Ziegel für 100 Jahre

12.06.2024 | Nerina Keller
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Wenn das Dach des Alten Hörli dereinst wieder saniert werden muss, werden die Handwerker nicht schlecht staunen. Rund 70 der Ziegel, die das Schulhaus bedecken sind unten bunt bemalt und mit Name und Datum versehen. Aber bis dahin wird es wohl noch eine Weile dauern: Dachdecker Marcel Züst prophezeit den neuen Ziegeln etwa hundert Jahre Lebensdauer. Er hat selbst schon manch alten Ziegel gefunden bei seiner Arbeit auf dem Dach. Dass sogenannte «Feierabendziegel» als Botschaften aus der Vergangenheit verbaut werden, ist nämlich eine uralte Tradition.

12. Juni

Die Kinder sind stolz. Heute ist der Tag, an dem sie ihre bemalten Ziegel für das Alte Hörli übergeben. Im Rahmen der Kernsanierung bekommt das Schulhaus auch ein neues Dach. Und in genau dem werden die kleinen Kunstwerke der Kinder vorübergehend verewigt. Martin Zoller von der Gemeinde (Leiter Hochbau, Bauten und Anlagen), Marcel Züst von Züst Bedachungen AG und Bauingenieur Jean Morier nehmen die Ziegel entgegen. In den nächsten Wochen werden die Ziegel von Marcel Züst und seinem Team verbaut. Wenn das Schulhaus voraussichtlich 2025 bezogen wird, werden auch einige der heutigen Erst- und Zweitklässler und Kindergartenkinder dort ihre Zimmer beziehen. An diesem Tag dürfen sie nach der Übergabe die Baustelle besichtigen und mit eigenen Augen sehen, was sie in jenem Schulzimmer schon erzählt bekommen haben, in dem alles angefangen hat.

5. Juni, oder: Eine Woche früher

Kaum geht die Türe auf, sind die Plätze schon besetzt. Rund 40 Kinder der ersten und zweiten Klasse sind gekommen, um den Worten von Marcel Züst, Martin Zoller und Jean Morier zu lauschen. Bevor es ans Malen geht, bekommen die kleinen Teufner und Teufnerinnen nämlich einen Einblick in den Dachbau. Und in die Geschichte des Alten Hörli.

Martin Zoller hat Bilder mitgebracht vom 1905 erbauten Schulhaus. Und zieht die Zuschauenden sofort in seinen Bann gezogen, als er vom ehemals getrennten Mädchen- und Knabeneingang, dem ersten WC und den Duschen in der Schule erzählt. «Hä, duschen in der Schule?», tönt eine Stimme aus dem Publikum. Laut sind auch die Reaktionen auf den neuen Lift, der derzeit eingebaut wird. Ein Raunen und ein paar «Wow» sind zu hören. Dass es dabei um Barrierefreiheit geht, ist für die Kinder wohl zweitrangig. Und sie wollen auch wissen, was nach dem Umzug ins Alte Hörli aus dem Schulhaus Dorf wird. Ein Junge gibt gleich selbst die Antwort und ruft: «Hier drin gibt es dann ein Café!» Martin Zoller lacht und meint: «Schön, da wisst ihr ja mehr als ich.»

Anschliessend übernimmt Marcel Züst. Er erklärt den Schülerinnen und Schülern, wie Ziegel hergestellt werden, was es mit den Feierabendziegeln auf sich hat und wie ein Dach gebaut wird. Nach den hundertjährigen Biberschwanzziegeln, die bis anhin auf dem Alten Hörli waren, zeigt Marcel Züst einen hübsch verzierten Ziegel. Solche «Feierabendziegel» machten die Ziegler früher jeweils am Feierabend, als Tagesabschluss. Und verbauten sie dann in Dächern. Später werden sie gefunden und sind eine Botschaft aus der Vergangenheit. Genau diese Idee hatten Bauingenieur Jean Morier und Marcel Züst auch, als sie im Elternrat die Idee anstiessen. Und sie wollen den Kindern auch das Handwerk und den Bau wieder näherbringen.

Ein Junge gibt Antwort und ruft: «Hier drin gibt es dann ein Café!»

Als es an den Dachbau in Miniaturform geht, wollen fast alle mitmachen. Zuerst müssen die Querlatten angebracht werden. Die Kinder befestigen diese mit Hammer und Nagel. Marcel Züst demonstriert erst anschliessend «sein» Werkzeug, die Nagelpistole (Gasnagler). Nur ein Knopfdruck und der Nagel ist drin. Dafür wird es ordentlich laut. «Den benutzen wir, damit wir abends etwas weniger müde sind», sagt der routinierte Handwerker, der in Teufen so manches Dach kennt. «Dafür ist aber die Nagelmaschine ganz müde abends, oder?» Dem wachen Publikum entgeht nichts. Marcel Züst lacht und meint: «Doch, die ist abends müde. Wir laden sie dann aber wieder auf.» Danach können die Ziegel auf dem Holzgerüst verlegt werden. Ein kurzes Gewimmel später sind die Ziegel schon verteilt und die Kinder betrachten ihr Werk.

Danach geht es ans Malen. Die Ziegel liegen in Marcel Züsts Kofferraum bereit. Die Kindergarten-Kinder, die ebenfalls einen bemalen, kommen ihre gleich selbst abholen. In der Schule legen die ersten nach der Pause sofort los. Bis am Mittag sollten alle bemalt sein. Auf dem Nachhauseweg wird das eine oder andere Kind vielleicht den Blick zu den Dächern schweifen lassen und sich an den Morgen erinnern. Und an Marcel Züsts Aufforderung, einmal ganz genau zu schauen, was es alles für verschiedene Ziegel gibt auf diesen Häusern.

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