Von der Backstube auf den Kutschenbock

12.05.2013 | Alexandra Grueter-Axthammer
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Alexandra Grüter-Axthammer

Bäcker war sein Traumberuf, und von Pferden ist er begeistert, seit er denken kann. Egal was er anpackt: Martin Wagner macht es mit Leidenschaft und Begeisterung. Heute produziert er Pferdeguetzli, und auch das mit Erfolg.

Wenn Martin Wagner übers Brotbacken spricht, über die Zutaten und den richtigen Umgang mit dem Teig, dann kommt er ins Schwärmen. Backen sei ein richtiges Handwerk, sagt er. Heute sei er ein «heikler» Konsument und backe sein Brot wieder öfter selber.

Er lernte den Beruf im Betrieb seiner Eltern, später kam die Meisterprüfung dazu. 1991 übernahm er die Bäckerei seiner Eltern in Niederteufen mit zwei Lehrlingen. Während zehn Jahren wuchs der Betrieb ständig. Die Backstube wurde ausgebaut und vergrössert, und als er das Geschäft 2001 verkaufte, beschäftigte er sechzehn Angestellte. «Auch dank meiner Frau konnte der Betrieb so schnell wachsen. Sie arbeitete voll mit in der Bäckerei», sagt er.

Einen Tag in der Woche unterrichtete er an der Gewerbeschule in St.Gallen die angehenden Bäcker. Sein Arbeitstag ging von 01.00 Uhr nachts bis mittags. Am späten Nachmittag war er dann schon wieder auf den Beinen.

Es sei der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gewesen, sagt Martin Wagner. «Damals wog ich dreissig Kilo mehr, ich hatte verschiedene gesundheitliche Probleme – heute würde man wahrscheinlich sagen, ich hätte ein Burnout gehabt. Wie auch immer, ich habe den Schritt nie bereut.»

Es sei ihm auch nicht besonders schwer gefallen, damals das Geschäft an Noldi Koller zu übergeben. «Meine Frau Iris tat sich etwas schwerer.»

Glücklich mit den Pferden

Seit er denken kann, ist er fasziniert von Pferden. «Jeden Rappen habe ich als Kind gespart, um mir ein Pferd zu kaufen», sagt Martin Wagner. Als er dann ins Militär ging, erfüllte er sich diesen Wunsch. «Das erste Pferd hiess ‹Paquerette›, das heisst Gänseblümchen, und war manchmal ein Schlitzohr. Wahrscheinlich wurde es nicht immer gut behandelt, bevor es zu mir kam.»

Gemeinsam durchlebten sie die RS und Dienstjahre beim Train. Dreissig Jahre lang gehörte Paquerette zum Leben der Wagners. In der RS habe er dann auch gelernt, Mehrspänner zu fahren.

Nach seinen Arbeitsaufenthalten auswärts kaufte er auf einem Pferdemarkt ein «richtiges Reitpferd», eine Warmblutstute. «Neben der Stute stand noch ihr Fohlen, der Verkäufer wollte das unbedingt loswerden – ich war überhaupt nicht interessiert. Aber der Verkäufer liess nicht locker und verkaufte es mir am Ende zum Schlachtpreis. Also hatte ich nachher drei Pferde im Stall.»

Heute fährt Martin Wagner Vierspänner, nicht einfach nur gediegene Kutschenfahrten am Sonntag und an Hochzeiten – wobei man ihn auch dafür buchen kann. Er fährt Turniere, und das sehr erfolgreich. Zusammen mit seiner Frau und den drei erwachsenen Kindern bestreitet er Wettkämpfe auf höchstem Niveau.

«Leider ist Kutschenfahren nicht so profitabel wie Springreiten. Wir fahren an Turnieren in der höchsten Klasse – vergleichbar mit Steve Guerdat, dem Springreiter – nur verdienen wir dabei nicht annähernd so viel.»

Seine Kinder konnten mit den Pferden aufwachsen – ein Traum von vielen Buben und Mädchen. Seine älteste Tochter Madeleine sei allerdings mehr an Musik interessiert, fühle sich aber verbunden mit den Pferden. Bettina hingegen fahre erfolgreich Einspänner in der obersten Kategorie, sie bildet auch im Kutschenfahren aus. Beni, der Jüngste, hätte auch Talent, meint Martin Wagner – aber auch noch viele andere Interessen – und das sei gut so.

Der Geschäftsmann

Mit Belohnungsguetzli für Pferde verdient er heute den Lebensunterhalt für die Familie. Hartes Brot, zusammen mit Leinsamen und Hafer – daraus produziert Martin Wagner «Leinbits».

Entwickelt hat er die Pferdeleckerli noch in seiner Bäckerei. Nach einigem Ausprobieren seien die «Leinbits» entstanden, ohne chemische Zusätze und ohne Süssstoffe.

Die Firma Marstall vertreibt das Produkt in der ganzen Schweiz. Produziert werden sie in Bühler von Martin Wagner persönlich. Er hätte das Belohnungsguetzli auch schon in die EU exportieren können, aber das wolle er nicht. «Das könnte ich dann nicht mehr alleine schaffen», sagt Martin Wagner – und Angestellte möchte er nicht mehr.

Martin Wagner

Geboren: 20. Mai 1956 in Teufen

In Teufen seit: Geburt

Familie: Frau Iris, Töchter Madeleine und Bettina, Sohn Benjamin

Beruf: Bäcker-Konditor-Meister, Unternehmer

Lieblingsessen: Cordon-bleu und Pommes Frites mit Gemüse

Lieblingsgetränk: Rivella

Musikvorlieben: Blasmusik

Buch auf dem Nachttisch: Literatur für Gespannfahren oder Lieblingslektüre Zeitschrift «Pferd & Wagen»

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