Die stille Spenderin

01.05.2026 | Timo Züst

Kultur ist – wie fast alles – nicht gratis. Die Kosten allein sind aber nicht das eigentliche Problem. Sondern die Tatsache, dass sich mit Kultur in vielen Fällen kaum oder nur wenig Geld verdienen lässt. Das bedeutet auch: Kulturschaffende sind ständig auf Geldsuche. Fündig werden sie an verschiedenen Orten: bei Privatpersonen, Stiftungen und der öffentlichen Hand. Auch die Gemeinde Teufen ist eine grosszügige Kulturförderin. Diese Förderung hat aber auch ihre Tücken.

Das Humorfestival „Teufen lacht“ wurde im vergangenen Jahr von Kanton und Gemeinde unterstützt. Foto: Archiv

Was ist Kunst? Und was sind Kunst und Kultur wert? Zwei Fragen, die wir nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch als Gemeinschaft beantworten müssen. Denn es gibt zwar Kunstwerke, die auf dem freien Markt horrende Summen wert sind. Aber dabei handelt es sich um sehr seltene Ausnahmen. Und häufig – wie im Falle von da Vincis «Salvator Mundi», das 2017 für 450 Mio. US-Dollar den Besitzer wechselte – profitiert der Schöpfer kaum von diesen Transaktionen. Im Grossen und Ganzen gilt für Kunst und Kultur eher der Grundsatz: deutlich höhere Kosten als Einnahmen. Da kommt dann wieder die Gemeinschaft ins Spiel. Sie hat entschieden, dass die Kultur aufgrund ihres gesellschaftlichen Nutzens förderungswürdig ist. Diese Funktion erfüllen gleich mehrere Institutionen – private und öffentlich-rechtliche.

Im kantonalen Verzeichnis sind zwar 84 Stiftungen aufgeführt – aber nur eine Handvoll davon verstehen sich als «klassische» Kulturförder-Stiftungen.

«Das Fundraising ist eine der ewigen Aufgaben als Kunstschaffende. Das gehört einfach dazu.» Lilia Glanzmann kennt sich aus in der Kulturbranche. Als Kuratorin des Zeughauses Teufen ist sie selbst immer wieder auf Geldsuche. Sie hat auch schon häufiger in einer Jury mitentschieden, wer Geld bekommt. Und wer eben nicht. «Man ist sich dabei natürlich bewusst, was für ein Gewicht diese Entscheidung hat und versucht sie entsprechend sorgfältig zu fällen.» Egal, ob Stiftung, Bund, Kanton oder Gemeinde: Fast immer ist es ein Gremium, das über die Vergabe entscheidet. Wobei die Stiftungen durch ihren Zweck bereits vorselektieren. Im kantonalen Verzeichnis sind zwar 84 Stiftungen aufgeführt – aber nur eine Handvoll davon verstehen sich als «klassische» Kulturförder-Stiftungen. Viele haben einen sehr spezifischen Zweck, wie die H. Sturzenegger-Stiftung (Förderung Spitex Rotbachtal) oder die Stiftung Roth-Haus (Schule Roth-Haus). Trotzdem: «Stiftungen spielen in der Kulturförderung eine wichtige Rolle. Und wir können uns diesbezüglich sicher nicht beklagen: Es gibt wirklich einige», sagt Lilia Glanzmann. Aber sie sagt auch: Die ersten und wichtigsten Anlaufstellen sind Kanton und Gemeinden.

Die Qual der Wahl

Beim Überfliegen des Budgets könnte man auf die Idee kommen, Teufen spare auch auf einen da Vinci. Für «Kultur, Sport und Freizeit, Kirche» erwartet die Gemeinde im laufenden Jahr nämlich Ausgaben von knapp 2.6 Mio. Franken. Allzu viel Kunst wird dafür aber nicht eingekauft – das zeigt die Aufschlüsselung einige Seiten weiter unten. Der Mammutanteil entfällt auf den Sport (1.3 Mio.) und die Freizeit (582’000 Franken). Dazu kommen die Leistungsvereinbarungen mit Bibliothek (219’000) und Tüüfner Poscht (190’000) Franken. Was bleibt, sind 75’000 Franken für Museen und bildende Kunst, 40’000 Franken für Denkmalpflege und Heimatschutz – und 121’000 Franken für die Übrige Kultur. Dazu gehören auch die 50’000 Franken, die die Kulturkommission jährlich für Veranstaltungen und Projekte sprechen kann. «Wobei die effektiven Beträge natürlich variieren», schreibt Gemeinderat Samuel Fischer vom Ressort Jugend, Freizeit und Kultur.

Was bleibt, ist die Frage, welche Projekte Geld erhalten haben.

Diese effektiven Beträge herauszufinden, ist indes gar nicht so einfach. Im entsprechenden Kapitel des Jahresberichts wird nur spärlich informiert. Während die Anzahl der behandelten Gesuche zwar immer erwähnt wird, fehlt für die Jahre 2022 und 2023 die gesprochene Gesamtsumme. Immerhin legt die Gemeinde offen, dass im Jahr 2024 total 23’800 Franken für 16 Gesuche und 2025 für 15 Gesuchsteller insgesamt 34’150 Franken ausgegeben wurden. Wieso diese Inkonsistenz bei der Transparenz? «Diese Unterschiede sind tatsächlich nicht ideal und hängen damit zusammen, dass die Berichterstattung durch die Jahre nicht immer einheitlich gehandhabt wurde», schreibt Fischer. In Zukunft sollen die Zahlen wieder durchgehend publiziert werden. Und er liefert auch gleich die Gesamtbeträge für 2022 und 2023 nach: 35’000 respektive 48’250 Franken. Was bleibt, ist die Frage, welche Projekte Geld erhalten haben.

Ist Transparenz förderlich oder schädlich?

Szenenwechsel: Im «Obacht Kultur», dem Kulturblatt des Kantons, werden die gesprochenen Kulturgelder in jeder Ausgabe detailliert aufgelistet. Das trägt dann jeweils den Titel «Direktbeschlüsse des Departements Bildung und Kultur». Die Liste im letzten Magazin enthielt gesprochene Gelder im Zeitraum vom 29. März bis 22. September 2025 – heuer ist noch kein «Obacht» erschienen. In ebendieser Liste finden sich auch Teufner Namen. So kaufte der Kanton beispielsweise 17 Fotografien von Thomas Stüssi aus der Serie «Pericenter» für 6600 Franken, unterstützte das Humorfestival von «Compagnie Pas des Deux» auf dem Zeughausplatz mit 2700 Franken und sprach Defizitgarantien für die Erstaufführung von «Brahms & Michel» über 1100 Franken und eine über je 1000 Franken für die szenische Lesung «Iphigenie und Thoas» und das Konzert «Obrigado Brasil!». Anders gesagt: Der Kanton ist in Bezug auf seine Kulturförderung – mindestens in diesem Bereich – ganz schön transparent.

Warum findet sich im Jahresbericht der Gemeinde Teufen keine vergleichbare Liste? Dazu wieder Gemeinderat Samuel Fischer: «Auf kommunaler Ebene gewichten wir den Schutz der Gesuchstellenden aktuell höher als eine vollständige Offenlegung.» Warum dieser Schutz nötig sein soll, bleibt bei dieser Erklärung offen. Auch eine Umfrage bei lokalen Kulturschaffenden zeigt: Die Publikation einer gesprochenen Förderung stört niemanden, «und die abgelehnten Gesuche werden ja auch nicht veröffentlicht». Immerhin: Auf Nachfrage erhält die TP die Liste der 15 im vergangenen Jahr von der Kulturkommission bewilligten Gesuche – allerdings ohne dazugehörige Beträge. Die gesprochenen 34’150 Franken gingen an folgende Projekte: DAS TRIO, «Klangzauber der Belle Époque»; Kinderfasnacht Teufen; Oratorienchor St. Gallen; Verein Olin – Ausstellung «Zwischenzeit»; Kulturfestival St. Gallen; Aufgetischt, St. Gallen; Panorama Dance Theater «Songs about us»; RONDOM Konzerttour; Compagnie Pas de Deux – Teufen lacht; Stefan Baumann, «Obrigado Brasil»; Oddly Assorted, BBQ, Blues, Soul-Event; Benjamin Amaru, Nostalgia Tour 9052; Aufführung «In der Dämmerung wächst ein Flüstern»; Appenzeller Kammerchororchester; Teilbetrag Appenzeller Bachtage.

In eigener Sache

Auch der Verein Tüüfner Poscht durfte bereits mehrmals von der Unterstützung der Kulturkommission (KuKo) profitieren. Zuletzt für die Erarbeitung der Ausstellung (noch offen bis Mitte Juni) zum 30-jährigen Jubiläum der Tüüfner Poscht. Dafür sprach die KuKo einen Beitrag von 3000 Franken. Dafür danken wir herzlich!

Auch die Lienhard-Stiftung hat die Ausstellung mit einem namhaften Betrag unterstützt und damit zur erfolgreichen Umsetzung beigetragen. Ebenfalls herzlichen Dank!

Top-Artikel

Top-Artikel

Anzeige

Anzeige

gif_häckseldienst

Nächste Veranstaltungen

Freitag, 01.05.2026

Seniorissimo: Morgekafi mit Dr. med. Elvira Boschmann

Freitag, 01.05.2026

Auftakt Jubiläumslotterie «30 Jahre Ludothek» im Mai

Aktuelles

×
× Event Bild

×
×

Durchsuchen Sie unsere 7893 Artikel

Wetterprognose Gemeinde Teufen

HEUTE

01.05.26 13:0001.05.26 14:0001.05.26 15:0001.05.26 16:0001.05.26 17:00
17.4°C18.1°C18.6°C18.5°C18.5°C
WettericonWettericonWettericonWettericonWettericon

MORGEN

02.05.26 05:0002.05.26 09:0002.05.26 12:0002.05.26 15:0002.05.26 20:00
9.3°C17.3°C20°C21.4°C16.3°C
WettericonWettericonWettericonWettericonWettericon

Anmeldung Newsletter

Spannende Themen und aktuelle Veranstaltungen direkt ins Postfach!

Nach Ihrer Anmeldung bekommen Sie einmal pro Woche ausgewählte Lese- und Veranstaltungstipps aus unserer Redaktion.