
30 Grad, 31 Grad, 31 Grad, dann gar 32 Grad: Die Maximaltemperaturen für Teufen in der App von «MeteoSwiss» lassen wenig Hoffnung auf Abkühlung. Es ist und bleibt heiss. Und trocken. Grund dafür ist ein sogenanntes Omega-Hoch. Das meteorologische Phänomen beschreibt die Situation, wenn ein Hochdruckgebiet von zwei Tiefdruckgebieten flankiert und sozusagen «eingeklemmt» wird. In ihrer Form ähnelt diese Wetterlage auf der Nordhalbkugel dem griechischen Grossbuchstaben Omega. Daher der Name. Die Wirkung davon: sehr stabile und langanhaltende Wetterlagen im Hochdruckgebiet. Im Sommer in Form von Hitze und Dürre, im Winter generiert das Omega-Hoch Tiefsttemperaturen und Kältewellen. In den Tiefdruckgebieten hingegen führt die Omega-Lage jahreszeitenunabhängig zu ergiebigen Niederschlägen und teilweise auch Unwettern. Von Letzterem kann Europa derzeit nur träumen. Natur, Tiere und Menschen macht die Hitze zu schaffen.
«Im Moment haben wir nur noch 20 Prozent eigenes Wasser.»
Auch Thomas Oehri beschäftigt anhaltende Trockenheit und Hitze. Allerdings sind seine Sorgen etwas anderer Natur, als diejenigen derer, die einfach die nächste Badi oder Gelateria suchen. Als Leiter der Wasserversorgung ist er dafür verantwortlich, dass Teufen jederzeit genügend Wasser zur Verfügung steht. «Im Moment befinden wir uns in einer Ausnahmesituation», sagt er am Telefon. «Jetzt ist es so trocken, dass wir wirklich sehr tiefe Bestände beim eigenen Wasser haben.» Mit «eigenem Wasser» meint er jenes, das aus Teufner Quellen stammt. «Im Moment haben wir nur noch 20 Prozent eigenes Wasser.» Thomas Oehri bezeichnet das als «noch nicht historisch», aber auf jeden Fall als «bemerkenswerter Tiefpunkt». Sichergestellt ist die Wasserversorgung aber trotzdem. Denn Teufen verfügt nebst den eigenen Quellen über zwei weitere Standbeine, wenn es um den Bezug von Wasser geht. Über die Regionale Wasserversorgung St. Gallen (RWSG) kann Teufen auch Wasser aus dem Bodensee beziehen. Wasser von der Innerrhoder Gätteriquelle kommt über die Regionale Wasserversorgung Appenzeller Mittelland (RWAM) nach Teufen. «Ich möchte keinen Appell aussprechen. Aber es ist jetzt wichtig, Wasser bewusst und in Massen zu nutzen.»
«Es ist jetzt wichtig, Wasser bewusst und in Massen zu nutzen.»
Auch wenn genügend Wasser vorhanden ist. Eine gewisse Anspannung verspürt Thomas Oehri trotzdem: «Die Anlagen sind beansprucht. Jetzt hoffe ich vor allem, dass es keinen Rohrbruch gibt.» Diesen Mai hatte er sein 10-jähriges Jubiläum als Leiter der Wasserversorgung. Eine extreme Hitzewelle erlebte er während dieser Dekade noch keine. Aber davor. Eine vergleichbare Situation gab es zuletzt 2003. Thomas Oehri war damals bereits bei der Wasserversorgung tätig. «Wasser ist wohl das erfrischendste Element, das uns den heissen Sommer zum Erlebnis werden lässt», stand damals auf der Front der TP. Die Tüüfner Poscht widmete ihre damalige Juli/August-Ausgabe dem Thema Wasser. Von plagender Hitze war aber kaum die Rede. Dafür von spassiger Abkühlung beim Höchfall oder in der Badi. Damit die Grundwasserpegel sich wieder normalisieren, braucht es einiges an Regen. Thomas Oehri überlegt kurz. Und sagt dann: «Eine bis zwei Wochen Regen bräuchte es wohl.» Und: «Am besten nicht alles am Stück.» Denn die Böden sind jetzt so hart und trocken, dass eine grosse Menge Wasser gar nicht versickern könnte.

