«Trump will keine hohen Energiepreise»

09.04.2026 | Timo Züst

Der Krieg im Iran begann am 28. Februar mit einem israelisch-amerikanischen Luftrangriff. Seither wehrt sich das iranische Mullah-Regime mit allen Mitteln – dazu gehört auch die zeitweise Sperrung der Strasse von Hormus. Dabei handelt es sich um eine Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer verbindet. Durch sie führt eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, insbesondere für den Transport von Öl und Flüssiggas. Hier wird aber nicht nur Öl transportiert, sondern auch gefördert. Iran gehört zu den zehn grössten Ölförder-Nationen der Welt. Entsprechend starke Auswirkungen hat der Konflikt im Iran auf den Energiemarkt. Noch geht zwar kaum irgendwo auf der Welt Heizöl, Benzin, Diesel oder Erdgas aus – langsamen Tankern und Reserven sei Dank. Aber die drohende Knappheit und die scheinbare Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten machen die Preise sehr volatil. Wie erlebt das jemand, der täglich mit Tausenden Litern Heizöl und Treibstoff handelt? Die TP hat mit Beat Bachmann von der BDH Energie GmbH gesprochen.

Der Teufner Beat Bachmann ist seit bald vier Jahrzehnten im Öl- und Treibstoffhandel tätig. Foto: tiz

Herr Bachmann, wie beginnt Ihr Arbeitstag?

Mit einem Blick auf den Bildschirm und dem Lesen des Morgenreports. Dieser informiert mich darüber, was in der Nacht passiert ist und wie sich die Preise entwickeln.

Was sehen Sie da konkret auf dem Bildschirm?

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Markt-Indikatoren und der für mich relevanten News. Der Ölpreis setzt sich – grob gesagt – aus drei Haupttreibern zusammen: Börse, Dollar-Kurs und Rheinfracht.

Gestern Vormittag muss das besonders spannend gewesen sein.

Stimmt. In der Nacht auf Mittwoch hatte ich mit einigen Branchen-Kollegen noch darüber philosophiert, ob die Situation jetzt nun wirklich noch mehr eskalieren wird oder nicht. Und am Morgen las ich dann: Waffenstillstand. Das zeigte sich natürlich auch sofort im Preis.

Nämlich?

Nun, am Dienstag lag der Eröffnungspreis bei 141 Franken für 100 Liter. Am Mittwoch nur noch 113.60 Franken.

Für diesen Preis können Sie das Heizöl also einkaufen. Bei wem eigentlich?

Ich kaufe Öl und Treibstoffe von den Importeuren – zum Beispiel «Avia», «Agrola», «SOCAR» oder «Cica». Und verkaufe es weiter an andere Händler, Tankstellen, Verwaltungen oder Privatkunden.

Früher hatte ich manchmal bis zu 100’000 Liter auf Reserve eingekauft. Aber heute sind die Preise so volatil, dass sich das nicht mehr lohnt.

Inwiefern müssen Sie dabei selber ins Risiko gehen?

Bei den Mengen, die ich umsetze, zum Glück eher wenig. Ich bin meinen Kunden gegenüber immer sehr transparent: Ich teile ihnen den Preis 1:1 mit. Sie können dann entscheiden, ob sie zu diesem Zeitpunkt und zu diesem Preis kaufen wollen. Meine Bruttomarge beträgt dabei rund 1 Prozent. Davon geht aber leider noch ziemlich viel weg (lacht).

Das heisst, Sie haben keinen «Öl-Puffer»?

Inzwischen fast nicht mehr, nein. Früher hatte ich manchmal bis zu 100’000 Liter auf Reserve eingekauft. Aber heute sind die Preise so volatil, dass sich das nicht mehr lohnt. Man muss einfach reagieren.

Aber man kann Heizöl auch vorbestellen, oder?

Natürlich. Wer will, kann sein Öl jetzt schon für den November oder Dezember kaufen. Auch da gebe ich den Preis vom Importeur weiter. Ob das dann ein guter oder schlechter Preis war, werden aber alle Beteiligten erst im Spätherbst wissen …

Wir sitzen hier, weil im Iran gerade Krieg herrscht. Was haben Sie eigentlich gedacht, als Sie vom Angriff hörten?

Man hat ja gewusst, dass es brodelt. Ein Bekannter von mir mit engen Verbindungen zu Israel hatte mir drei Wochen vor dem Angriff noch gesagt: «Beat, ich glaube, bald passiert etwas. Ich würde jetzt kaufen.» Aber so einer bin ich nicht. Ich kaufe nicht «long», also in der Erwartung, dass etwas schiefläuft. Als ich es dann aber hörte, war ich – natürlich – gerade am Skifahren. Das war eher unpraktisch (lacht).

Weil dann das Telefon ständig klingelt?

Ja. Das ist eigentlich immer so, wenn so etwas passiert. Sei es der Angriff auf die Ukraine, die Corona-Pandemie, Iraks Einmarsch in Kuwait oder «9/11»: Es gibt immer einige Kunden, die dann unbedingt sofort kaufen wollen.

Und was raten Sie denen?

Wenn es nicht wirklich dringend ist, rate ich, abzuwarten. Oder nur das allernötigste zu kaufen. Die Krisen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte haben mich gelehrt, dass es fast nie so schlimm kommt, wie viele am Anfang denken.

Viele Länder haben Reserven – auch die Schweiz. Diese Pflichtlager reichen für 4.5 bis 5 Monate. Das ist ein gutes System.

Gilt das auch für diese Situation? Man hört von einigen, das Öl könnte uns bald einmal ausgehen …

Ich bin eigentlich von Natur aus ein kritischer Mensch. Aber in dieser Sache bin ich eher optimistisch. Trump will auf jeden Fall keine teuren Energiepreise. Das würde ihm in den USA das Genick brechen.

Aber wir reden hier schon von einer waschechten Öl-Krise. Sie wird uns nur verzögert erreichen, weil die Tanker so langsam unterwegs sind.

Natürlich, ich nehme das auch nicht auf die leichte Schulter. Aber viele Länder haben Reserven – auch die Schweiz. Diese Pflichtlager reichen für 4.5 bis 5 Monate. Das ist ein gutes System. Und wie Sie sagen: Es sind auch noch viele Tanker unterwegs. Reserven auf dem Wasser hatten wir auch schon immer. Wenn die Tanker wieder freier fahren können, werden sie ihre Routen notfalls anpassen und das Öl dorthin bringen, wo es am dringendsten gebraucht wird.

Sie glauben also, dass sich die Lage schon bald wieder beruhigen wird. Nachhaltig?

So lange kriegerische Aktivitäten im grossen Stil am Laufen sind, wird die Volatilität anhalten. Die Preisschwankungen werden erst weniger, wenn wieder so etwas wie «courant normal» herrscht.

Ich bin deshalb dafür, dass der Optionen-Handel bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen komplett verboten wird.

Sie sind schon einige Jahrzehnte in diesem Business tätig. Was ist der tiefste Ölpreis, an den Sie sich erinnern?

Das war wohl 1986. Das weiss ich, weil da eine neue Mineralölabgabe eingeführt wurde. Ich glaube, da lag der Preis bei 18 Franken pro 100 Kilogramm. Damals wurde noch in Kilogramm statt Liter gehandelt.

In dieser Zeit hat sich auch der globale Handel verändert. Beim Ölpreis spielen ja nicht nur Angebot und Nachfrage, sondern auch die Börse eine grosse Rolle. Spekulanten «wetten» dort auf die Entwicklung des Ölpreises und beeinflussen ihn so auch. Was denken Sie als «Realhändler» über diese Aktivitäten?

Ich habe dafür kein Verständnis. Diese Spekulationen führen dazu, dass wir an schlimmen Tagen weit über 50 verschiedene Preismeldungen bekommen. Das ist schlecht fürs Geschäft – sowohl für den Händler als auch den Kunden. Ich bin deshalb dafür, dass der Optionen-Handel bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen komplett verboten wird. Das wäre endlich mal eine Lösung und nicht nur eine Symptom-Bekämpfung.

Top-Artikel

Top-Artikel

Anzeige

Anzeige

gif_häckseldienst

Nächste Veranstaltungen

Dienstag, 14.04.2026

Kurs: Pflanzenschutz und Düngung ganz natürlich

Samstag, 18.04.2026

Timeline Community: Pottery Night

Aktuelles

×
× Event Bild

×
×

Durchsuchen Sie unsere 7871 Artikel

Wetterprognose Gemeinde Teufen

HEUTE

14.04.26 09:0014.04.26 10:0014.04.26 11:0014.04.26 12:0014.04.26 13:00
5.8°C6°C6.2°C6.5°C6.7°C
WettericonWettericonWettericonWettericonWettericon

MORGEN

15.04.26 05:0015.04.26 09:0015.04.26 12:0015.04.26 15:0015.04.26 20:00
4.1°C8.4°C11.1°C13.1°C10.1°C
WettericonWettericonWettericonWettericonWettericon

Anmeldung Newsletter

Spannende Themen und aktuelle Veranstaltungen direkt ins Postfach!

Nach Ihrer Anmeldung bekommen Sie einmal pro Woche ausgewählte Lese- und Veranstaltungstipps aus unserer Redaktion.