«Ich wollte proaktiv informieren»

19.02.2026 | Timo Züst

Am Mittwochabend verkündete Gemeindepräsident Reto Altherr, dass er 2027 nicht mehr antreten wird. Die TP fragt: Warum nicht?

Hinweis: Die offizielle Pressemitteilung finden Sie im Kasten unten.

Gemeindepräsident Reto Altherr verkündet während der Infoveranstaltung vom Mittwochabend im Lindensaal: „Ich trete 2027 nicht mehr an.“ Foto: tiz

Erst will ich kurz zurückschauen: Inzwischen ist Ihre erste Kandidatur als Teufner Gemeindepräsident fast zehn Jahre her. Warum entschieden Sie sich dafür?

Ja, das war im Frühsommer 2016. Damals hatte ich schon 38 Jahre lang bei der Bank gearbeitet. Die Vakanz des Gemeindepräsidiums brachte mich zum Nachdenken. Und ich kam zum Schluss, dass, wenn ich noch einmal etwas Neues machen will, dies der richtige Zeitpunkt ist. Ausserdem hat Teufen wegen meiner Verwurzelung hier natürlich ideal gepasst. Woanders hätte ich mir das nicht vorstellen können.

Wenn man «etwas Neues» anfängt, hat man immer eine gewisse Idee davon, was einen erwartet. Lagen Sie mit Ihrer von diesem Amt richtig?

In etwa, ja. Ich hatte natürlich den Vorteil, dass ich wegen meiner Erfahrungen aus Kantonsrat und Finanzkommission bereits eine ziemlich genaue Vorstellung von der kommunalen und kantonalen Politik hatte. Ich wusste schon vor meinem Start, wie die Arbeit im Gemeindehaus in ungefähr aussieht.

In Ihrer Medienmitteilung steht, die Entscheidung zum Nichtwieder-Antritt sei Ihnen nicht leicht gefallen. Warum?

Weil das ein faszinierendes Amt ist. Die Arbeit in der Verwaltung, die Zusammenarbeit im Gemeinderat, die vielen Begegnungen, der Kontakt mit der Bevölkerung, die spannenden Projekte – die Liste liesse sich problemlos verlängern.

Sie hätten sich also auch vorstellen können, im nächsten Jahr mit 67 noch weiterzumachen?

Nun, Freude und Faszination an dieser Aufgabe sind unverändert. Aber bei so einer Entscheidung darf man die zeitliche Komponente nicht ausser Acht lassen. Man wird nicht jünger. Und Ich musste mich ehrlich fragen: Kann ich meine aktuelle «Pace» noch eine weitere Legislatur aufrechterhalten? Dieses Amt ist sehr intensiv.

Sie gelten aber auch als eine Art «Workaholic». Und ich sehe selber ja, wie früh das Licht in Ihrem Büro jeweils angeht und wie spät es noch brennt. Geht das als Gemeindepräsident von Teufen einfach nicht anders?

Abstriche kann man immer machen. Wenn man sich auf die reine Büroarbeit konzentriert, wäre das Amt sicher auch mit etwas weniger Aufwand bewältigbar. Aber für mich ist das keine Option. Für mich war immer klar, dass man mit der Bevölkerung in Kontakt stehen muss, um zu spüren, was im Dorf wirklich vor sich geht. Und dazu gehört auch der Besuch von öffentlichen Veranstaltungen – ausserhalb des Büros (lacht).

Ihre Amtszeit dauert noch bis Frühsommer 2027. In diese Zeit wird aller Voraussicht auch die Abstimmung über den Tunnel-Kredit fallen. Ich nehme an, das passt für Sie ganz gut …

Das ist auf jeden Fall passend, ja. Das Dossier Ortsdurchfahrt hatte während meiner Amtszeit – und wird das auch im kommenden Jahr – den allergrössten Anteil an meiner Arbeitszeit. Es ist deshalb nur fair, dass ich die Vorarbeit für diesen Grundsatzentscheid nicht einfach meiner Nachfolge überlasse.

Ganz salopp gefragt: Geht es Teufen heute besser oder schlechter als vor zehn Jahren?

(Macht eine Pause). Diese Beurteilung möchte ich den Teufnerinnen und Teufnern überlassen. Was ist sage kann: Wir sind als Gemeinde gut aufgestellt für die Herausforderungen der Zukunft.

Und da gibt es ja einige: Umsetzung der Ortsdurfahrt, andere kommunale Projekte, Kantons- und Bundesfinanzen, Verkehrsplanung, geopolitische Verwerfungen und so weiter …

Absolut. Aber das ist auch sehr spannend für meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger.

Mit Ihrer Mitteilung haben Sie natürlich die Suche nach ebendieser Person lanciert. Ich nehme an, das war ausschlaggebend für die frühe Info?

Ich bin überzeugt, dass eine gute Nachfolge gefunden wird. Natürlich wäre dies auch etwas später möglich gewesen. Aber ich wollte einfach proaktiv informieren. Dann herrscht Klarheit.

Das bedeutet für Sie auch: Es gibt noch sehr viel zu tun, bis Sie Ihren Ruhestand erreichen. Tut das der Motivation keinen Abbruch?

Überhaupt nicht. Mir ist völlig bewusst, dass das Jahr 2026 eines der intensivsten meiner gesamten Amtszeit sein wird. Ich bin und bleibe bis im Mai 2027 Gemeindepräsident – mit der genau gleichen Motivation und dem genau gleichen Engagement.

Medienmitteilung der Gemeinde

Gemeindepräsident Reto Altherr wird im Frühjahr 2027 nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Nach etwas mehr als zehnjähriger Amtszeit ist für den 66-jährigen Reto Altherr der Zeitpunkt gekommen, die Amtsgeschäfte nach Ablauf der Legislatur weiterzugeben.

Reto Altherr darf auf eine überaus befriedigende und beglückende Zeit als Gemeindepräsident zurückblicken. Tatkräftig unterstützt durch seine Gemeinderatskolleginnen und -kollegen und eine effiziente Verwaltung durfte er mithelfen, Teufen als attraktive Gemeinde mit höchster Lebensqualität weiterzuentwickeln.

Die bevorzugte Lage von Teufen im Appenzeller Hügelland mit der Nähe zu den Zentren wie auch zum Alpstein, inmitten einer wunderbaren Landschaft und verbunden mit einer zeitgemässen Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr sind ideale Grundvoraussetzungen. Eine moderne Infrastruktur, die laufend weiterentwickelt wird, unter anderem der Erschliessung des gesamten Gemeindegebietes mit Glasfaserkabel, dem Neubau von Schulanlagen, dem Anschluss an die Abwasserreinigungsanlage ARA Au und dem Verkehrswesen trägt dazu bei, die Attraktivität von Teufen als Wohn- und Arbeitsort weiter zu steigern. Dazu zählen bürgernahe Dienstleistungen für Jung und Alt, von der Schule bis zu den sozialen Einrichtungen. Die regionale und kantonale Position von Teufen galt es zu fördern und festigen. Dies unter Wahrung der finanziellen Stabilität und Nachhaltigkeit der Gemeinde.

Ein besonderes Anliegen von Reto Altherr war die Förderung von Teufen als Ort, wo man lebt und sich zu Hause fühlt. Die aktive Unterstützung der vielfältigen Vereinslandschaft in Teufen nimmt dabei eine sehr wichtige Rolle ein. Für Teufen bezeichnend ist, wie Moderne und Tradition zusammenfliessen und ein einzigartiges Miteinander bilden. Teufen ist nicht nur der Ort, wo man gerne lebt, Teufen ist Heimat.

Leicht gefallen ist Reto Altherr der Entscheid, nicht mehr anzutreten, nicht. Es ist eine Freude und Ehre für die Gemeinde Teufen tätig sein zu dürfen. Die Funktion als Gemeindepräsident fasziniert unverändert. Es sind dies die vielen persönlichen Kontakte, die kollegiale Zusammenarbeit im Gemeinderat und mit der Verwaltung, wie auch das breite Aufgabengebiet mit spannenden Herausforderungen. Auf der anderen Seite gilt es auch der altersmässigen Realität ins Auge zu schauen, welche das hohe zeitliche Engagement für eine weitere vierjährige Amtsperiode zunehmend schwieriger werden lässt. Der Beginn der neuen Legislatur ist daher der richtige Zeitpunkt. Die Gemeinde Teufen ist gut aufgestellt und für die Heraus-forderungen der kommenden Jahre gewappnet.

Mit der frühzeitigen Kommunikation soll den Parteien und Gruppierungen genügend Zeit für eine Nachfolgeregelung mit geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten geboten wer-den. Gleichzeitig endet damit auch das Präsidium der Gemeindepräsidienkonferenz Appenzell A.Rh.

Bis zum Wahltermin 2027 stehen noch einige grosse Geschäfte an. Allen voran der Entscheid über die Ortsdurchfahrt Ende 2026 oder anfangs 2027. Die Vorbereitung der Abstimmung erfordert hohe Aufmerksamkeit und wird mit aller Kraft vorangetrieben. Es ist unser höchster Anspruch, den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern beide Varianten mit ihren Vor- und Nachteilen bzw. Auswirkungen im Edikt umfassend und transparent darzulegen und damit die notwendige Entscheidungsgrundlage zu bieten. gk

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