«Wir haben einen Meilenstein in der Geschichte der Appenzeller Bahnen erreicht»

28.09.2018 | Erich Gmünder
Thomas Baumgartner AB Tango bahnhof Teufen (97)
Thomas Baumgartner ist seit dem 1. Juni 2012 Direktor der Appenzeller Bahnen. Fotos: Erich Gmünder

Interview: Erich Gmünder

Am 7. Oktober nehmen die modernisierten Appenzeller Bahnen offiziell den Betrieb auf: Mit dem neuen Ruckhaldetunnel, mit neuen Bahnstationen in der Lustmühle (mit Verlängerung der Kreuzungsstelle bis zum Sonnenrank) und beim Sternen und mit den neuen Tango-Zügen.

Wir sprachen mit Direktor Thomas Baumgartner über diesen Meilenstein in der Geschichte der AB und über die Auswirkungen auf Teufen.

Bahnmodernisierung, Ruckhaldetunnel und Tango


Am 4. April 2016 war der Spatenstich des Ruckhaldetunnels, nach zwei Jahren und 6 Monaten erfolgt nun am 7. Oktober die Inbetriebnahme: Erstmals fahren die Tango-Züge fahrplanmässig durch den Ruckhaldetunnel nach Teufen, der Bahnersatz wird nach der halbjährigen Bahnsperre eingestellt. Was ziehen Sie für eine Bilanz?

Thomas Baumgartner: Ich darf eine sehr positive Bilanz ziehen: Den vereinbarten Termin konnten wir einhalten, die Kosten sind leicht unter Budget und die neuen Züge sind erfolgreich im Einsatz. Da haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AB sowie viele Externe einen ganz tollen Job gemacht. Die jahrelangen Vorarbeiten und die hartnäckige Verfolgung des Ziels haben sich gelohnt. Schön ist auch zu verfolgen, wie sich die Bevölkerung mit uns freut. Das haben wir beispielsweise an der Gewerbeschau in Teufen gespürt.

Hinter Ihnen liegt das wohl grösste Investitionsvorhaben in der Geschichte der AB, die Rede ist von insgesamt 300 Mio. für den Bau des Ruckhaldetunnels und andere Infrastruk-

«Die Züge sind das Aushängeschild und werden hoffentlich viele Teufnerinnen und Teufner zur Fahrt mit der Bahn motivieren.»


turprojekte sowie das neue Rollmaterial auf den Linien der AB – da fragten sich manche schon, ist dieser Aufwand verhältnismässig?

Die AB haben derzeit eine sehr grosse Investitionswelle. Dieses Investitionsprogramm umfasst den Zeitraum 2016–2023. Ein solches Volumen kommt aber nicht alle paar Jahr vor. Fahrzeuge sind alle 25–30 Jahre und die Infrastruktur alle 40–90 Jahre zu ersetzen. Jetzt stand beides zeitgleich zur Umsetzung an. Daher ist dies auch eine Spitze; sie wird ab 2024 abflachen. Und ja, dieser Aufwand ist verhältnismässig. Wir modernisieren die Bahn, die wiederum zur Standortattraktivität unseres Wohn-, Arbeits- und Lebensraumes beiträgt.

In einer Umfrage der Tüüfner Poscht im Jahr 2010 zur Frage «Bahn oder Bus» sprachen sich 60 Prozent der teilnehmenden 904 Teufnerinnen und Teufner für einen Busbetrieb anstelle der Bahn aus. Was sagen Sie jenen, die immer noch von einer Buslösung träumen?

Die Reise von Teufen nach St.Gallen wird mit modernsten Zügen in einer sehr attraktiven Fahrzeit im Viertelstundentakt (ab 18. März 2019) erfolgen – und dies direkt ins Stadtzentrum. Die Fahrplanstabilität und der Fahrkomfort sind mit dem Zug bedeutend höher. Ein Bus ist für viele Jahre schlicht kein Thema mehr.

Wie wollen Sie die Teufner fürs Umsteigen auf die neuen Tango-Züge gewinnen?

Es gibt sehr gute Argumente, welche die

«Wenn die Bahn künftig als Strassenbahn durch Teufen fährt, hat dies für das Dorf einige ganz grosse Vorteile gegenüber der aktuellen Situation. »


Teufnerinnen und Teufner zum Umsteigen motivieren: neue Züge mit Klimaanlage, ebenerdiges Einsteigen, sehr kurze Reisezeit von Teufen mitten in die Stadt, ein attraktiver neuer Fahrplan bis Mitternacht, gute Anschlüsse an den Fernverkehr, keine Parkplatzsuche, keine Parkplatzgebühren, entspanntes Ankommen. Die Züge sind das Aushängeschild. Besonders in Teufen werden auch sie das Bild ändern und hoffentlich viele Teufnerinnen und Teufner zur Fahrt mit der Bahn motivieren.

Ursprünglich hätte der Bahnhofumbau ebenso wie die Realisierung des Kreisels während der Bahnsperre abgeschlossen sein sollen. Nun sind diese Arbeiten wegen Einsprachen und Projektanpassungen blockiert, die Kreuzung wird erst provisorisch saniert. Bleibt da auch bei Ihnen eine mittlere Unzufriedenheit?

Das ist ein zu akzeptierender Verlauf in einem Projekt. Letztlich wollen auch wir eine Lösung, die passt. Schade ist aber schon, dass wir die Totalsperre nicht nutzen konnten und sich die Arbeiten nun auf das Jahr 2019 konzentrieren. Das führt bei den Verkehrsteilnehmenden zu Einschränkungen und bedingt Nachtarbeiten.

Teufen bleibt eine Baustelle – auch nach Abschluss des Bahnhofumbaus und des Bahnhofkreisels. Mit der Umsetzung der Doppelspur wartet bereits das nächste Grossprojekt. Haben Sie auch da noch mit weiteren Verzögerungen zu rechnen (Einsprachen, Knackpunkt Elektro Nef und Haus Dorf 18, neue Kreuzungsstelle im Stofel, Bewältigung der Bauphase für das Gewerbe)?


Wir stehen mit verschiedenen Anspruchsgruppen und Personen in einem intensiven Austausch. Es ist aber so, dass solche Projekte Einsprachen mit sich bringen können. Damit müssen wir umgehen. Wir erstellen diese Ortsdurchfahrt für die Bevölkerung. Wir versuchen dabei auch, vielen Wünschen Rechnung zu tragen. Immerhin: Wenn die Bahn als Strassenbahn durch Teufen fährt, hat dies für das Dorf einige ganz grosse Vorteile gegenüber der aktuellen Situation. Ich denke da an die frei werdenden Flächen, an die Möglichkeiten für Velostreifen und Radwege, an die Dorfgestaltung und vieles mehr. Auch diese Infrastruktur wird für sehr lange Zeithorizonte gebaut.

Wann darf Teufen mit dem Abschluss der langjährigen Bauphase im Dorf mit Ortsdurchfahrt und Neugestaltung des Dorfzentrums rechnen?

Wir können den Terminplan erst dann mit einer gefestigten Verbindlichkeit kommunizieren, wenn wir das Projekt öffentlich aufgelegt haben und wissen, ob es Einsprachen gibt und falls ja, wie wir damit umgehen können. Zudem müssen die finanziellen Mittel gesprochen sein.

Was überwiegt heute, eine Woche vor dem grossen Einweihungsfest: Frustration oder Freude?

Das ist unbestritten: Es ist die grosse Freude. Wir haben einen Meilenstein in der Geschichte der Appenzeller Bahnen erreicht. Mich freut es sehr, dass wir nach jahrelanger Planung und Ausführung unseren Kundinnen und Kunden nun moderne Bahndienstleistungen anbieten können.

«Das Appenzellerland tanzt Tango» – in St.Gallen


Am Samstag, 6. Oktober, einen Tag vor der fahrplanmässigen Inbetriebnahme der Tango-Züge und der modernisierten Strecke mit dem neuen Ruckhaldetunnel steigt das grosse Fest. Von 10 –18 Uhr gibt es im Güterbahnhofareal (Lattich) zahlreiche Attraktionen. Dazu kommen Führungen durch die Baustellen, die Betriebszentrale und das Stellwerk sowie Filmvorführungen und Ausstellungen.

Lattich: Tanzworkshop, Ballone, Appenzeller Streichmusik, Hierig Tanzpaar, Tango Show, Ballonmodellieren mit Hannes vo Wald, Acts mit Philipp Langenegger und kulinarische Köstlichkeiten von Gastro Lattich.

AB-Bahnhof St.Gallen: Filmbeitragsreihe Tele Ostschweiz: «Modernisierung mit Herz», Unternehmensporträts von Stadler Rail und Sersa. Führungen durch die Betriebszentrale und beim Stellwerk.

GBS Riethüsli: Baustellenführungen (Anmeldungen vor Ort). Ausstellung Tunnelbau Ruckhalde.

Kinok, Lokremise: Film «Durs Appenzellerland», eine Reise mit der Bahn.

Programmdetails auf: www.modernisierung-ab.ch

Die Ausserrhoder Fabrikanten und ihre Bahn


 

Die Autoren Willi Müller, Teufen und Hans Hug, Herisau, beschreiben auf der Grundlage der bis 2017 verschollen geglaubten Originalunterlagen den kurven- und ränkereichen Weg, der zwischen 1871 und 1889 zum Bau einer Bahn von Gais nach St.Gallen führte (siehe auch Tüüfner Poscht Juli 2018). Gleichzeitig bietet das Buch einen spannenden Einblick in die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse im späten 19. Jahrhundert.

Das «Gaiserbähnli»: Nicht als Bahn für die Städter, die sich nach der lieblichen Landschaft des Appenzellerlandes sehnen, war sie gedacht. Nicht als Pendlerbahn für Arbeitskräfte der St.Galler Stickereibarone. Umgekehrt: die Ausserrhoder Fabrikanten suchten Anschluss an die Welt via die Eisenbahn, die seit 1856 von Zürich bis nach St.Gallen führte. Die Wirtschaftskrisen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liessen den ersten Versuch 1877 ersticken. Selbst die Unterlagen dazu verschwanden im Dunkel des Vergessens.

Der zweite Anlauf ab 1882 brachte dann unter vielen Mühen und Schwierigkeiten 1889 den Erfolg. Die «Vereinigten Schweizerbahnen» strebten nach einer Versuchsstrecke für eine Ostalpen-Transversale und glaubten sie in den appenzellischen Hügeln zu finden. Ihre tatkräftige, aber durchaus eigennützige Mithilfe führte über einen wahren Stolper- und Irrweg zum Gaiserbähnli. 200 Seiten, CHF 24.– plus Versandkosten.

Museumsverein Appenzeller Bahnen, Postfach 18, 9050 Appenzell, www.bahnmuseum-appenzell.ch oder im Museum in Wasserauen immer Samstags und Sonntags von April bis Oktober.

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