Teufner Flamencotänzerin flirtet mit Philharmonie

10.05.2013 | TPoscht online
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Marietta Storchenegger aus Montevideo

Für einmal ertönen in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo nicht Tangoklänge, sondern klassische spanische Musik. Im berühmten Teatro Solís – das zweitgrösste Theater in Südamerika – tritt die international bekannte Flamencotänzerin und gebürtige Teufnerin Bettina Castaño-Sulzer auf.

Begleitet wird ihr tänzerischer Auftritt vom Philharmonischen Orchester Montevideo unter der Leitung des Schweizer Dirigenten Thomas Herzog. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit der beiden. Sie haben mit dem Programm „Desde España con amor“ bereits Zuschauer in der Schweiz, in Deutschland und in Kairo begeistert. Doch an diesem Abend ist es das erste Mal, dass die beiden mit einem Orchester in Südamerika auftreten.

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Die Plätze im Teatro Solís sind an diesem Abend ausverkauft. Der prunkvolle Konzertsaal ist voll besetzt. Das Licht wird gedämpft und das Publikum hüllt sich in erwartungsvolles Schweigen. Das Orchester beginnt mit den ersten Tönen von Manuel de Fallas El amor Brujo. Am Bühnenrand erscheint im Halbschatten eine weibliche Figur. Mit graziösen Bewegungen und der für den Flamenco typischen, stolzen Haltung nähert sich Bettina Castaño der Bühnenmitte. Dann beginnt sie zu tanzen und es ist, als würde, zusammen mit der Musik, ein kleines Feuer entfacht.

Bettina Castaño zieht mit ihrem Tanz, ihrer Mimik und Gestik, das Publikum sofort in ihren Bann. Sie besitzt die aussergewöhnliche Fähigkeit, mit ihren Bewegungen die feinsten und subtilsten Nuancen dieser Musik hervorzuheben. Es verschmelzen Flamencoelemente mit klassischem Tanz, eigenen Bewegungsabfolgen und vereinzelt orientalisch anmutenden Tanzstilen. Der Körper selbst wird zum Perkussionsinstrument. Es scheint, als würde nicht das Orchester, sondern Bettina Castaño zeitweise den Takt angeben und so die Musiker mitziehen.

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In diesem Programm mit klassischer spanischer Musik folgen Stücke von Isaac Albéniz (Asturias, Córdoba), Federico Chueca (El bateo), Amadeo Vives (Doña Francisquita), Gerónimo Giménez, Enrique Granados (Goyescas) und nochmals de Falla (Danza del molinero, la vida breve).

Während der ganzen Aufführung strahlt Bettina Castaño Sicherheit und höchste Professionalität, Weiblichkeit, Wärme und viel Lebensfreude aus. Zu ihren wechselnden und immer passenden Kleiderstücken findet einmal ein feuerroter Schal, mal ein Fächer, ein spanisches Fransentuch oder Kastagnetten Einzug in ihre Inszenierungen.

Als Bettina Castaño zu ihrem Solo-Zapateado ansetzt, herrscht im pompösen Theatersaal absolute Stille. Es scheint, als würde das  Publikum den Atem anhalten und dabei fieberhaft Castaños Zapateados, die mal schneller, mal langsamer werden und geschickt von einem Rhythmus in den anderen wechseln, mitverfolgen.

Die Schrittabfolgen und Palmas steigern sich, bis die Spannung dann im Schlusspunkt kulminiert, die Bailaora in ihrer Endposition verharrt und das Publikum in tosenden Applaus ausbricht. Die Olé-Rufe gelten ihr, und bei dem eher etwas zurückhaltenden Publikum von Montevideo, will das etwas heissen.

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Ihre nächsten Auftritte:

Am 18. Juni 2013 tritt Bettina Castaño zusammen mit den Alder Buebe in Madrid auf. Bald kann man sie aber auch in der Schweiz sehen, zum Beispiel am 19. Juli 2013 auf dem Postplatz Openair Appenzell mit dem Programm Flamenco & Appenzell.

27. Juli – 4. August 2013: Frame Drum Festival in Freiburg (D) Mit dem Programm „Bach al Compás“ am 16. August 2013 in Rüttihubelbad (bei Bern) und am 17. August 2013 im Stadttheater Schaffhausen.

Am 21. August kann man Bettina Castaño-Sulzer einmal mehr zusammen mit den Alder Buebe im Kaffeehaus in St.Gallen erleben.

Und gleich zehn Tage später tritt sie mit FLAMENCO&APPENZELL in TEUFEN auf: am 31. August 2013 um 20.00 Uhr, im Rahmen des Jubiläums von AR-AI, in der LEDI (Die Wanderbühne).

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Von Appenzell nach Sevilla, Spanien

Bettina Castaño-Sulzer ist in Teufen geboren und aufgewachsen. Sie erzählt uns, wie sie ihre Leidenschaft zum Flamenco bereits als Kind entdeckte. Sie erinnert sich an ihre spanischen Nachbarn, an ein Tamburin, das sie ihr geschenkt haben, an das Kinderbuch „Globi im Lande der Spanier“ und an die Musik von Paco de Lucía.

Allerdings musste sie bis zum Maturabschluss warten, um mit dem Flamencotanz beginnen zu können. Sie spielte damals bereits Cello und hatte somit Zugang zur klassischen Musik sowie auch zur Appenzeller Volksmusik. Als 20-Jährige stand ihrem Traum dann nichts mehr im Wege, und Bettina Sulzer reiste ganz alleine in den Süden von Spanien, nach Sevilla, der Hochburg des Flamencos. Dort nahm sie zehn Jahre professionellen Flamencounterricht beim berühmten Tänzer, Choreografen und Lehrer Manolo Marín, welcher ihr dann auch den Künstlernamen Castaño gab.

Castaño –Kastanienbaum, weil sie etwas Erdverbundenes habe. Das kann man gut verstehen, wenn man sie auf der Bühne sieht, sie kennenlernt und mit ihr spricht. Man spürt aber auch die Äste dieses Kastanienbaums, die sich immer wieder nach neuen Horizonten ausstrecken.

Mittlerweilen ist die berühmte Bailaora Flamenca zur Weltenbürgerin geworden. Sie pendelt zwischen Spanien, der Schweiz, Indien, Europa und unlängst auch Südamerika hin und her und ist für immer neue Projekte und Fusionen offen. Sie verbindet Elemente des traditionellen Flamencos einmal mit klassischer Musik (z.B. im Programm Bach al compás), mit afghanischer Perkussion, mit Elementen aus indischer Musik (Pulse of India), mit Zigeunergeigen, oder einmal mit verschiedenen Stücken fürs Cello (Cello:factory, Celliberia).

Im Programm Flamenco & Appenzell verbinden sich – durch die Zusammenarbeit mit der Appenzeller Volksmusikgruppe Alder Buebe – ihre Wurzeln mit dem Flamenco.

Als Schweizerin in Sevilla und im Flamencomilieu durchzukommen, war wie sie sagt „nicht immer einfach“ und das ist bestimmt ganz bescheiden ausgedrückt. Aber gerade die schwierigen Momente, haben ihr geholfen, Ausschau nach neuen Möglichkeiten und Wegen zu halten.

Im Nachhinein sei sie froh, dass ihre Flamencokarriere nicht ganz klassisch verlaufen sei. „So habe ich meinen eigenen Weg gemacht. Gut tanzen können viele, aber etwas Eigenes haben, das ist etwas anderes.“ Genau diese Einzigartigkeit ist es, die Bettina Castaño auszeichnet. Und so gelingt es ihr immer wieder Brücken zu schlagen und Fusionen zu kreieren zwischen verschiedenen Kulturen, Musikstilen und ihrem eigenen, sehr authentischen Tanzschaffen.

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Die mit den Alder Buebe tanzt

Bettina Castaños brillante Talk- und Tanzshow im Baradies. weiterlesen…

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