Zweigleisige Strategie

18.12.2020 | Timo Züst
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Regierungsrat Dölf Biasotto zieht ein Zwischenfazit. Auf der Leinwand hinter ihm ist BAV-Vizedirektorin Anna Barbara Remund zu sehen – sie war live zugeschaltet. Fotos: tiz

Heute lud die Projektoberleitung der Ortsdurchfahrt (ODT) zur ersten Medienkonferenz seit der Absage der Abstimmung im August. Dieses Mal richteten sich aber nicht nur Appenzeller Bahnen (AB), Gemeinde und Kanton an die Presse – auch das Bundesamt für Verkehr (BAV) war live zugeschaltet. Fazit: Es braucht eine Doppelspur. Aber auch weitere Abklärungen.

Für einmal fand die Medienkonferenz nicht im Teufner Ratssaal, sondern in Herisau statt. In einem Sitzungszimmer neben den Büros der Appenzeller Bahnen. Das Wort ergriffen Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen, Dölf Biasotto, Regierungsrat und Vorsteher Dep. Bau und Volkswirtschaft und Gemeindepräsident Reto Altherr. Auch Anna Barbara Remund war zu sehen und zu hören. Die Vizedirektorin des BAV war per Live-Chat zugeschaltet – ein Novum in de ODT-Kommunikation. Was folgt, ist eine Zusammenfassung des Gesagten. Sie orientiert sich an der sinnvollen Gliederung der Pressekonferenz (Kurzversion im Kasten).

Hinweis: Weitere Informationen und die externen Gutachten finden Sie auf  «Zukunft Teufen».

In aller Kürze



  • Wie bereits im August bezog sich die Projektoberleitung auf das nationale Angebotskonzept 2035. Damit verändert sich im «ÖV-Knoten St. Gallen» einiges. Das hat Einfluss auf das AB-Netz. Die wichtigen IC-Anschlüsse können laut AB nur garantiert werden, wenn im Raum Teufen eine Doppelspurlösung geschaffen wird.

  • Die Analyse auf Basis des Angebotskonzepts 2035 der AB wurden in den vergangenen Monaten von zwei externen Gutachtern geprüft: vom Ingenieurbüro Rapp Trans AG und einem Senior Consultant (Berater) der Rhätischen Bahn. Beide kommen zum Schluss: eine Doppelspur ist zwingend.

  • Die Situation in Teufen und der Ausbauschritt 2035 haben das BAV dazu veranlasst, eine Korridorstudie des AB-Netzes durchzuführen. Das bedeutet: Das BAV nimmt in Zusammenarbeit mit den AB Infrastruktur, Rollmaterial, Anschlüsse und Fahrplanplanung der Linie Trogen – St. Gallen – Appenzell unter die Lupe. Daraus soll bis Mitte 2021 eine verbindliche Empfehlung für den Ausbau des AB-Netztes resultieren. Teil davon ist auch die Doppelspur-Frage.

  • Zusätzlich zu den bereits getroffenen Abklärungen haben die AB eine Machbarkeitsstudie für einen Doppelspurtunnel in Teufen in Auftrag gegeben. Ziel ist, herauszufinden, ob so ein Bauwerk überhaupt realisierbar wäre und falls ja eine grobe Kostenschätzung zu erarbeiten. Die Ergebnisse sollen im nächsten Halbjahr vorliegen.

  • Der Kanton will den Kreisel beim Bahnhof Teufen nach wie vor so schnell wie möglich umsetzten. Das Plangenehmigungsverfahren läuft deshalb weiter. Ziel ist, die Baubewilligung im Laufe des nächsten Jahres zu erhalten. Gebaut werden soll im 2022.


Zwei Gleise bestätigt


Die Botschaft der Projektoberleitung vom 12. August hatte es in sich: Aufgrund der im Jahr 2035 anstehenden Anpassungen beim ÖV-Knoten St. Gallen (Angebotskonzept 2035) brauchen die AB in Teufen eine Doppelpur. Ohne diese zweigleisige Lösung können die IC-Anschlüsse in St. Gallen nicht garantiert werden. Die Folge: Die geplante Abstimmung über einen Projektierungskredit für einen einspurigen Tunnel wurde abgesagt. «Diese Schlussfolgerungen haben wir nun von zwei externen Spezialisten prüfen lassen», sagte AB-Direktor Thomas Baumgartner heute. Dabei handelt es sich einerseits um das auf Mobilität, Verkehr und Transport fokussierte Ingenieurbüro Rapp Trans AG. «Es gibt nur ganz wenige Schweizer Büros, die das hierfür nötige Fachwissen mitbringen.» Und andererseits um die Rhätische Bahn (RhB) bzw. einen ihrer erfahrensten Berater. «Die RhB ist die grösste Meterbahn in der Schweiz und hat viel Erfahrung mit dem Bau von doppelspurigen Lösungen. Deshalb haben sie sich als Prüfer sehr gut geeignet», sagt Thomas Baumgartner.

Sowohl Rapp Trans als auch RhB kommen zum Schluss: Die Einschätzung der Appenzeller Bahnen ist korrekt. Für die sinnvolle Umsetzung des Angebotskonzepts 2035 braucht es in Teufen eine Doppelspur.

BAV prüft AB-Netz


Per Live-Chat meldete sich Anna Barbara Remund zu Wort. Sie ist Vizedirektorin des Bundesamts für Verkehr (BAV). «Wir sind zum Schluss gekommen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Korridorstudie der Linie Trogen – St. Gallen – Appenzell ist.» Bei einer Korridorstudie handelt es sich um eine Untersuchung eines grösseren Netzabschnitts auf seine räumlichen, zeitlichen und betrieblichen Abhängigkeiten. «Das bedeutet, wir schauen Infrastruktur, Rollmaterial und Fahrplanabhängigkeiten des ganzen AB-Netztes an.» Ziel davon ist, das AB-Netz so gut wie möglich auf das nationale Angebotskonzept 2035 vorzubereiten und die dafür nötigen Ausbau-Arbeiten zu definieren. Das betrifft auch die neuralgische Stelle in Teufen. Die Studie soll bis Mitte 2021 abgeschlossen sein – die Kosten übernimmt das BAV.

Nach ihren Ausführungen bestand die Möglichkeit, Anna Barbara Remund über das Mikrophon einige Fragen zu stellen. Die TP hat diese Chance genutzt:

Wie kommt es, dass das BAV nun ausgerechnet für das AB-Netz so eine Korridorstudie in Auftrag gibt? Machen sie das auch bei anderen Regionalbahnen?

Solche Studien führen wir immer wieder durch – auch bei anderen Regionalbahnen. Auslöser waren in diesem Fall das Angebotskonzept 2035 und die schwierige Situation im Raum Teufen. Aber uns war es wichtig, das Netz bzw. den Korridor als Ganzes zu betrachten und uns nicht nur auf Teufen zu fokussieren. So erhalten wir ein in sich stimmiges Gesamtbild.

Wie verbindlich ist diese Studie für die AB und den Kanton?

Grundsätzlich ist sie verbindlich. Dazu ist aber zu sagen: Die Studie wird in enger Zusammenarbeit mit den Appenzeller Bahnen und den anderen Partnern erstellt. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass wir zu einem komplett gegenteiligen Ergebnis kommen. Für uns als BAV geht es schlussendlich natürlich um die Wirtschaftlichkeit und den Nutzen der angepeilten Lösungen, da wir dafür öffentliche Gelder sprechen werden.

Und wie detailliert sind die Empfehlungen? Am Beispiel Teufen: Wenn das BAV nun verbindlich eine Doppelspur empfiehlt, müsste diese dann oberirdisch sein oder dürfte sie auch in einem Tunnel verlaufen?

So weit ins Detail gehen wir nicht. Wir würden in diesem Beispiel aufzeigen, dass eine Doppelspur am zweckmässigsten ist. Wie diese konkret realisiert wird, überlassen wir der Regionalbahn. Klar ist: Das BAV wird immer die wirtschaftlichste bzw. zweckmässigste Lösung finanzieren.

Anders gesagt: Wenn Teufen einen Doppelspurtunnel will, müsste die Gemeinde die Kostendifferenz zur «klassischen Doppelspur» selbst tragen?

Das ist richtig, ja. Solche Fälle haben wir übrigens immer wieder. Oft betrifft es die Ausgestaltung des Bahnhofs. Wenn eine Gemeinde dort mehr als die wirtschaftlichste Lösung will, muss sie die Kosten selbst übernehmen.

Machbarkeit Doppelspurtunnel


«Ich will mir später nicht vorwerfen lassen müssen, dass wir nicht alle Varianten geprüft haben.» Diese Aussage von AB-Direktor Thomas Baumgartner fasst die Motivation der Projektoberleitung für eine Machbarkeitsstudie für einen Doppelspurtunnel gut zusammen. «Wer die Diskussion in Teufen verfolgt, weiss, dass über eine solche Variante diskutiert wird.» Um einen späteren Streit zu verhindern, soll diese Ansatz nun bereits in den kommenden Monaten von einem externen Ingenieurbüro verfolgt werden. Allerdings erst in grosser Flughöhe: «Es geht darum herauszufinden, ob so ein Tunnel technisch überhaupt realisierbar bzw. zweckmässig wäre», so Thomas Baumgartner. Dafür gilt es einige heikle Fragen zu klären. Denn ein Doppelspurtunnel ist viel aufwändiger als eine Einspur-Variante. Einerseits müssten die Tunnelportale deutlich grösser sein – auch wegen des Wechsels von zwei auf eine Spur im Stofel. Andererseits müssen alle Haltstellen und der Bahnhof weiterhin funktionieren und auch für beeinträchtige Personen gut begehbar sein. «Dabei gilt es zu bedenken, dass wir uns in einem Siedlungsgebiet befinden und wohl auch auf Boden im Privatbesitz zurückgreifen müssten.» Die Machbarkeitsprüfung soll ebenfalls bis im Sommer 2021 vorliegen.

Kreisel im 2022


Der Kreisel beim Bahnhof Teufen ist laut Projektoberleitung nach wie vor die beste Lösung. «Das zeigt auch die derzeit teilweise wirklich unzumutbare Staubildung zu Stosszeiten», sagt Regierungsrat Dölf Biasotto. Deshalb wird das Plangenehmigungsverfahren (Baubewilligung) parallel zu den oben erwähnten Abklärungen weiterverfolgt. Ziel ist es, den Kreisel im Jahr 2022 zu realisieren. Im Idealfall kann bereits im kommenden Jahr mit den Vorarbeiten begonnen werden.

Anmerkung zu den Sicherungsmassnahmen von Thomas Baumgartner: «Mit der Umgestaltung der Bahnhofskreuzung bzw. der Installation der Lichtsignale haben wir das grösste Sicherheitsrisiko jetzt erst einmal gemindert. Aber wir haben noch zwei drei andere Stellen – insbesondere bei Bahnübergängen –, bei denen wir weitere Massnahmen prüfen müssen. Ob diese noch vor der eigentlichen Ortsdurchfahrt realisiert werden, hängt von den Entwicklungen im nächsten Jahr ab.»

Sicht der Gemeinde


«Der Gemeinderat Teufen begrüsst es sehr, dass das BAV das gesamte Netz der Appenzeller Bahnen unter die Lupe nimmt», sagte Gemeindepräsident Reto Altherr. Es gelte nun, nach vorne zu schauen und gemeinsam die beste Lösung zu finden. «Klar ist: alles ist besser als der derzeitige, festgefahrene Status Quo.»

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