
«Ich will einfach erzählen, wie ich das erlebt habe. Und die Möglichkeit für einen direkten Austausch bieten», hatte Edgar Bischof im Vorfeld gesagt. Genau so gestaltete er den Vormittag im «Kafi Blumi» dann auch. Frei von der Leber weg erzählte der SVP-Nationalrat von seiner ersten Sommersession. Dabei legte er den Fokus nicht per se auf die fast 160 Abtimmungen, bei denen einige durchaus heikle Dossiers behandelt wurden. Backout-Initiative, AHV-Finanzierung oder Mercosur-Freihandelsabkommen wären drei Beispiele.
«Es gibt durchaus Druckversuche – bei allen Fraktionen. Aber das muss man aushalten können.»
Vielmehr beschrieb er seine persönlichen Erfahrungen und skizzierte auch einen «normalen» Sessionstag: «Ich habe versucht, pro Tag an drei zusätzlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Eingeladen wird man natürlich zu viel mehr. Die erste war jeweils um 7 Uhr mit Frühstück. Dann Sitzungsbeginn, von 13 bis 15 Mittagspause mit einem Anlass, dann wieder Sitzung bis 19 Uhr. Nachher wieder ein Anlass. Zurück im ‘Bären’ war ich jeweils erst nach 22 Uhr. Und natürlich wollte da dann meistens noch jemand ein Bierchen trinken und etwas besprechen. Allzu viel Schlaf gibt es also nicht.» Trotz der Intensität beschreibt er seine Erfahrung grundsätzlich als positiv. «Ich wurde sehr freundlich empfangen und die Stimmung im Rat ist wirklich sehr kollegial.» Aber: Wenn es um eine Entscheidung geht, kann es schonmal anders klingen. «Es gibt durchaus Druckversuche – bei allen Fraktionen. Aber das muss man aushalten können.» Vor allem dann, wenn man, wie Bischof, ab und zu nicht auf Parteilinie abstimmt.
Nach einer guten halben Stunde öffnete Edgar Bischof die Runde für Fragen und beantwortete diese auch bereitwillig. Dabei ging es unter anderem um sein persönliches Fitness-Regime, rumänische Diebesbanden, das Ende der Demokratie, Meinungsverschiedenheiten mit der FDP, Verjährungsfristen und Siegelung elektronischer Gegenstände oder seine persönlichen «Highs» und «Lows» dieser Session. Auf Letzteres antwortete er: «Ich finde es gut, dass wir beim Thema Atomenergie einen Schritt in Richtung mehr Offenheit gemacht haben. Wer weiss, ob wir je wieder ein Atomkraftwerk bauen. Aber wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir technologischen Neuerungen gegenüber offenbleiben. Nicht gut finde ich die Lösung für die AHV-Finanzierung. Das ist halt eben keine echte Lösung, sondern nur ein Aufschieben der Problematik – und eine Verlagerung auf die Jungen.»
Hinweis: In der Abstimmungsdatenbank des Nationalrates können Sie alle Abstimmungen nachschlagen.