Welche der beiden Varianten ist nachhaltiger?

02.11.2014 | TPoscht online
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Dorfkern mit Tunnelvariante….

Am 18. Januar 2015 entscheiden die Stimmberechtigten von Teufen, ob die Bahn zukünftig auf einer Doppelspur mitten auf der Strasse durchs Dorfzentrum fahren oder das Dorf in einem Tunnel umfahren soll. Der Gemeinderat hat sich aus finanziellen Erwägungen gegen die Tunnelvariante entschieden – und dabei auch die Ergebnisse einer Nachhaltigkeitsprüfung berücksichtigt.

Vertiefte Informationen aus erster Hand gibt es bereits diesen Donnerstag, 6. November an einer der beiden öffentlichen Informationsveranstaltungen der Gemeinde.

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… oder Dorfkern mit Tram in der Strassenmitte: Am 18. Januar haben die Teufner die Wahl. Visualisierung: zVg.

Text: Kerstin Krage, Projektleitung

Seit der Abstimmung über den Projektierungskredit am 9. Februar 2014 haben sich über 40 Personen intensiv mit der künftigen Gestaltung des Dorfzentrums auseinandergesetzt. Architekten, Planer und Finanzexperten haben die beiden Varianten Tunnel und Doppelspur und ihre Auswirkungen auf die Gemeinde vertieft untersucht. Als Teil der Abklärungen wurden die beiden Varianten Tunnel und Doppelspur einer Nachhaltigkeitsbeurteilung durch externe Fachleute unterzogen.

Der Gemeinderat hat Mitte Oktober seine Empfehlung zur Ablehnung der Finanzvorlage bei Anwesenheit von 8 Mitgliedern einstimmig ausgesprochen. Zuvor hat er alle Untersuchungen und Erkenntnisse der vergangenen Monate geprüft und sich in drei Sitzungen ausreichend Zeit für die Debatte genommen. Dabei hat er sich auch auf die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsprüfung gestützt.

Nachhaltigkeit – was heisst das?

Experten aus verschiedenen Fachbereichen haben die Auswirkungen beurteilt, welche die Realisierung des Tunnels bzw. der Doppelspur in Bezug auf Umwelt, Gesellschaft und Ökonomie für die Gemeinde hätte. Der Finanzrahmen der Varianten und seine Auswirkungen auf den Gemeindehaushalt sind dabei ebenfalls eingeflossen.

Verkehr

Beide Varianten stärken den Fuss- und Veloverkehr sowie den öffentlichen Verkehr durch die Taktverdichtung der Appenzeller Bahnen. Bei der Doppelspurvariante besteht die Möglichkeit, später allenfalls zusätzliche Haltestellen zu erstellen oder Haltstellen zu verschieben. Der öffentliche Verkehr wird attraktiver, weil er direkt im Strassenraum zugänglich ist.

Die Tunnelvariante bietet hingegen mehr Flexibilität im Dorfzentrum, da zwischen Bahnhof Teufen und Stofel keine Bahn mehr fährt und damit zeitweilige Sperrungen für Veranstaltungen einfacher zu realisieren sind.

Sicherheit und Prävention

Bei beiden Varianten können neue Aufenthaltsorte im Aussenraum entstehen, und gleichzeitig wird der öffentliche Raum stärker belebt. Die Tunnelvariante erhöht die Verkehrssicherheit im Dorfzentrum durch den Wegfall der Bahn.

Die Doppelspur bringt dank dem Mischverkehr aber eine Temporeduktion und damit verbunden ebenfalls eine Steigerung der Verkehrssicherheit mit sich.

Umweltschutz

In jedem Fall werden im Endzustand die Emissionen (CO2 und Feinstaub) reduziert. Dies vor allem durch die gegenüber heute tieferen Geschwindigkeiten der motorisierten Fahrzeuge im Dorfzentrum.

Der Tunnel verursacht im Dorfzentrum weniger Lärm. Bei der Doppelspur ist die Bahn sichtbarer, dadurch fällt der Umstieg vom Auto auf die Bahn leichter.

Ortsbild und Entwicklungspotenziale

Das Ortsbild kann in beiden Varianten deutlich aufgewertet werden. Die Doppelspurvariante wirkt jedoch stärker Richtung Nachhaltigkeit, da die Flexibilität für die künftige Positionierung der Haltestellen deutlich grösser ist. Zudem können Reisende das Teufner Ortsbild auf der Durchfahrt erleben.

Der Tunnel bringt zwar ebenfalls ein grosses Aufwertungspotenzial im entlasteten Bereich mit sich, die Portale belasten das Ortsbild jedoch stark.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Der gewonnene Raum für Begegnung trägt zum gegenseitigen Verständnis der Teufner Bevölkerung bei. Die Attraktivität für die Geschäfte im Dorfzentrum steigt bei beiden Varianten.

Die Tunnelvariante birgt aber die Gefahr der Entsolidarisierung, da nur ein Teil der Bevölkerung von der Entlastung profitiert und die hohen Baukosten den Spardruck in anderen Ressorts wie Bildung oder Kultur erhöhen.

Fazit der Nachhaltigkeitsprüfung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sowohl die Variante Tunnel als auch die Variante Doppelspur insgesamt positive Auswirkungen für die grosse Mehrheit der Teufnerinnen und Teufner mit sich bringen. Wesentliche Unterschiede lassen sich vor allem dort erkennen, wo der Spardruck aufgrund der hohen Kosten des Tunnels für die Gemeinde negative Auswirkungen für die Bevölkerung haben könnte.

Öffentliche Ausstellung und zwei Veranstaltungen

Die vollständige Nachhaltigkeitsbeurteilung sowie der von Ernst & Young AG St. Gallen in Zusammenarbeit mit dem Teilprojektteam Finanzen erstellte Bericht zum Teilprojekt Finanzierung werden an der Ausstellung im Haus «Unteres Gremm» gezeigt. Sie wird vom 8. November bis 16. Januar täglich von 8.30 bis 17 Uhr geöffnet sein.

Jeweils am Samstag, 8. November und 13. Dezember werden Mitglieder des Lenkungsausschusses von 10 bis 12 Uhr am Vormittag vor Ort in der Ausstellung anwesend sein und Fragen der Ausstellungsbesucherinnen und -besucher beantworten.

Geplant sind darüber hinaus zwei öffentliche Informationsveranstaltungen, die am 6. November sowie am 16. Dezember jeweils um 19.30 Uhr im Lindensaal stattfinden.

kosten- und belastungsvergleich ortsdurchfahrt

Finanzrahmen

Nach aktuellem Kenntnisstand sind für den Tunnel Baukosten von rund CHF 65 Mio. und für die Doppelspur Kosten von rund CHF 26 Mio. zu erwarten. Bei der Tunnelvariante hat die Gemeinde Teufen mit gut CHF 30 Mio. rund 45% der Basiskosten sowie zusätzlich mindestens 84% der baubedingten Mehrkosten zu tragen, bei der Doppelspurvariante hat sie CHF 0.2 Mio. zu tragen.

Detaillierte Abklärungen haben ergeben, dass die Tunnelfinanzierung bei einer Steuererhöhung von 0.1 Einheiten grundsätzlich möglich ist. Die Mitfinanzierung des Tunnels in den nächsten rund 20 Jahren führt aufgrund der hohen Neuverschuldung zur Einengung des finanziellen Handlungsspielraums der Gemeinde. Notwendige Ersatzinvestitionen (z. B. Alters- und Pflegeheim, Schule) sowie Investitionen in die Werterhaltung bestehender Bauten und Infrastrukturanlagen wären gefährdet.

Als grösste Gefahr für das finanzielle Gleichgewicht erweist sich die wesentliche Übernahme des Kostenüberschreitungsrisikos durch Teufen. pd.

bahn im dorfzentrum teufen

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