Clemens Fässler


Die Schulklasse aus Oberegg hat soeben den theoretischen Teil über den Schreinerberuf beendet und stürzt sich in die Pause. Nach einem kurzen Film des Schreinermeisterverbandes hatte ihnen Thomas Meier, Leiter der Holzfachschule, die Schreinerlehre etwas näher vorgestellt. Seine Hauptbotschaft ist aber nicht «werdet Schreiner!», sondern «wählt für Euch den coolsten Beruf». Und ganz in diesem Sinne gibt er Tipps fürs Schnuppern oder für die Bewerbung, die allgemeingültig für jeden Beruf nützlich sind.
Bohren und schleifen im Werkraum
Im Werkraum wird die Klasse von Felix Brühwiler begrüsst. Auf dem Programm die Herstellung eines kleinen Bilderrahmens. Am Nachmittag werden die Jugendlichen unter der Leitung von Andreas Manser und Jannik Rempfler vom Zimmermeisterverband einen Pfannenuntersetzer herstellen. Beides sind bereits traditionelle Berufstage-Werkstücke, die es aber in sich haben. Denn die Schüler lernen dabei zahlreiche Werkzeuge und Arbeitsschritte der Schreiner und Zimmerleute kennen: vom einfachen Messen (aber bitte genau!) über das Bohren und Schrauben bis hin zum Feilen und Schleifen oder auch Ölen kann das Handwerk erlebt werden. Neben dem Handbohrer kommen aber auch die Ständer- und die Langlochbohrmaschine sowie die Oberfräse zum Einsatz. Schliesslich werden auch die gängigsten einheimischen Holzarten gelernt.
Arbeitsschutz im Theorieraum
Ein wichtiger Aspekt ist, wie in sehr vielen Berufen, die Sicherheit und Arbeitsschutz. Die Verantwortlichen zeigen, wie die Hände an der Fräse positioniert werden müssen, damit dann auch nur Holz gefräst wird; oder sie machen speziell die Mädchen darauf aufmerksam, dass lange Haare zusammengebunden sein müssen, da Bohrmaschinen keine schönen Haarwickel machen. Aber auch der Gehörschutz, die richtigen Arbeitsschuhe und der Wetterschutz mit Sonnencrème und Regenbekleidung für die Baustelle werden als Teil des Berufs erläutert.
Ein Mehrwert für alle
Mit dieser vielfältigen und umfassenden Präsentation ihres Berufes, machen die Schreiner und Zimmerleute nicht einfach Werbung für sich, sondern bieten allen eine gute Gelegenheit, sich über die Berufswahl Gedanken zu machen. Und wenn am Abend der eine oder die andere weiss, dass ein hölziger Beruf sicher nicht in Frage kommt, dann ist das ebenfalls für alle ein Mehrwert. Deshalb kommen einige Schulen jedes Jahr mit der ersten oder zweiten Oberstufenklassen nach Teufen. Und was ist die Motivation der Schüler? Ein Schüler aus Gais fasste es so zusammen: «Wir Knaben sind aus Interesse hier, die Mädchen eher weil sie schulfrei haben.» In der Tat wird wohl beides eine Rolle spielen, doch an der Werkbank sind die Mädchen ebenso motiviert dabei wie die Jungs.