Leidenschaftliche Knacknüsse

22.07.2026 | Timo Züst

Stefan Bondeli kreiert seit seiner Kindheit schon Wort- und Zahl-Knobeleien. Publiziert wurden sie in einer Jugendzeitung, im schweizweiten Radio, in der «NZZ am Sonntag» und für eine Weile auch in der Tüüfner Poscht. Was fasziniert ihn so am Knobeln?

Stefan Bondeli lebt in Niederteufen und beschäftigt sich auch heute noch leidenschaftlich gerne mit Rätsel-Aufgaben. Foto: tiz

Angefangen hat alles im zweiten Stock eines Bauernhauses im beschaulichen Dorf Jens (BE). Dort, über Stefan Bondeli, den drei Geschwistern und den Eltern, lebte die Grossmutter. «Heute würde man das als Mehrgenerationenhaus bezeichnen. Für uns war das einfach normal.» Sein Vater hatte ihn jeweils nach oben geschickt. «Damit das Grosi nicht so allein ist.» Natürlich gehorchte der 9-jährige Stefan. Oben bei der Grossmutter gab es aber wenig zu tun. «Ich dachte dann an die Kreuzworträtsel, die meine Mutter immer gelöst hat. Und fing selber mit Knobeleien an.» Allerdings war er schon in diesem Alter ziemlich ambitioniert. Statt bestehende Rätsel zu lösen, suchte er sich aus dem Kreuzworträtsel- Wörterbuch der Mutter gleichlange Begriffe heraus, und konstruierte daraus sogenannte «Magische Quadrate». Das steht für ein Wortgitter, in dem die Wörter vom gleichen Startfeld aus jeweils sowohl waagerecht als auch senkrecht zu finden sind.

Mit diesen kleinen Vokabular- Denkaufgaben startete Stefan Bondelis jahrzehntelange Rätsel-Karriere – und er verdiente damit auch sein erstes Geld. «Es gab damals eine Zeitschrift namens Schweizer Jugend, die pro publiziertes Rätsel 5 Franken bezahlte. So verdiente ich mir mein Sackgeld.» Einige Jahre später – Stefan Bondeli hatte inzwischen das Lehrerseminar absolviert, eineinhalb Jahre als Primarlehrer gearbeitet und studierte nun Mathematik in Zürich – wechselten seine Rätsel das Medium. «Im Radio gab es damals die ‚Musikbox‘, die schweizweit gehört wurde. Ein Kreuzworträtsel war während der Sendung zu lösen, wobei die Fragen mit Musik- oder Sprechausschnitten gestellt wurden. Das Kreuzworträtsel konnte man vorgängig einschicken. » Natürlich tat Bondeli das. Seine Vorschläge wurden auch immer wieder ausgestrahlt. «Einen Fünfliber gab es dafür zwar nicht. Aber immerhin wurde erwähnt, wer das Rätsel entworfen hat.»

Mein Rhythmus war immer gleich: am Sonntag Ideen ausbrüten, am Montagabend ausformulieren, am Dienstag abschicken. Das hat immer funktioniert, ohne Ausnahme.

Dank seinen vielen Einsendungen wurde er schliesslich vom Radio sogar angefragt, ob er nicht eine tägliche «Knacknuss» entwerfen könne. Das konnte er. Und tat er während der nächsten sieben Jahre. Dabei musste er aber auch einsehen, dass sich gewisse Denkaufgaben nicht allzu gut für die Erklärung im Radio eignen. «Ich erinnere mich, wie ich in einer Telefonzelle stand und der zuständigen Moderatorin eine Lösung ewig zu erklären versuchte. Natürlich unter ständigem ‚Nachschoppen‘ von Münzen.» Dabei ging es um Fragen wie: Wenn ich eine Schnur enganliegend um einen Fussball lege und sie anschliessend um einen Meter verlängere, steht sie rund um den Fussball knapp 16 Zentimeter ab. Was würde passieren, wenn ich das gleiche mit einer Schnur um den ganze Erdäquator machen würde? Also sie um nur einen Meter verlängere? «Die Antwort ist: Das gleiche. Sie stünde auf den ganzen 40‘000 Kilometern 16 Zentimer ab. Aber erklären Sie das mal am Radio», sagt Stefan Bondeli schmunzelnd.

Nach sieben Jahren, vielen Minuten in der Telefonzelle vor der ETH – dort machte er seinen Doktortitel in wissenschaftlichem Rechnen – hörte er mit den Radio-Knacknüssen auf. Nächste Rätselstation war die «NZZ». Beruflich zog es Stefan Bondeli nach den vier Jahren an der ETH zu den Banken. Die erste Stelle war bei einer Grossbank, später wechselte er zu einer Privatbank. Dort arbeitete er als Assistent der Geschäftsleitung und absolvierte berufsbegleitend die Ausbildung zum Finanzanalyst und Vermögensverwalter. Als er danach einige gute Kunden gewinnen konnte, schickte ihn die Geschäftsleitung «an die Front» als Kundenberater. «Da gefiel es mir. Diesen Job machte ich dann bis zur Pensionierung.» Die Beratung von Kunden aus zeitweise elf verschiedenen Ländern war aber nicht seine einzige Aufgabe: In seiner Freizeit baute er Rätsel für die «NZZ am Sonntag». Über 15 Jahre lang lieferte er jede Woche eine halbe Seite ab – oft auch mehr. «Mein Rhythmus war immer gleich: am Sonntag Ideen ausbrüten, am Montagabend ausformulieren, am Dienstag abschicken. Das hat immer funktioniert, ohne Ausnahme.»

Um die Jahrtausendwende entwarf Stefan Bondeli übrigens auch schon einmal während etwas mehr als zwei Jahren Rätsel für die Tüüfner Poscht. Die Verbindung zu Teufen bildete sein inzwischen verstorbener Lebenspartner Georg Heussi, der hier das Haus seiner Tante übernommen hatte. Zu Beginn der Coronapandemie zog Stefan Bondeli dann auch nach Niederteufen – um näher beim deutlich älteren Georg zu sein. Inzwischen baut er nicht mehr regelmässig neue Rätsel, aber: «Die Arbeit an der Beilage für diese Tüüfner Poscht hat mir doch grossen Spass gemacht.» Seine Lieblingsrätsel – sagt Stefan Bondeli nach kurzem Überlegen – habe er aber für sein Buch «Denkakrobatik am Sonntag» entworfen. Und was für Rätsel löst er eigentlich selber am liebsten? «Früher fast keine. Heute mache ich ab und zu gerne ein Sudoku. Aber ich muss zugeben: Meine Qualitätsansprüche sind schon ziemlich hoch.» tiz

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