Warum schrieb Paul Grunder diesen Brief?

01.09.2012 | Erich Gmünder
20170037 - Kopie

1983: Ruedi Moesch (1. v.l.), Kurt Schläpfer, Bauführer (2.v.l., Architekten Rohner + Gmünder), Jörg Rohner und René Rohner selig (3. und 4. v.l.), Paul Grunder (6. v.l.). Fotos: Archiv Grunder 

Paul Grunder war 1983 zusammen mit anderen Handwerkern aufgeboten worden, um im Zuge der Aussenrenovation der Kirche auch die Turmspitze einer genauen Prüfung zu unterziehen.

Im Gegensatz zu 1956, als die Spitze nur über Leitern erreicht werden konnte, stand diesmal ein Stahlgerüst, an dessen Aussenseite Leitern bis zur Spitze führten. Mit Paul Grunder bestiegen Schmiedmeister Ruedi Moesch und die Spenglermeister-Gebrüder René und Jürg Rohner das schwankende Gerüst.

Ein anspruchsvolles Unterfangen:

«Ein mässiger Föhn weht, und seine Böen lassen das Gerüst und den Turm gute 30 bis 40 cm hin und her pendeln. Die Aussicht ist herrlich, Höhe und Schwank haben beinahe berauschenden Charakter.»

Paul Grunder 1983 auf luftiger Höhe. Archiv Grunder

 

Paul Grunder beschreibt, wie die Goldkugel entfernt und die darin befindlichen Blechbüchsen mit den Urkunden gesichert werden, genau beobachtet vom damaligen Vizehauptmann und «Kulturminister» Alfred Kern und seiner Schulklasse vom Gählernschulhaus. Und eben, wie er die Höhe des Kirchturms mit einem Seil ausmass.

«Stiller Protest»

Welche Dokumente sich in den verzinkten Blechbüchsen befinden, hat Paul Grunder nie erfahren. Dem Ansinnen, seinen Brief ebenfalls als Dokument mit einzuschliessen, wurde von der «Obrigkeit» nicht stattgegeben. Als «stiller Protest», so erinnert sich Paul Grunder heute mit einem Schmunzeln, habe er dann eben die Idee gehabt, die Handwerkerdokumente in einer billigen Kartonröhre in der Kugel einzuschweissen.

Die Handwerkerrolle aus dem Jahr 198 ist jetzt wieder zum Vorschein gekommen ist. Foto: EG

An die Adresse der nächsten Handwerker hielt er fest: «Wir wünschen den nächsten Turmspitzenakrobaten viel Glück und bitten sie, diese Handwerkerdokumente weiterzuführen und zur Öffnung nie den Politikern oder Kunstsachverständigen auszuhändigen, höchstens schnuppern lassen darf man sie in unserer Büchse.»

Zigi und Zwanzgernötli

Auch die Zigarettenpackungen von 1956 und 1983 kamen 2012 wieder zum Vorschein. Foto: EG

Zusammen mit der Handwerkerurkunde eingeschlossen wurden ein altes Päckli Parisienne, das die «wackeren Handwerker» Köbi Burkhart und Jakob Frischknecht 1956 hinterlassen hatten, sowie eine aktuelle Packung Brunette. Und ein Zwanzigernötli, «als Beitrag an die nächste Kirchenrenovation, damit unsere Fehler wieder gut gemacht werden können. Der Batzen ist dem Gemeindehauptmann feierlich zu übergeben », schliesst die humorvoll abgefasste Urkunde vom 14. Juli 1983.

Die diversen Dokumente kamen wieder zum Vorschein, als die Spitze am 11. Juni 2012 samt Goldkugel entfernt und am Boden geöffnet wurde. Die Kirchturmspitze hatte bei einem Blitzschlag am 5. Januar 2012 Schaden genommen und wird derzeit überholt. (vergleiche auch Tüüfner Poscht 6/2012).

Der Brief von Paul Grunder als PDF

Der Brief von Paul Grunder im Original PDF

Galerie

Kirchturmrenovation 1983

Kirchturmrenovation 1983

Archivfotos von Paul Grunder aus dem Jahre 1983.

36 Fotos |

 

ARCHIV

Augenschein auf luftiger Höhe: Gut sichtbar die teilweise verkohlten Stelen an Wetterfahne und Kugel.

Das Geheimnis in der Kirchturmspitze gelüftet

Nach Blitzeinschlag müssen Teile neu vergoldet werden. weiterlesen…

| 28. 06. 2012 |

 

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