Vom Wunsch, daheim sterben zu dürfen

01.04.2012 | Lisa Tralci
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Wie gehen wir mit dem Thema Sterben und Tod um: Die Ausstellung im Betreuten Wohnen regte zum Nachdenken an. Foto: EG

Von Lisa Tralci

Gabriela Blankenhorn und Rosmarie Moser haben letztes Jahr ihre Männer nach unheilbarer Krankheit verloren. Die beiden verbindet noch etwas. Sie konnten ihren Männern einen grossen Wunsch erfüllen: Daheim sterben zu dürfen. Am Rundgang durch die Ausstellung Palliative Care im Betreuten Wohnen Gremm erzählten sie von ihren Erfahrungen und Gedanken.

Vorweg: Beide Frauen sagen übereinstimmend, einen entscheidenden Teil beigetragen habe die Spitex Teufen. Leitung und Angestellte hätten jederzeit ein offenes Ohr gehabt und immer wieder nachgefragt, ob sie weitere Unterstützung bräuchten. Während sich Gabriela Blankenhorn direkt nach der Operation von den Fachpersonen im Spital nicht unterstützt fühlte, berichtet Rosmarie Moser von sehr guten Erfahrungen. «Wir waren einmal mehr im Spital und es wurde klar, dass mein Mann bald sterben würde. Innert kurzer Zeit wurde ein runder Tisch organisiert, um alles so zu organisieren, dass ich meinen Mann heim nehmen konnte.»

Es sei auch ihr tiefer Wunsch gewesen, ihren Mann daheim zu haben. «Es war uns wichtig, beisammen zu sein. Ich konnte auf seine Wünsche eingehen, ihm die Decke zurecht ziehen, den Vorhang ein wenig verschieben oder etwas vorlesen.»

Auch Nachbarn sind wichtig

Beide Frauen sagen, wie wertvoll die Unterstützung durch ihre Nachbarn gewesen sei. Gabriela Blankenhorn empfand diese besonders wichtig für die temporäre Betreuung ihres damals neunjährigen Sohnes. «Ich hatte ja neben meinem Mann und den Auswirkungen seiner Krankheit auch noch mein Geschäft. Wenn ich meinen Mann für Untersuche und Therapien ins Spital begleitete, war ich sehr froh, meinen Sohn in guten Händen zu wissen.» Als ihr Mann den Wunsch äusserte, daheim sterben zu können, stimmte Gabriela Blankenhorn diesem Vorhaben zu. «In Absprache mit meinem Mann vereinbarten wir mit dem Alters- und Pflegeheim Haus Unteres Gremm, dass er im Notfall dort ein Zimmer bekäme. Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommen würde und wie weit meine Kräfte reichen würden.»

Rechtzeitig über die schwierigen Dinge reden

Gabriela Blankenhorn rät Menschen in ähnlichen Situationen, die wesentlichen Dinge wirklich anzusprechen, so lange noch Zeit dazu ist. Auch wenn es Kraft koste und vielleicht der Unterstützung durch Aussenstehende bedürfe. «Ich empfehle allen, sich rechtzeitig mit einer Patientenverfügung zu befassen. Diese fördert und fordert das Gespräch und hilft letztlich, gelöster und ruhiger beieinander zu sein.»

Rosmarie Moser ist dankbar, dass sie auf diese Weise von ihrem Mann Abschied nehmen konnte. Sie, eine ihrer Töchter und ein Grosskind waren dabei, als er sich – bis zuletzt präsent – von dieser Welt verabschiedete. «Ja, ich frage mich schon, wie das bei mir sein wird. Ich bin ja jetzt alleine. Meine Kinder wohnen weiter weg und sind im Beruf engagiert. Deshalb finde ich die Idee, hier in Teufen ein Netzwerk aufzubauen, grossartig!»

Grenzerfahrungen gemacht

Auch Gabriela Blankenhorn unterstützt diesen Gedanken. Sie konnte neben der Unterstützung durch die Spitex und Nachbarn auch den Hospiz-Dienst in Anspruch nehmen. «Während drei Nächten konnte ich auf die Anwesenheit erfahrener Frauen zählen, was für mich beruhigend und entlastend war.» Wichtig war ihr, ihrem Sohn gegenüber offen und ehrlich zu kommunizieren. Er war auf eigenen Wunsch dabei, als sein Vater starb. Bereits Tage zuvor habe er nicht mehr in die Schule gehen wollen, um wirklich da zu sein.

***

Beide Frauen fanden in dieser schwierigen Zeit auch Kraftorte. Rosmarie Moser gaben die Besuche der Seelsorgerinnen Kraft und Zuversicht, ebenso die intensive Nähe mit ihrem Mann. Gabriela Blankenhorn empfand die unerwartete Unterstützung durch Freunde, Nachbarn und Eltern als sehr hilfreich, ebenso den Austausch mit Mitmenschen. Die in der Ausstellung festgehaltenen Aussagen von Betroffenen können beide bestätigen. «Es sind Grenzerfahrungen, und es ist wichtig, dass gerade dann Menschen da sind!»

 

Anregende Ausstellung

Das Forum Palliative Care Teufen organisierte vom 20.– 28. März die Wanderausstellung Palliative Care im Aufenthaltsraum Betreutes Wohnen. Rund um die vom Verein palliative ostschweiz zur Verfügung gestellte Ausstellung wurde das Thema an drei Begleitveranstaltungen vertieft. Das Forum Palliative Care Teufen möchte das Nachdenken anregen, Informationen weitergeben und in Teufen ein Netzwerk aufbauen. Auskunft erteilt marilene.hess@ref-teufen.ch oder Telefon 071 333 33 70.

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