
Beide sind in einem Fischerdorf an der türkischen Schwarzmeerküste aufgewachsen. Sabri als ältester Sohn eines Seemanns, der auf internationalen Gewässern unterwegs und selten zuhause war. Von seinen fünf jüngeren Schwestern sind zwei gestorben, eine lebt in den Niederlanden. Funda war die Erstgeborene des damaligen Dorflehrers und ging mit einer Schwester von Sabri in die gleiche Schulklasse. Sie hat zwei jüngere Brüder. Einer lebt in Deutschland.
Mit 18 Jahren
Ende der 1970er-Jahre ist die politische Situation in der Türkei instabil und von Unruhen, Terror und einer grossen Wirtschaftskrise geprägt. Sabri ist im ersten Semester in angewandter Wissenschaft und Technik, als der Familienrat zusammenkommt. Seine Tante (Vaters Schwester) arbeitete damals schon einige Jahre im Behindertenheim Ebenezer in Teufen.
Sie fragte ihren Chef und dieser meinte: «Ja, er soll nur kommen!» Und so steigt der 18-jährige Sabri am 25. Mai 1979 ins Flugzeug Richtung Schweiz. Bereits am zweiten Tag habe er als «Mädchen für alles» in der Stiftung Waldheim (für Menschen mit schweren Behinderungen) in Walzenhausen begonnen; dies ohne jegliche Deutschkenntnisse. Bis heute sei er dem Heimleiter-Ehepaar Gasser dankbar dafür, dass sie ihn so gut aufgenommen und ihm abends Deutschunterricht erteilt hatten. Nach drei Monaten sei dann auch sein Heimweh langsam verschwunden.
Mit 24 Jahren
Am 1. August 1993 (14 Jahre nach Sabri) findet auch Funda den Weg in die Schweiz. «Zuvor haben wir am Silvestertag 1992, um 16 Uhr, anlässlich eines Weihnachtsaufenthalts von Sabri, geheiratet», meint Funda verschmitzt. «Wir kennen uns eigentlich schon immer.» Konnte Sabri doch von seinem Balkon aus den Hof des Elternhauses von Funda überblicken, wo das acht Jahre jüngere Mädchen oft mit seinen Schwestern spielte und sie alle praktisch zusammen aufgewachsen sind. Nach ihrer Ausbildung arbeitet Funda in der Türkei als Handarbeitslehrerin in umliegenden Dörfern und bildet während vier Jahren, jeweils 18- bis 55-Jährige, hauptsächlich im Fach Sticken aus.
Die Arbeit
Sabri Alan kommt 1981 zur Firma Tisca in Bühler und ab 1986 arbeitet er als Fahrer im Muldendienst bei Fitzi Transporte Gais. Später wechselt er ins Kieswerk Stein zu Eisenhut. Dort ist er 21 Jahre mit dem LKW unterwegs, bis das Unternehmen seine Tore schliesst. Ende 2010 beginnt Sabri seine letzte Arbeitsstelle vor seiner Frühpensionierung im Oktober 2024 in der Strafanstalt Gmünden. Unter anderem ist er auch hier unterwegs, beispielsweise mit Brennholz-Lieferungen. Durch seine beruflichen Tätigkeiten kennt Sabri Alan die lokale Geographie und die Menschen besser als viele Einheimische.
Funda Alan lernt zuerst in der Migros Klubschule Deutsch und findet 1995 im damaligen Heim Ebenezer eine Anstellung in der Hauswirtschaft. Sie bleibt der Stiftung Waldheim 27 Jahre lang treu und arbeitet später im neuen 29Heim Schönenbüel in der Hauswirtschaft und als stellvertretende Köchin. «2022 beschloss ich, mich pensionieren zu lassen. Ich habe genug gearbeitet.»
Die Familie
1996 und 1999 kommen Tochter Selin und Sohn Emre zur Welt. Damals wohnt die junge Familie an der Zeughausstrasse in Teufen und später in der Methodistischen Kirche, neben dem Kindergarten, der Schule und dem Arbeitsplatz von Funda.
2006 kann die Familie ihr Einfamilienhaus an der Rütihofstrasse in Niederteufen kaufen. Die Kinder gehen fortan hier zur Schule und sind heute der grosse Stolz der eingewanderten Eltern. Tochter Selin arbeitet nach ihrem Studium an der Uni Bern als Psychologin in Winterthur. Sohn Emre studierte an der Medizinischen Fakultät der Universität Bern und arbeitet derzeit in der Allgemeinchirurgie im Spital Chur. Im Mai 2026 wird er ans Inselspital nach Bern wechseln.
Seit 1999 ist die ganze Familie eingebürgert. Alle sind Doppelbürger zum Ursprungsland. «Wir fühlen uns hier wohl, die Schweiz ist unsere jetzige Heimat und wir werden auf jeden Fall hier bleiben. In die Türkei fliegen wir mehrmals im Jahr, vor allem solange ein Teil unserer Eltern noch lebt.»
Speziell Sabri ist politisch und gesellschaftlich interessiert und beteiligt sich aktiv an demokratischen Prozessen. Auch das Wandern gehört zu seinen Hobbys. Funda liebt es zurückgezogen, hört gerne Musik und liebt das Kochen. Sie geniessen sowohl Schweizer Gerichte als auch viele türkische Spezialitäten. Das Wichtigste: Beide Kinder von Funda und Sabri Alan entfalten ihre Talente mitten in der Schweizer Gesellschaft.