Die Wanderung startet im Dörfchen Zuckenriet an der Kantonsgrenze zum Thurgau. Die Anreise erfolgt mit dem Zug via St.Gallen nach Uzwil. Von dort geht es weiter mit dem Postauto, Linie 728. 80 Minuten später gibt Wanderleiterin Mägi Koller erste Informationen unter einem grossen Baum am «Ueli Rotachweg» beim Dorfschulhaus.
Ueli Rotach im Fürstenland?
Zuckenriet wird zwischen 782 und 894 in zwölf Urkunden, vor allem in Schenkungen an das Kloster St.Gallen, als «Zuckinreod oder Riet des Zucko» erwähnt. Das nördlich vom Dorf gelegene Schloss Zuckenriet (11./12. Jahrhundert) weist auf eine geschichtliche Bedeutung des Ortes hin.








Die Region und das Schloss wurden 1407 gar von den Appenzellern erobert. Dies ist vermutlich auch der Grund der Wegbezeichnung. Ueli Rotach ist ein Appenzeller Volksheld, der laut einer Sage 1405 bei der Schlacht am Stooss gefallen ist. Er soll, gemäss Jahrzeitbuch von Appenzell (1566), vor einer brennenden Scheune noch fast ein Dutzend Gegner erschlagen haben, bevor er selbst in den Flammen umkam. Am 26. Juni 1905 wurde das heutige Bronze-Relief «Uli Rotach kämpft vor der brennenden Hütte gegen den Feind», an der roten Fassade des Rathauses in Appenzell, eingeweiht.
Die Bezeichnung «Alte Landschaft» für das Gebiet zwischen Rorschach und Wil SG erschien erstmals 1580 in Urkunden. Der Begriff Fürstenland für dasselbe Gebiet ist erst ab dem 18. Jahrhundert nachzuweisen und lehnt sich an die fürstliche Stellung der Äbte des Klosters St. Gallen an.
Heute hat Zuckenriet rund 1200 Einwohnende. Bereits 1803 (vor mehr als 220 Jahren) wurde Zuckenriet mit Niederhelfenschwil und Lenggenwil zur politischen Gemeinde Niederhelfenschwil vereinigt (heute würde man sagen, fusioniert). Dank der 1876 gegründeten Dorfkorporation bewahrte Zuckenriet eine gewisse Eigenständigkeit.
Gelobter Baumschatten
Durch abwechslungsreiche Feld-, Wald- und Wiesenwege führt die Wanderung via Büelwald, Eggetsbüel und Grabenwisen nach Niederhelfenschwil. Schon jetzt sind die gut 20 Teilnehmenden froh um jeden Meter der unter kühlenden Bäumen oder im Schatten von Häusern hindurchführt. Die Temperaturunterschiede zwischen Schatten und Sonne sind bereits jetzt eindrücklich zu spüren und es ist noch nicht einmal Mittag. Umso wichtiger sind die kurzen Trinkhalte.








Die Frische der nah an Niederhelfenschwil vorbeifliessenden Thur bleibt unbemerkt. In einem Bogen führt der Wanderweg via Istelberg zum Waldgebiet Hohrain. Hier, im Schatten des Waldes, kann die Gruppe durchatmen. Wanderleiterin Mägi Koller beschliesst, das Mittagessen bereits beim ersten schattigen Picknickplatz der Korporation Niederhelfenschwil einzunehmen. Sie befürchtet, dass es am ursprünglich geplanten Platz, ca. 15 Minuten weiter entfernt, Klassen auf Schulreise haben könnte.
Winkelhütte Hohrain
Gestärkt geht die Wanderung durch den Waldweg weiter. Schon bald erreicht die Gruppe die bemerkenswerte, zweistöckige Winkelhütte. Entgegen den Befürchtungen ist sie heute menschenleer. Hier kann sowohl unten wie oben und rund um die Hütte gepicknickt werden. Grössere und kleinere Ausflüglerinnen finden etwas «zum Spielen». So auch einige unserer Teilnehmenden.












Die genial konstruierte Hütte wurde im Juli 2011 von fünf Personen innerhalb von nur drei Wochen errichtet. Entstanden ist sie im Rahmen der Sendung «die Hüttenbauer» von SRF Schweiz aktuell. Das Projekt stand im Zusammenhang mit dem «Uno-Jahr des Waldes». Während des Baus waren Nachhaltigkeit und das Leben im Umgang mit dem Wald wichtige Themen. So entstand zusätzlich ein Waldlehrpfad rund um die Winkelhütte mit ca. 60 bezeichneten Pflanzen.
Getrennte Wege
Weiter Richtung Ebersol ist in der Ferne das Kloster St. Gallenberg, das zu Glattbrugg gehört, zu erspähen. Die Thur führt erneut nah daran vorbei, aber heute vermissen wir die Frische des Wassers. Dorfbrunnen hat es auch nicht viele. Gut beraten waren jene, die genügend Getränke dabei hatten. Via Staubhusen führt der Weg am schönen Geissberg vorbei, dem Chlosterwald entlang bis zum Raum Tobelwisen. Hier sollte ein Wasserfall vom Felsen «tosen». Doch die Felsen blieben staubtrocken. Stattdessen: Treppen runter, Treppen hoch und wieder runter und es tropft einzig von den Stirnen der Teilnehmenden.













Die einen entscheiden sich für die kürzere 8 Kilometer-Wanderung und stechen ab hier durchs schattige Gelände hinunter zum Dorf Sonnental, das sich heute alle Ehre gibt. Sie kehren in Gossau ein und geniessen die Erfrischung.

Die Wagemutigen (oder Unvernünftigen) wandern eine Stunde weiter via Unterhueb, Taasel und Zuzwiler Riet nach Zuzwil. Kurz vor Schluss muss gar eine Schuhsole behelfsmässig mit einer Schnur repariert werden. Vom Riet und dem Biber will niemand mehr etwas wissen. Alle haben nur ein Ziel: möglichst schadlos bis zum Dorf Kafi Zuzwil. Dort ein Bier, einen Möhlsaft, einfach etwas Flüssiges und kühlenden Schatten… Von allem gibt es reichlich und die Wanderwelt ist schon bald wieder in Ordnung. Mitte Juni ist kaum jemand an solch hohe Temperaturen gewohnt. Vielleicht muss man sie in Zukunft vermehrt einplanen?