«Wir haben euch nicht vergessen»

28.09.2018 | TPoscht online
Schwester fabienne syrien
Sr. Fabienne (rechts) mit einer Pilgerin. Bilder: zVg

«Es kam an mich heran». Schwester Fabienne Bucher aus Niederteufen berichtete im Mesmerhaus in Appenzell, weshalb sie Karwoche und Ostern dieses Jahr in einem Wüstenkloster in Syrien verbrachte.

Werner Kamber, Appenzell
Schwester Fabienne Bucher lebt als Diözesan-Eremitin in der Eremo, dem ehemaligen Pächterhaus des Klosters Wonnenstein. Sie ist Zeit ihres Lebens dem Ruf ihres Herzens gefolgt, wobei sie immer wieder die Führung des Geistes Gottes verspürte: Schönstatter Marienschwester, Pastoralassistentin in St. Otmar, Seelsorgerin am Kantonsspital St. Gallen und nun Einsiedlerin.

 Das Kloster Mar Musa in der syrischen Wüste. Foto: zVg.

Opfer des IS

Die Geschichte ihres diesjährigen Aufenthaltes in Syrien, erzählt sie im Gespräch, begann eigentlich bereits im Jahre 2013. Damals wurde Paolo dall’Oglio, der Gründer und Vorsteher des Klosters Mar Musa in der syrischen Wüste, das als «Taizé des Ostens» gilt, von Angehörigen des IS verschleppt; er ist bis heute verschollen. Die Wurzeln des ehemaligen orthodoxen Klosters reichen ins 6. Jahrhundert zurück; es war aber verlassen und verfallen.

Unter dem italienischen Jesuitenpater Paolo dall’Oglio, der Islamwissenschaften studiert hatte, war es fachmännisch wieder aufgebaut worden. Sr. Fabienne erkundigte sich bei den Jesuiten mehrmals nach seinem Schicksal – und kam so 2014 in Bad Schönbrunn in Kontakt mit Schwester Friederike aus eben diesem Kloster. Man blieb sich im Gebet verbunden.

Im Dezember letzten Jahres weilte dann ein Priester aus dem syrischen Kloster in St. Gallen, besuchte Sr. Fabienne in Wonnenstein und lud sie ein, Ostern gemeinsam mit ihnen in Syrien zu feiern. Vorerst noch unschlüssig, war für sie eines Morgens klar: «Ich gehe in Frieden und für den Frieden». Zugleich sei das für die dortigen Menschen ein Zeichen: «Wir in der Schweiz haben Euch nicht vergessen».

Die Deir Mariyam al-Adhra Chaldean Church in Sulaymaniya, Nordirak (Kurdistan).

Mit Teufner Transport

2016 war Sr. Friederike bei Sr. Fabienne auf Besuch. Wegen des Krieges in Syrien hatte sie Mar Musa verlassen müssen und weilte mit ihrem Mitbruder Jens Petzold in einem anderen Kloster, in Sulaymaniya. Hier nahmen sie 200 Flüchtlinge aus der Ninive-Ebene auf, die vom IS vertrieben worden waren.

Flüchtlingsdorf beim Kloster.

Jeder Winkel des Klosters war von Flüchtlingen bewohnt; auch in der Kirche lebten mehrere Familien, jeweils nur mit Zeltblachen voneinander getrennt. Der Mittelgang blieb frei für Kindergarten, Schule und Eucharistiefeiern.

Dann, natürlich, die Frage von Sr. Fabienne: «Was braucht Ihr persönlich, womit können wir Euch helfen?». Gerne mit religiösen Büchern für den Eigengebrauch. Vor allem aber: Spielsachen und Kleider, Handtücher und andere nützliche Dinge.

Aber wie kommen diese Sachen nach Nordirak? Genau in dieser Zeit organisierte die Pfarrei Teufen-Bühler-Stein 2016 den ersten Transport in Flüchtlingslager im Nordirak. Stefan Staub war gerne bereit, die Ware fürs Kloster in Sulaymaniya mitzunehmen.

Die Flüchtlinge aus der Ninive-Ebene konnten 2016 in neue Baracken beim Kloster einziehen. 2018 gingen die meisten zurück und bauten ihre zerstörten Häuser wieder auf. In Sulaymaniya leben jetzt Flüchtlinge aus Mossul.

Karwochen-Liturgie

Die Tage der Karwoche und von Ostern haben sich Sr. Fabienne tief eingeprägt – christlich und von unserer Liturgie doch stark verschieden. Um vom Flughafen zum Kloster zu gelangen, mussten übrigens zwölf Checkpoints (militärische Kontrollpunkte) passiert werden.

Am Palmsonntag wurde nicht schon die Leidensgeschichte vorgelesen, sondern das «Hosianna» des triumphalen Einzugs in Jerusalem gefeiert. Am Ende des Gottesdienstes habe ein Mann aus Freude spontan zu tanzen begonnen – und die Anwesenden machten mit. Am Hohen Donnerstag dann die Fusswaschung: «Die Füsse aller Anwesenden wurden richtiggehend geschrubbt. Sie kamen ja barfuss; die Sandalen blieben vor der Kirche».

Am Karfreitag wurden die Leidensgeschichten aller vier Evangelien vorgelesen – und Kreuz und Korpus in ein weisses Tuch gehüllt, zur Kirche getragen und hinter dem Altar zur Ruhe gebettet. Anstelle der Kreuzverehrung (wie sie in unsern Breitengraden erfolgt) gab es eine Totenklage auch mit aktuellen Bitten, mit Blumen und Weihrauch. Christus ruhte hinter dem Altar gleichsam im Grab, bis zur Auferstehungsfeier am frühen Ostermorgen.

Die Hand von Bruder Klaus

Anschliessend machte Sr. Fabienne einen Abstecher in den Libanon zum Grab des hl. Charbel. Er war ein Friedens-Eremit, den auch die Muslime verehren. Den Namen hörte sie erstmals 2014 im Flüeli-Ranft. Charbel wird im Nahen Osten so hoch verehrt wie bei uns Bruder Klaus.

Unser Landespatron habe bei ihrem Vorhaben die Hand im Spiel gebabt, ist Sr. Fabienne überzeugt: Das Visum erhielt sie am allerletzten Tag vor ihrer Abreise, am 21. März. «Das ist der Todestag von Bruder Klaus. Und meinen Vortrag in Appenzell durfte ich am 25. September halten, dem Gedenktag an Bruder Klaus».

Sr. Fabienne zehrt noch immer von den Eindrücken ihrer Reise. «Sie klingt weiter an im Gebet. Das kann man nicht einfach so ablegen. Wenn man konkrete Gesichter gesehen hat, ist das etwas ganz Anderes, als wenn man so etwas bloss lesen würde».

Und selbstverständlich soll auch die Hilfe aus dem Appenzellerland nicht abreissen. Sr. Fabienne ist dankbar um Barspenden auf Konto: IBAN CH40 0900 0000 1234 9594 6 (www.marmoussa.info).
 

https://www.tpost.ch/news/schwester-fabienne-bucher-ist-eremitin/

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