Tagesfamilien sind in Teufen rar

28.09.2016 | Alexandra Grueter-Axthammer
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Gut betreut: Lenny geniesst den wöchentlichen Tag bei seiner Tagesfamilie mit den älteren Kindern.

 

Bildbericht: Alexandra Grüter-Axthammer

Im heimeligen Wohnzimmer liegen Spielsachen am Boden, die Tasche für den kleinen Lenny steht bereit. Seit neun Uhr morgens ist Lenny bei seiner Tagesfamilie, der Familie Trivigno in Teufen, jetzt ist es siebzehn Uhr und gleich kommt seine Mutter und holt ihn ab. Der elf Monate alte Lenny verbringt jeweils den Dienstag bei den Trivignos – aber wenn seine Mutter zur Tür hereinkommt, dann hat er für einen Moment nur Augen für sie, und die Freude ist riesig.

Betreuung mit Familienanschluss

Lennys Eltern hatten Glück, denn Tagesfamilien gibt es in Teufen nur wenige. Die Nachfrage ist grösser als das Angebot. Für Lennys Eltern erleichtert dies einiges, denn sie kommen aus dem nahen Allgäu in Deutschland und leben seit 2008 in der Lustmühle.

Als Lennys Mutter Claudia mit ihrem Sohn schwanger war, überlegten sich die werdenden Eltern, wo und wie oft sie Lenny fremdbetreuen möchten. Da Lennys Grosseltern und Verwandte in Deutschland leben, entschieden sich Lennys Eltern, über den Verein Tagesfamilien Appenzell Ausserhoden eine Tagesfamilie zu suchen. Natürlich hätten sie und ihr Mann auch die Kindertagesstätten (Kitas) angeschaut, sagt Claudia. Entscheidend für die Tagesfamilie seien dann die flexiblen Zeiten gewesen, vor allem die Randzeiten, Ferienzeiten und auch die Wochenenden. Auch wenn Lenny krank sei und Fieber habe, dürfe er trotzdem zu seiner Tagesfamilie – das sei in den Kitas nicht möglich, sagt Claudia.

«Wir sprechen uns natürlich ab mit Lydia Trivigno, ob es für sie so passt». Doch wenn der Kleine am Zahnen ist und Fieber hat, ist das für Lydia Trivigno kein Problem. Sie hat selber vier Kinder, drei Mädchen und einen Jungen. Ihre jüngste Tochter ist fünf Jahre alt und die älteste Tochter ist fünfzehn. Sie kennt sich aus mit zahnenden Kindern, und auch wenn der kleine Lenny mal nicht so «zwäg» ist, nimmt sie ihn gerne zu sich.

Lydia Trivigno lebt mit ihrem Mann Carmine und den Kindern mitten in Teufen. Sie habe im Service gearbeitet, allerdings sei dies nicht immer einfach gewesen mit vier Kindern. Einerseits wegen der Betreuung und andererseits, wenn sie sportliche oder schulische Anlässe der Kinder besuchen wollte, oder die Kinder mal krank waren.

Darum hat sie sich letztes Jahr auf ein Inserat des Vereins Tagesfamilien Appenzell Ausserhoden gemeldet. Nachdem sie einen Fragebogen ausgefüllt hatte, besuchte sie Karin Jeker, die Vermittlerin des Vereins zu Hause, um sie und die Familie persönlich kennen zu lernen und das Umfeld und die Möglichkeiten der Familie zu prüfen. Danach ging es ziemlich schnell, und seit September 2015 betreut sie Lenny.

«Die Betreuung von Lenny ist für mich optimal – es ist das, was ich gerne mache, und ich kann von zu Hause aus etwas Geld verdienen und für meine Kinder da sein.» Für Lenny und seine Familie sind die Trivignos mehr als ein Betreuungsort. «Lenny geniesst die grösseren Kinder der Trivignos, und wir können Lenny auch mal am Wochenende oder zum Übernachten bringen, es erweitert unsere Familie – für uns ist es ein richtiger Glücksfall», sagt Claudia.

Wenig Administration für die Tageseltern

Die Abrechnung läuft über den Verein. Lydia Trivigno erstellt den monatlichen Rapport, und die Familie von Lenny bekommt die Rechnung direkt vom Verein. Versicherungen und AHV werden über den Verein geregelt und entlasten so die Tageseltern.

«Das ist praktisch, so können wir uns auf die Betreuung des Kindes konzentrieren und müssen mit Lennys Familie keine rechtlichen Dinge regeln», sagt Lydia Trivigno. Sie schätzt das Engagement des Vereins Tagesfamilien Appenzell Ausserrhoden. So besuchen Tageseltern eine Grundausbildung und profitieren von verschiedenen Weiterbildungen.

Für Lennys Eltern und die Familie Trivigno sind die Begegnung und der wöchentliche Austausch ein Gewinn. Auch die vier Kinder der Familie Trivigno mögen Lenny und spielen gerne mit ihm – besonders der Zweitjüngste, Maurizio, freut sich jeweils auf Lennys Besuch:«Dann bin ich nicht der einzige Bub hier.»

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Der Vorstand des Vereins Tagesfamilien AR: Ursula von Burg, Teufen, Kontakt Gemeinden und Schulen; Angelika Malik, Bildung, Weiterbildung, Personelles; Rosa Knöpfel, Administration; Marianne Kleiner, Kontakte; Thomas Nufer, Finanzen; Karin Jeker, Vermittlung und Stefan Jeker, Präsidium. Foto:zVg.

Der Verein Tagesfamilien

Der Verein Tagesfamilien Appenzell Ausserrhoden ist eine Non-Profit-Organisation im Bereich der familienergänzenden Kinderbetreuung in Tages­familien. Er setzt sich gemeinsam mit den Tageseltern für eine gute Tages­betreuung ein und setzt auf Qualität zum Wohl des Kindes.

Die Vermittlungsstellen der Tagesfamilien Appenzell Ausserrhoden sind in allen Gemeinden des Kantons (Vorder-, Mittel- und Hinterland) tätig. Weitere Informationen finden Sie unter: www.tagesfamilien-ar.ch

In den letzten Jahren hat sich der TFAR mit seinem Angebot der Betreuung von Kindern in Tagesfamilien als eine unverzichtbare Ergänzung zu den Kindertagesstätten (Kitas) etabliert. Die beim Verein angestellten Tagesmüttern betreuen die Kinder zu flexiblen Zeiten und können somit auf Wünsche der abgebenden Eltern eingehen. Für Eltern mit unkonventionellen Arbeitszeiten bedeutet dies eine grosse Hilfe. Die betreuten Stunden nehmen nach wie vor jährlich zu. Mittlerweile sind wir bei über 15.000 Stunden angelangt. Unser Angebot entspricht also einem grossen und nach wie vor wachsenden Bedürfnis.
Herz und Rückgrat unserer Arbeit bildet unsere Vermittlerin Karin Jeker. Sie hat eine glückliche Hand im Finden von Tageseltern und der Vermittlung der zu ihnen passenden Kinder. Mittlerweile betreuen wir 79 Kinder in 28 Tagesfamilien. Das bedeutet, dass 79 Kinder unseres Kantons während der Abwesenheit ihrer Eltern eine sorgsame und liebevolle Betreuung erleben dürfen.
Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden ist zwar nach wie vor nicht flächendeckend; immerhin konnten wir bereits mit 7 Gemeinden einen Vertrag abschliessen. Es sind dies Herisau, Teufen, Heiden, Urnäsch, Rehetobel, Schönengrund, Lutzenberg. Wir betreuen jedoch Kinder aus 14 Gemeinden. Die Eltern, die in den Nicht- Vertrags-Gemeinden leben, bezahlen höhere Tarife.
Der Vorstand arbeitet mit viel Freude und Engagement ohne jegliche Entschädigung für diese wichtige Aufgabe. Für uns gibt es nichts Schöneres, als Kindern ein kleines Stück Lebensfreude und Geborgenheit in ihrer Kindheit vermitteln zu können.

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