«Tempo 30 ist überfällig»

10.10.2020 | Timo Züst
Bächlistrasse
Entsteht hier schon bald eine neue Tempo-30-Zone? Foto: tiz Neu ist die Idee nicht. Aber jetzt will der Gemeinderat Nägel mit Köpfen machen: Am 21. Oktober stellt er der Bevölkerung das Konzept für die Einführung von Tempo-30-Zonen vor. Vize-Gemeindepräsidentin Pascale Sigg (Ressort Bau) beantwortet die Fragen der TP. Frau Sigg, ganz plump: Warum überhaupt Tempo-30-Zonen? In erster Linie wird damit die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erhöht. Das gilt nicht nur für Fussgänger, Kinder und Velofahrer, sondern auch für die Autofahrer selbst. Aber eine reduzierte Geschwindigkeit bringt auch mehr Lebensqualität. Die Lärmemissionen sinken und die Strasse wird wieder mehr zu einem Ort der Begegnung. Für Teufen als Energiestadt und kinderfreundliche Gemeinde ist die Einführung deshalb überfällig. Geplant sind Temporeduktionen schon lange (siehe Kasten). Hat der Zeitpunkt der Umsetzung etwas mit dem Projekt Ortsdurchfahrt zu tun? Teilweise. Wie Sie wissen, plant der Kanton im Zuge der Umsetzung des Doppelspur-Projekts auch eine Tempo-30-Zone auf der Kantonsstrasse durch das Dorf. Das ist aber nur möglich, wenn alle in die Hauptstrasse einmündenden Strassen auch auf Tempo-30-Zonen begrenzt werden. Der Gemeinderat hat den Auftrag das umzusetzen. Das führt zu zwei Folgefragen. Erstens: Was ist, wenn ein Tunnel kommt? Dann wird das Tempo durch das Dorf trotzdem reduziert. Dies ist umso wichtiger, da eine Tempo-30-Zone einen entscheidenden Beitrag zu mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität im Dorfzentrum leisten würde. Denn bei der Hauptstrasse kommt zu den anfangs erwähnten Vorteilen noch ein entscheidender dazu: die Verkehrsumlenkung. Also mehr Autos auf die Umfahrung? Genau. Von den über 5000 Fahrzeugen, die täglich durchs Dorf fahren, sind rund 16 Prozent Durchgangsverkehr. Wir hoffen, dass nach der Einführung von Tempo 30 deutlich mehr von ihnen die Umfahrung nutzen werden.

Keine Hauruck-Übung

Die angedachten Tempo-Reduktionen auf dem Strassennetz der Gemeinde gehen auf ein Konzept aus dem Jahr 2012 zurück. Damals gab der Gemeinderat seine Zustimmung zum neuen Verkehrskonzept. Es beinhaltete auch den Grundsatzentscheid, das Tempo wo möglich zu reduzieren. Zwei Jahre später wurde dann ein konkretisierter Massnahmenkatalog gutgeheissen. Ziel: die Umsetzung von Tempo-30-Zonen. Deren Einführung wurde in den vergangenen Jahren in Einzelfällen mehrmals durch Einsprachen verhindert. Nun nimmt der Gemeinderat mit einem weiterentwickelten Konzept einen neuen Anlauf.
Und die zweite Frage: Würde die Einführung der Tempo-30-Zonen auf den Gemeindestrassen auch ohne die angedachte Reduktion auf der Hauptstrasse vorangetrieben? Ja. Das Verkehrskonzept und der entsprechende Massnahmenkatalog zur Temporeduktion bestehen seit Jahren. Egal, wie es bei der Ortsdurchfahrt weitergeht: Wir setzen uns für Tempo-30-Zonen ein. Ganz oben auf der Liste steht die Bächlistrasse. Wie wird ausgewählt, wo die Reduktionen zuerst kommen? Da gehen wir pragmatisch vor. Bei der Einführung von einer Tempo-30-Zone ist es nicht mit einem neuen Schild getan. Es müssen auch bauliche Anpassungen zur Verkehrsberuhigung vorgenommen werden. Es macht deshalb Sinn, wenn die Einführung mit anstehenden Sanierungsarbeiten der jeweiligen Strasse gekoppelt werden. Bei der Bächlistrasse ist das der Fall. Ähnlich sieht es bei der Schützenberg-, der Zeughaus- und Landhausstrasse aus. Und dann gilt dort überall Rechtsvortritt? Grundsätzlich ja. Tempo-30-Zonen sind die «klassischen» Bereiche mit Rechtsvortritt und ohne Zebrastreifen. Hier dürfen Fussgänger überall kreuzen. Es gibt aber eine Unterscheidung zwischen Haupt- und Gemeindestrassen. Erstere wird verkehrsorientiert behandelt. Das bedeutet, es gilt  kein Rechtsvortritt und Fussgängerstreifen sind möglich. Die Gemeindestrassen gelten hingegen als siedlungsorientiert. Diese Unterscheidung wird der Bevölkerung an der geplanten Orientierungsversammlung erklärt. Wie funktioniert der politische Prozess für die Einführung einer Tempo-30-Zone? Der Gemeinderat ist für die Gemeindestrassen zuständig. Hier kann er – gestützt auf ein stimmiges Konzept – den Beschluss fassen, eine Tempo-30-Zone zu erstellen. Die Pläne müssen nach der Kontrolle durch die Kantonspolizei öffentlich aufgelegt werden. Wie bei jedem Bauvorhaben gibt es dann die Möglichkeit Einsprache zu erheben. Anders gesagt: Ohne Einsprachen könnte so eine Zone auf einer Gemeindestrasse rasch umgesetzt werden? Richtig. Deshalb versuchen wir auch, die Bevölkerung früh und umfassend zu informieren, um allfälligen Ängsten vorzubeugen und Skeptiker abzuholen. Zum Abschluss noch ein beliebtes Skeptiker-Argument: In diesen 30er-Zonen kontrolliert die Polizei mit Vorliebe. Einmal das Schild übersehen und schon ist man ein Raser. Die Geschwindigkeitskontrolle ist Sache der Polizei. Aber sie hat uns erklärt, dass Kontrollen in Tempo-30-Gebieten nicht willkürlich durchgeführt werden. Sondern dann, wenn vermehrte Hinweise auf zu schnelles Fahren eingehen. Wir setzen deshalb eben nicht auf eine reine Temporeduktion, sondern auf vollwertige Tempo-30-Zonen. Dort ist viel zu schnelles Fahren fast nicht möglich.   Hinweis: Aufgrund der angespannten Situation rund um die Ausbreitung des Coronavirus mussten die für den 21. Oktober und 4. November geplanten Informationsveranstaltungen abgesagt werden. Die Gemeinde will die Tempo-30-Thematik aber weiterverfolgen und die Veranstaltungen, wenn möglich, nachholen. Weitere Informationen folgen.

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