist ein bisschen aufwändiger und teurer. Dafür ist der Aufforstungsaufwand deutlich kleiner und der Wald bleibt gesünder. Ganz generell ist eine etwas kürzere «Umtriebszeit» bei vielen Förstern im Gespräch. Das bedeutet, dass man die Bäume etwas früher nutzt bzw. fällt. So lässt sich einerseits der Altholzbestand etwas reduzieren – und man kann früher auf die Artenverteilung im Wald eingreifen.

Gibt es aus Förster-Sicht eine Art «Vorzeigewald» in Teufen?

Am ehesten wäre das der Steineggwald oder im Jonenwatt. Die Baumarten-Mischung dort ist ziemlich gut und wir pflegen dort schon länger das Dauerwald-Prinzip.

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